Instagram ist aus mehreren Gründen kaum noch erträglich, wenn man den eigenen Feed nicht gnadenlos aussortiert.

Instagram war mal ein gutes Netzwerk für Fotos. Hier konnte man sich mit Freunden und Prominenten austauschen, einen Blick in das bebilderte Leben anderer Leute werfen oder einfach nur tolle Fotos genießen. Inzwischen scheint mir Instagram seine guten Zeiten hinter sich gelassen zu haben, woran mehrere Faktoren eine Mitschuld tragen. Aber selbstverständlich will ich an diesem Punkt nicht vergessen lassen, dass jeder Nutzer seinen Instagram-Feed selbst gestalten und in die richtige Richtung steuern kann.

Dennoch glaube ich, dass Instagram bei den meisten Leuten relativ ähnlich aussehen dürfte. Beide Feeds, der klassische News-Feed für neue Bilder und der Feed für Stories, werden einen bunten Mix aus privaten Freunden, Internetfreunden, Prominenten, Stars und Künstlern bieten können. Was früher mal ein Vorteil von Instagram war, ist heute eine Hölle aus vermeintlichen Werbeanzeigen und Reposts von Reposts.

Promophase komplett ausgereizt

Natürlich soll ein Künstler seinen Film oder insbesondere seine neue Musik auf Instagram pushen. Gerne. Aber inzwischen besteht die „Werbung“ für Neuveröffentlichungen nicht mehr nur aus einem Hinweis oder Tipp. Stattdessen werden tausende Schnipsel des neuen Musikvideos über Tage hinweg geteilt. Hinzukommen Posts mit Videos, in welchen der Künstler seine eigene Musik hört.

Außerdem gibt es noch Unmengen an Reposts von Stories der Fans, die gerade die Musik des Künstlers hören. Wie könnte man auch darauf verzichten. Fans w*chsen sich darauf einen, man muss für den Inhalt selbst keine weitere kreative Arbeit leisten und bleibt zugleich für Instagram ein sehr aktiver Creator. Zu guter Letzt kommen noch zahlreiche Story-Videos hinzu, in welchen im Minutentakt über Youtube-Klickzahlen berichtet wird.

Manche Künstler schaffen es tatsächlich in wenigen Minuten, dass ich auf einen neuen Song oder ein neues Album keine Lust mehr habe. Die sogenannte „Promophase“, von der gerne im Deutschrap gesprochen wird, hat heute unerträgliche Maße angenommen.

#Werbung

In Deutschland soll Werbung in sozialen Netzwerken gekennzeichnet werden, wenn ein Produkt genannt wird und dafür eine Gegenleistung erbracht wurde. Weiterhin scheint allgemein unklar zu sein, ab wann das tatsächlich der Fall ist, weswegen jetzt nahezu jeder noch so kleine „Influencer“ einfach alle Beiträge mit Werbung markiert. Es ist unfassbar undurchsichtig, wann wirklich Werbung stattfindet und wann nicht. Was aber auch damit zusammenhängt, wie viele Influencer heute drauf sind.

Schaue ich mir Stories einiger Leute an, denen ich selbst folge und was bei meiner Frau im Instagram-Feed zu finden ist, sehe ich sehr viele wandelnde Litfaßsäulen. Es geht nur noch darum, irgendwelche Produkte in die Kamera zu halten, die allesamt wirklich supertoll und absolut zu empfehlen sind. Ist der Influencer vom Produkt begeistert oder vom Honor für die Werbeanzeige? Ist es überhaupt eine echte Werbeanzeige oder ein selbst gekauftes Produkt? Man weiß es nicht.

Instagram ist mir zu viel von dem geworden, was es eigentlich nicht sein sollte.

Denny Fischer

Gründer Smartdroid.de, bloggt seit 2008 täglich über Smartphones, Android und ähnliche Themen.