Folge uns

Feature

Amabrush: Die smarteste Enttäuschung des Jahres

Denny Fischer

Veröffentlicht

am

Endlich kam sie an, anderthalb Jahre nach meiner Bestellung landete die Amabrush im Briefkasten. Aber schon ein kurzer Test zweier Personen reichte aus, um für die Amabrush den Gang zur Mülltonne anzutreten. Ein hartes Urteil, das sich die Macher der „10 Sekunden Zahnbürste“ leider hart erarbeitet haben. Nicht nur die Wartezeit und ständigen Entschuldigungen waren eine frustrierende Begleiterscheinung dieser eigentlich coolen Idee. Mehr dazu in den folgenden Zeilen.

Hätte man ja vorher ahnen können. Oder? Das Zähneputzen in Sekundenschnelle erledigen. Dieses Versprechen löste den Kaufimpuls aus, doch schon relativ schnell kam auch die Ernüchterung. Als die ersten Geräte an die „Backer“ versendet waren, hagelte es schlechte Rezensionen für die Amabrush. Kaum einer der Käufer war auch nur annähernd zufrieden, denn Zähne lassen sich mit diesem Gerät meiner Meinung nach definitiv nicht reinigen.

Grundsätzlich hat es Spaß gemacht, die Amabrush auszupacken. Diese Zahnbürste erinnert an ein echt smartes Produkt. Auch wenn die Lieferung ziemlich falsch lief. Das zweite Mundstück fehlte, USB-C hat das Netzteil auch nicht und das drahtlose Netzteil liegt dabei, obwohl genau das nicht der Fall sein sollte. Sei es drum, nutzen werden wir diese Zahnbürste eh nicht und die über 109 Euro hatte ich schon vor einem Jahr abgeschrieben.

Kein Gefühl einer erfolgreichen Reinigung

Aber warum werden wir die Amabrush nicht benutzen? Nun, sie reinigt nicht. Was grundsätzlich schon mal mit dem Mundstück zu tun haben dürfte, das nur in einer universellen aber meines Erachtens kaum flexiblen Standardgröße verfügbar ist. Mir persönlich ist es etwas zu groß, liegt meines Erachtens nicht richtig an allen Zähnen an. Nicht zu vergessen die Lamellen, die aus extrem weichem Gummi sind. Das soll ernsthaft die Zähne reinigen können? Schon jetzt ist das Skepsislevel over 9000.

Da kommen reichlich Zweifel auf. Auch nach einer „Reinigung“, die wirklich nur wenige Sekunden dauert, fühlen sich die Zähne nicht sauber an. Zumal die Amabrush nicht mal annähernd zwischen den Zähnen (nicht die Zwischenräume) reinigen könnte, was mit einer normalen Zahnbürste definitiv möglich ist. Sauber fühlt man sich nur kurz durch den Geschmack der Zahnpasta. Welche übrigens aus einem kleinen Behälter gepumpt wird, der nach wenigen Versuchen schon wieder verdächtig leer war.

Mit der Amabrush wird die Zahnpasta also der Kaviar der kleinen Leute. Immerhin möchte man 10 Euro für drei neue Zahnpasta-Pods, was schon ein sehr sportlicher Preis ist. Umweltfreundlich dürfte der damit verbundene Transportweg auch nicht sein, solange wir diese Nachfüllpacks nicht auch wenigstens im Einzelhandel bekommen. Man müsste also auch nach der Erstanschaffung mit weiteren recht hohen Kosten leben.

Laut Hersteller hält ein Zahnpasta-Pod einen Monat lang, unserer war nach weniger als 10 Versuchen schon ziemlich leer.

Versteht mich nicht falsch, das Produkt wirkt insgesamt durchdacht. Drahtloses Aufladen, das Mundstück ist per Magnet befestigt, es braucht nur eine Basis für mehrere Leute, die Zahnpasta wird sehr gleichmäßig in das Mundstück gepumpt und die Reinigung des Gerätes ist schnell erledigt. Nur der Reinigungseffekt für die Zähne ist schlicht nicht vorhanden. Haut euch für 5 Minuten einen Kaugummi rein, das fühlt sich besser an und reinigt vermutlich wirklich effektiver.

Fazit: Geld lässt sich schneller ausgeben

Kauft euch paar schöne Schuhe, geht nett essen oder spendet an ein SOS-Kinderdorf, nur verschwendet euer Geld nicht für dieses nutzlose Gadget. Ich bin nun wenigstens 109 Euro schlauer als vorher. Für die Leute hinter dem Projekt tut es mir irgendwie auch leid, immerhin steckt da viel Energie und Zeit drin. Sicherlich will man nicht in der Luft zerrissen werden, ich wollte aber ehrlich sein. Selten klaffte eine derartige Lücke zwischen Euphorie bei Bestellung und Realität.

PS: Dieser Bericht basiert auf subjektivem Empfinden, ich kann zur tatsächlichen Effektivität der Amabrush also keine nachweisbaren Aussagen treffen. Das überlassen wir unabhängigen Experten.

Update: Nicht viel später nach unserem Testbericht meldete Amabrush die Insolvenz an.

Ein sehr sehenswertes Video gibt es noch von „Der Standard„, dort auch mit Plaquetest. Spoiler: Mit dem selben Ergebnis.

Beliebte Beiträge