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Android

iOS ist auch fragmentiert und bekommt nur Funktionen, die Android schon längst hat – ähm, nein (Kommentar)

Denny Fischer

Veröffentlicht

am

ios 6 vs ice cream sandwich

Zu Beginn der Woche hat Apple mal wieder eine neue Version ihres mobilen Betriebssystems iOS vorgestellt, diesmal ist es schon die sechste Version. Und auch hier hat Apple wieder versucht, viele Funktionen als Weltneuheit und besonders toll zu verkaufen, doch sollen sie doch machen. Vor einiger Zeit gehörte ich noch zu denen, die sich dann permanent über Apple beschwert haben, wie dreist sie doch abgucken und Menschen darauf reinfallen, weil in deren Werbeclips die Augen der Apple-Mitarbeiter besonders stark leuchten. Doch was ich die letzten Tage wieder lesen musste, lässt selbst mir die Nackenhaare zu Berge stehen. Keine Ahnung, ob ich mich als Android-Fanboy bezeichnen würde, auf jeden Fall ist das OS von Google definitiv mein Favorit und das dürfte jeder wissen, der mich kennt oder mir auf Twitter, Facebook, Google Plus oder sonstwo folgt. Doch jetzt ist es tatsächlich so weit, dass ich für iOS hier mal kurz eine Lanze breche, weil ich breche, bei dem was hier einige Kollegen so verzapfen.

Fragmentierung: iOS vs. Android

Besonders groß ist der Aufschrei gerade bei der Fragmentierung von Android. Und die ist stark, keine Zweifel, die aktuellste Version von Android (4.0 aka. Ice Cream Sandwich) befindet sich auf nicht mal 10 Prozent aller Android-Geräte. Klingt nicht weiter schlimm, wenn Ice Cream Sandwich erst seit zwei Wochen verfügbar wäre, allerdings ist es bereits seit verfluchten 7 Monaten verfügbar. In dieser Zeit bekommen es die großen Hersteller nicht hin, all ihre aktuellen Geräte aus 2012 und 2011 mit dieser Version auszustatten. Lustig ist, dass jetzt schon die ersten „Experten“ meinen, dass ja iOS genauso fragmentiert wäre, weil alte Geräte kein iOS 6 bekommen werden oder nur in eingeschränkten Varianten. Dann zählt mir jetzt bitte mal die zwei bis drei Jahre alten Android-Geräte auf, welche ein offizielles Ice Cream Sandwich-Update erhalten werden.

Und… ist euch auch nur ein Gerät eingefallen? Wenn überhaupt, dann könnte das Nexus S zum Ende des Jahres Jelly Bean bekommen, dann ist das Gerät zwei Jahre alt und wäre noch nicht vollends aussortiert, eine wahre Seltenheit. Das iPhone 3GS hingegen ist schon jetzt drei Jahre alt und wird im kommenden Herbst ein Update auf iOS 6 erhalten, was sagt man dazu. Lediglich noch ältere iPhones und das dann zweieinhalb Jahre alte iPad der ersten Generation hat Apple vom iOS 6-Update ausgeschlossen. Soviel zu dem Thema iOS wäre fragmentiert. Und wenn, dann ist das in meinen Augen die natürliche Auslese, was schon seit Jahrzehnten bei Desktop-Computern und anderen Geräten der Fall ist. Irgendwann ist die Software eben weiter als die Hardware, weshalb Kompatibilitäten nicht mehr zu 100 Prozent hergestellt werden können.

iOS 6 bekommt Funktionen, die Android schon längst hat

Diese Zwischenüberschrift ist der Tenor auf allen Blogs und Seiten, die mit iOS nicht sonderlich warm sind. Wie gesagt, vor zwei Jahren wäre so etwas von mir auch noch gekommen, doch ich gucke inzwischen etwas weiter um die Ecke, vielleicht sogar noch um die übernächste Ecke und noch weiter. Denn wenn man jahrelang an einem System festhält, die Konkurrenz aber zugleich interessiert beobachtet, dann fallen einem verstärkt Parallelen oder eben Gegensätze auf. Nirgends ist das stärker als bei den Marktführern Android und iOS zu beobachten, da vor allem die dahinterstehenden Unternehmen teilweise komplett gegensätzliche Strategien fahren. Apple hat iOS 6 mit über 200 neuen Funktionen beworben, worunter sicherlich auch lapidare Dinge wie eine VIP-Box für besonders wichtige Nachrichten von wichtigen Kontakten zu finden sind, kann Gmail so ähnlich mit Labels schon seit Ewigkeiten.

Viel interessanter finde ich dann aber Funktionen wie etwa das neue Maps, was quasi das Pendant zu Google Maps ist. Maps bietet euch die typischen Kartenfunktionen an, hat Zugriff auf den aktuellen Verkehr wie Staus, bietet eine typische Turn-by-Turn-Navigation und so weiter. Ja, auch das bietet Google Maps auf Android. Doch hier macht sich der Unterschied bemerkbar, den ich einleitend erwähnte. Google hat Funktionen wie 3D, Navigation und Live-Verkehr alles Stück für Stück über Jahre hinweg integriert, meist als Beta-Funktion oder nur auf bestimmte Regionen begrenzt, dann irgendwann mal final integriert. Apple hingegen hat gewartet und hat nun mit einem Schlag eine eigene Maps-Anwendung inklusive der genannten Funktionen integriert, alles mit einmal und nicht Stück für Stück. Zudem als finale Version, als fertiges und marktreifes Produkt. Die Navigation für Android heißt auch heute immer noch „Navigation (Beta)“.

Eine weiteres gutes Beispiel ist etwa die Integration von Facebook, denn auch hier haben viele gemeint, dass das bei Android ja schon längst vorhanden ist. Nö, denn Facebook ist in Android genauso integriert, wie ein umweltschonender Motor im Lamborghini Aventador. Lediglich lassen sich Kontakte und Kalender mittels der externen Facebook-App synchronisieren, eine tiefere Integration wie etwa in iOS 6 bietet Android aber mitnichten. Genauso wie die neue Safari-Funktion, dass der Browser jetzt auch die geöffneten Tabs der verschiedenen Geräte synchronisiert, denn auch das bietet Android von Haus aus nicht an. Es bedarf hier einer externen App, der Beta-Variante von Google Chrome (nur Android 4.0). Safari ist Standard unter iOS, zudem auch kein Beta-Browser, ist daher also theoretisch schon weiter als Chrome unter Android.

Oder nehmen wir bezüglich der neuen Twitter- und Facebook-Integration noch kurz das sogenannte Notification Center her, welches ohne Zweifel damals aus Android übernommen wurde. Doch was hat Apple gemacht? Man kann aus dem Notification Center heraus jetzt direkt Tweets oder einen Facebook-Status absenden. Auf solche Funktionen warte ich seit ich erstmals Windows Phone zum Jahreswechsel 2010/2011 in der Hand hatte. Jetzt haben wir seit dem Marktstart von Android diese Benachrichtigungsleiste da oben, welche uns nichts als aktuelle Benachrichtigungen und den Schnellzugriff auf die Einstellungen bietet. Soll heißen, sicherlich gibt es hier und da Copycats, aber wenn man sie sinnvoll erweitert, warum nicht.

Fazit

Was ich letzten Endes damit hier sagen wollte, dürfte den aufmerksamen Lesern schon längst dämmern. Schaut etwas genauer hin. Es ist definitiv nicht alles Gold was glänzt, weder bei Apple noch bei Google. Generell ist aber die Angewohnheit von Apple, dass man immer alles als super toll und neu verkauft, das ist aber die Strategie des Unternehmens schon immer gewesen und sollte vielleicht nicht allzu ernst genommen werden. Teilweise rückt sich Apple aber auch zurecht so ins Licht, denn wie ich bei den Apps erwähnte, ist iOS teilweise weiter als wir denken, was durchaus für neidische Blicke ins gegnerische Lager sorgen kann.

Ich liebe weiterhin mein Android, da es einfache Dinge wie Widgets bietet, die mir persönlich wichtig sind. Und jetzt stimmt mir zu, zerreißt mich in der Luft oder beleidigt mich für meine mäßige Rechtschreibung. [Bild] [asa_collection items=1, type=random]Beliebte Smartphones[/asa_collection]

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