Mir fällt die Decke auf den Kopf. Dieser wohl typisch deutsche Satz dürfte in den letzten Monaten häufiger gefallen sein. Viele Menschen müssen daheimbleiben und von dort aus arbeiten oder sind sogar komplett ohne Aufgaben in den eigenen vier Wänden „eingesperrt“. Die anhaltende Pandemie setzt selbst denen zu, die Homeoffice schon deutlich länger zu ihrem Arbeitsalltag zählen. Ich kann davon ein Lied singen und will euch ein paar persönliche Einblicke gewähren.

Seit geraumer Zeit sitze ich für meine alltägliche Vollzeitbeschäftigung permanent am heimischen Schreibtisch. Zehn Jahre sind es jetzt ziemlich genau, als ich die letzten externen Zelte abgebrochen und mich für eine sehr lange Zeit nach Hause begeben habe. Rückblickend war das ein guter Schritt, dessen Wichtigkeit und Langlebigkeit mir erst viele Jahre später bewusst wurde. Aber es ist nicht alles Gold, was nach „Zuhause“ klingt.

Nun. Ich bin es gewohnt, die meiste Zeit in den eigenen vier Wänden zu verbringen. Ich komme gut zurecht damit, einen großen Teil des Tages alleine zu sein. Viele andere würden das soziale Leben durch ihren Beruf ziemlich vermissen. Daher kann ich gut verstehen, wenn nicht jeder ganz freiwillig und mit Vorfreude ins Homeoffice wechselt. Wer dennoch ins Homeoffice geht, muss in einem langwierigen Prozess erlernen, was Homeoffice eigentlich bedeutet und sich entsprechend umstellen.

Allein, allein: Nicht schlimm, wenn es einen Ausgleich gibt

Ich habe einige Jahre alleine gelebt, davor sogar noch ein Stückchen bei meinen Eltern, seit vier Jahren mit meiner Frau zusammen und heute mit Kind und Katze. Ich kenne viele Facetten. Und dabei fiel auf, dass ein echter Arbeitsplatz oder sogar ein Büroraum unumgänglich sind. War das in der Anfangszeit mit meiner Frau in einer Zweiraumwohnung kein großes Thema, weil sie selbst gut zehn Stunden für die Arbeit außer aus Haus war, ist eine zeitweise räumliche Trennung umso wichtiger, wenn Kind und Frau permanent Zuhause sind.

Die größte Herausforderung dürfte für viele sein, dass genau dieser Punkt nicht so einfach umzusetzen ist. Die meisten Leute werden ihre Wohnung nicht mit der Aussicht ausgesucht haben, irgendwann einen richtigen Arbeitsplatz oder gar ein komplettes Büro zu benötigen. Bei uns war das naturgemäß anders, als wir uns vor zwei Jahren nach einer größeren Wohnung umgeschaut haben. Das macht sich inzwischen umso positiver bemerkbar, in den eigenen vier Wänden ein richtiges Büro zur Verfügung zu haben.

Homeoffice ist nur schön, wenn man auch mal raus kann

Homeoffice erfordert in erster Linie viel Disziplin, was alleinlebend sogar schwieriger gewesen ist. Ich neigte früher durchaus häufiger zur Snooze-Flatrate, ließ mich durch TV und Xbox sehr schnell ablenken. Schreibtisch und Couch quasi nebeneinander, das klingt nach einem Lebenstraum, erschwert allerdings das Arbeitsleben spürbar. Die Bequemlichkeit im Homeoffice ist sicherlich eine der größten Vorteile und zugleich die höchste Hürde für einen effizienten Alltag.

Immer mal wieder rausgehen, das ist notwendig. Nicht zwingend in die Natur, aber wenigstens was mit Freunden machen oder „mal was anderes sehen“. Der seit November sehr lockere und deshalb eher langfristige Lockdown zeigt inzwischen umso deutlicher, wie notwendig der regelmäßige Tapetenwechsel ist. Uns fällt die Decke auf den Kopf. Ich kann nicht ins Stadion, darf selbst seit Monaten nicht mehr Fußball spielen, Städtereisen sind sinnlos, Zoos haben geschlossen und Restaurants auch. Nichts geht, was uns Spaß macht.

Eine schwere Zeit für alle

Obwohl sich für mich persönlich auf den ersten Blick nicht viel geändert hat, ist das Homeoffice derzeit alles andere als ein Segen. Ich fühle mich nach zehn Jahren erstmals richtiggehend eingesperrt. Unser junges Familienglück ist in erster Linie eine große Freude, dennoch sind wir um sehr viele Dinge aus unserem Alltag beraubt. Das nagt spürbar an uns, so ehrlich müssen wir sein. Gut zu wissen, dass es ein absehbares Ende dieser Situation gibt.

In den letzten Monaten ist mir immer häufiger die Lust an Arbeit vergangen, weil mir nahezu alles fehlt, womit ich mich selbst in den Jahren zuvor ausgleichen konnte. Die überschüssige Energie rauslassen, auch mal die Wut. Nicht mal Fußball im TV ist wie früher. Ohne Fans im Stadion fehlt ein elementarer Bestandteil. Emotionen werden gerade sukzessive in vielen Lebensbereichen abgetötet, weil wir nichts erleben dürfen.

Während ich täglich um die wirtschaftlichen Existenzen einiger Freunde und Familienteile bange, habe ich zugleich mit mir selbst zu kämpfen.

Macht euch das Homeoffice angenehm

Homeoffice fühlt sich vielleicht gerade nicht so an, wie ihr euch das erhofft hattet. Seid aber sicher, dass es definitiv anders ist, wenn das restliche Leben wieder normal läuft. Dennoch halte ich es für wichtig, am „richtigen“ Homeoffice zu arbeiten. Sorgt für gutes und viel Licht, holt euch die richtige Hardware und versucht einen halbwegs festen Ablauf für den Arbeitsalltag zu generieren. Das sind jedenfalls Dinge, die mir persönlich seit einiger Zeit helfen.

Wenn ihr nicht an allzu feste Arbeitszeiten gebunden seid, scheut nicht auch mal einen anderen Zeitablauf zu versuchen. Durch unser Kind bin ich die letzten Monate häufiger schon 3 Uhr nachts ziemlich wach gewesen und konnte zu dieser Zeit überraschend effizient arbeiten. Das war mir neu, ich bin eigentlich kein Frühaufsteher. Nun bin ich nicht mehr böse, wenn ich mal vor 5 raus muss, weil mir das auch einen positiven Effekt bringt.

Wenn ich einen großen Vorteil meiner Tätigkeit und dem damit verbundenen Homeoffice nennen müsste, wäre es auf jeden Fall die volle Freiheit und Flexibilität der Gestaltung meines Alltags. Das kommt uns als Familie extrem zugute. Und an diesem Punkt kommt es darauf an, was ihr schlussendlich für euch persönlich daraus macht. Es gibt nämlich keine allgemeingültigen Regeln und Tipps, wie Homeoffice für euch funktionieren kann.

Links zu meinem Setup und eine Podcast-Empfehlung:

Denny Fischer

Gründer und amtierender Chef von SmartDroid.de, bloggt hier und nur hier seit 2008. Alle Anfragen an mich, in den Kommentaren oder über die verlinkten Netzwerke.

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10 Kommentare

  1. Schöne Bericht. Eventuell kannst du noch das Teil verlinken auf dem dein Laptop steht.
    Der Link zum Postcard geht nicht 😉

  2. So passt die Ergonomie noch nicht:

    Am Stuhl sollten höhenverstellbare Armlehnen vorhanden sein (und selbstverständlich auf die richtige Höhe eingestellt werden) und der Bildschirm ist so erstens deutlich zu hoch und zweitens nicht nach hinten geneigt. Auf Dauer stellen sich da Schwierigkeiten ein, häufig beginnend im Schulter-Nacken-Bereich. Ob der Tisch die passende Höhe hat, kann ich ohne zu wissen, ob die Stuhlhöhe richtig eingestellt ist und vor allem ohne Armlehnen dem Bild nicht entnehmen. Die Position von Tastatur und Maus und der zu sehende Abstand zwischen Sitzfläche und Tischplatte lässt mich jedoch bereits erahnen, dass der Tisch zu hoch eingestellt ist (wie bei den meisten). Wenn die Tiefe der Tischplatte, wie verlinkt, tatsächlich nur 70cm beträgt, ist dies zu wenig, hier sollten es min. 80cm sein. Ein Fenster direkt hinter dem Bildschirm führt häufig zu hohen – zu hohen – Kontrasten und macht irgendwann den Augen zu schaffen.

    1. Danke für den Kommentar. Jedenfalls ist das alles für mich so eingerichtet, wie ich mich am besten fühle. Ich hatte tiefere Tische, außerdem mit anderer Höhe. Außerdem auch schon den Monitor niedriger usw. – alles führte bei mir zu Problemen, die du beschreibst. Wobei ich die Höhe jetzt tatsächlich ein wenig nach unten korrigiert habe, danke für den Denkanstoß. Im jetzigen Setup sitze ich weniger gemütlich, aber dadurch auch weniger krumm, als das früher der Fall war. Ich wüsste nicht, wofür ich Armlehnen brauche, die haben mich schon immer nur gestört, statt in irgend einander Art und Weise hilfreich zu sein. Aber vielleicht dazu noch Infos deinerseits. Am Thema Fenster arbeite ich bereits, um den Kontrast nicht mehr allzu zu hoch werden zu lassen.

      1. Eine ergonomisch richtige Körperhaltung ergibt sich so:

        Du setzt dich ganz auf die Sitzfläche des Stuhles. Die sogenannte Synchronmechanik, also die Wippmechanik des Stuhloberteiles, stellst du erstens so ein, dass das Stuhloberteil nach hinten beweglich ist und zweitens stellst du die Gegenkraft der Mechanik so ein, dass du, wenn du dich nach hinten lehnst, in einem ähnlichen Schrägheitsgrad sitzt wie die meisten im Auto sitzen, denn nur eine ausreichend schräge Rückenlehne kann hinreichend Kraft vom Rücken aufnehmen und den Rücken so entlasten. Ist die Rückenlehne beim Sitzen zu steil, geht die ganze Belastung unweigerlich in die Bandscheiben, das geht auf Dauer nicht gut.
        Die Höhe des Stuhles stellst du nun so ein, dass die Füße, insbesondere die Fersen, voll auf dem Boden aufstehen, auch wenn du dich mit der Mechanik nach hinten lehnst.
        Die Armlehnen des Bürostuhles solltest du so hoch einstellen, dass du deine Unterarme im Bereich der Ellenbogen gut abstützen kannst, so dass das Gewicht der Arme nicht mehr im Schultergelenk hängt, sondern auf den Armlehnen abgestützt ist. Die Armlehnen sollten aber nicht zu hoch sein, auf keinen Fall solltest du gezwungen sein, die Schultern hochzuheben um die Arme auf die Armlehnen legen zu können.
        Die Oberfläche des Tisches stellst du so hoch ein, dass diese auf gleicher Höhe ist wie die Oberflächen der Armlehnen. Und nur in dieser Reihenfolge, also die Tischhöhe an den Stuhl anpassen, andersherum funktioniert es nicht. Den Höhenabgleich solltest du unbedingt mit Belastung des Stuhles durchführen, da dieser bei Belastung noch um einige Zentimeter abgesenkt wird.

        Nach dem Einstellen ist zwar noch etwas Feintuning „erlaubt“, grundsätzlich aber ergibt sich daraus eine Sitzposition, welche dem Autofahren recht ähnlich ist: bequem nach hinten gelehnt, ein guter Teil des Oberkörpergewichtes kann sich so an der schrägen Rückenlehne abstützen, die Arme hängen nicht in den Schultergelenken, sondern sind gut abgestützt: hinten, im Bereich der Ellenbogen auf den Armlehnen des Stuhles, im vorderen Bereich auf der Tischplatte. Damit du, obwohl Armlehnen und Tisch nun auf einer Höhe sind, nah genug am Tisch sitzen kannst, sollten die Auflagen der Armlehnen nach hinten geschoben werden (die Armlehnen für deinen Ikea-Stuhl können das). Um mit Tastatur und Maus in der „Autofahrerposition“ arbeiten zu können, müssen diese eher vorne an der vorderen Kante der Tischplatte positioniert werden.

        Achtung: Wenn du den Tisch so einstellst, wie oben beschrieben, wird dir dies zunächst viel zu tief vorkommen. Dies liegt aber nur daran, dass fast alle Tische zu hoch sind und du dich an diese zu hohe Höhe so sehr gewöhnt hast, dass du diese als normal empfindest.

        1. Meine Fersen stehen auf dem Boden, alles andere hätte bei mir auch für müde Oberschenkel und kalte Gliedmaßen gesorgt. Wie gesagt, schon alles mehr oder weniger durchgemacht. Ich glaube auf den Fotos täuscht das alles, wie es wirklich ist. Außer der Monitor, den habe ich runtergeholt und auch mal testweise angeschrägt.

      2. Ach, noch was zum Monitor:
        Die natürliche Kopfhaltung ist nicht kerzengerade, sondern etwas nach vorne geneigt. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, sollte die obere Bildschirmkante min. 10 – 15° unterhalb der Augen liegen. Anders ausgedrückt: wenn der Bildschirm ganz nach unten gestellt wird, ist es meistens in Ordnung, zu tief kann man einen Bildschirm gar nicht einstellen. Vergleich: wenn du dir ein Schriftstück ansiehst, hältst du dieses auch nicht so hoch, dass es auf Kopfhöhe ist, sondern deutlich tiefer und senkst den Kopf bei Betrachten etwas nach vorne – genau so sollte man es mit einem Bildschirm auch machen.

        Weiterhin sollte dann der Bildschirm so weit nach hinten geneigt werden, dass du rechtwinklig auf den Bildschirm guckst. Ist dieses nicht der Fall, hast du von deinen Augen aus gesehen unterschiedliche Betrachtungsabstände zu verschiedenen Bereichen des Bildes und deine Augen müssen ständig die Schärfe nachführen, dasist auf Dauer anstrengend. Ist der Bildschirm richtig nach hinten geneigt, befindet sich das Bild in einer Schärfeebene und ist damit viel angenehmer für die Augen.

  3. Interessant beschrieben, danke für den Bericht. Seit Beginn der Pandemie arbeite ich im Home-Office, mit Ausnahme von 1 oder 2 Tagen pro Woche, in denen ich ins Büro soll. Das ist für mich die perfekte Kombination und es dürfte so bleiben wenn es nach mir ginge. Die Arbeit kann ich zu 100% aus dem Home-Office erledigen und selbst dem Chef sind mittlerweile MS Teams Besprechungen lieber, weil jeder den anderen sehen kann und zudem noch seine Arbeits-Materialien direkt vor der Nase hat, ohne sich vor einem Bildschirm zusammen zu quetschen.

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