Test: Nur knapp dreistellig kostet die Amazfit GTS, dafür bietet die Smartwatch eine starke Hardware. Schwächen hat vor allem die Software.

Amazfit ist auch bei uns immer wieder ein gern gesehenes Thema, also wollte ich eine der aktuellen Smartwatch-Modelle selbst ausprobieren. Dabei fiel die Entscheidung auf die GTS, weil die Uhr relativ klein ausfällt und mit einem Preis von 100 bis 130 Euro ziemlich viel bieten soll. In den letzten zwei Wochen habe ich die Uhr im Alltag probiert, sie begleitete mich jeden Tag am Handgelenk. Dabei sind ein paar Stärken aufgefallen, aber auch diverse Schwächen konnten enttarnt werden.

Die grundsätzliche Ausstattung ist spitzenmäßig. Für den angesprochenen Preis gibt es ein AMOLED-Display mit automatischer Helligkeitsregelung, das Gehäuse ist 5 ATM wasserdicht, der Akku hält bis zu 14 Tage und es steckt sogar ein eigenes GPS im Gehäuse. Bereits schnell fiel mir zudem die tolle Verarbeitungsqualität auf, besonders das simple Gehäuse macht einen hochwertigen Eindruck. Das Gummiarmband ist okay, allerdings nicht sonderlich atmungsaktiv und wurde daher schnell ersetzt.

Ansprüche sind bei mir an solche Geräte eher durchschnittlich. Ich möchte Puls und Schlaf messen, außerdem die verbrauchten kcal ohne Grundumsatz einsehen, meine Schritte zählen und freies Training (Rudergerät, Fußball) verfolgen können. Hierfür ist diese Uhr optimal, (fast) alle Aufgaben meistert sie problemlos. Positiv fiel mir auch die Streckenverfolgung per GPS auf. Im Vergleich mit dem Smartphone gab es keine Nachteile bei der Genauigkeit und der GPS-Fix war meist nach wenigen Sekunden gegeben.

Smartphone-GPS über Google Fit neben GPS der Amazfit GTS.

Zur Hardware gehört auch der integrierte Akku, welcher sich über ein proprietäres Pin-Netzteil laden lässt. Mit permanenter Nutzung der Uhr inklusiver einiger GPS-Tests und Pulsmessung im Minutentakt hatte ich nach gut sechs Tagen noch ein Drittel des Akkus (33 Prozent) übrig. Somit erreiche ich nicht die 14 Tage Laufzeit, sondern eher 7 bis 9 Tage. Aber auf jeden Fall eine Woche, insofern die GPS-Nutzung moderat ist. Weniger GPS und seltenere Pulsmessung erhöhen die Akkulaufzeit entsprechend.

Die meisten Schwächen könnte man recht einfach aus der Welt schaffen, denn es ist nicht die Hardware

Schwächen zeigt eigentlich nur die Software und davon ein paar echt sehr simple. Leider bin ich da nicht unbedingt guter Dinge, dass es entsprechende Nachbesserungen gibt, da die Uhr nicht neu ist und die Kritik sicherlich auch schon von anderer Stelle kam.

Anpassbare Watchfaces gibt es zum Beispiel nur wenige, außerdem sind sie oftmals nur bedingt anpassbar. Gerade der asiatische Touch vieler Watchfaces gefällt mir nicht. Ist mir zu bunt und aufdringlich. Aber: Es gibt zahlreiche Apps im Play Store, über die sich weitere Watchfaces nachrüsten lassen. Man ist also nicht auf das Standardprogramm angewiesen. Was sich allerdings mit Android 11 ändert, da App-Ordner besser geschützt sind und Watchfaces somit nicht mehr in die Zepp-App geladen werden können.

Ich hätte mir auch mehr Anpassbarkeit der Menüs gewünscht wie die beiden Anzeigen rechts und links vom Homescreen. Man kann auch keine Trainings aus dem entsprechenden Menü entfernen, die man vielleicht gar nicht benötigt. Nur das allgemeine Hauptmenü kann leicht verändert werden.

Zu wenige Ziele, nicht alles auf der Watch verfügbar

Rückschrittlich finde ich außerdem: Es gibt kein Stehziel, nur stündliche Erinnerungen bei zu wenig Bewegung. Der sogenannte PAI-Score (Bewertungswert der Gesundheit) ist eine angeblich wichtige Kennziffer, kann aber bei den meisten Watchfaces nicht vom Homescreen abgelesen werden. Eine mir unklare Logik. Gar keinen Zugriff bietet die Uhr auf Schlafdaten, hierfür müssen wir die Smartphone-App aufrufen. Trotz GPS fehlt mir eine kleine Kartenanwendung auf der Uhr.

Einsehen kann man dafür die letzten Trainings, Timer und Wecker können auf der Uhr konfiguriert werden, ausführliche Daten zum Pulsverlauf sind verfügbar, eure Aktivitäten sind in Reihenfolge aufgelistet und Smartphone-Benachrichtigungen können empfangen werden. Die Touchbedienung per Wischgesten funktioniert über den auffallend hochwertigen 1,4″ Bildschirm wirklich gut, die Darstellung ist außerdem gestochen scharf (341 ppi) und auch an sonnigen Tagen gut ablesbar.

Musik ist fast kein Thema, die Steuerung des Smartphone-Medienplayers aber möglich. Auch Telefonie oder Sprachassistenten sind erst mit dem Nachfolger möglich. Benachrichtigungen eurer Smartphone-Apps lassen sich lesen, trotz Touchdisplay kann man auf WhatsApp und Co. allerdings nicht antworten. Dafür gibt es die schon erwähnte automatische Helligkeit, die durchaus flott auf ihre Umgebung reagiert. Außerdem ist intelligenter Ruhemodus integriert, um im Schlaf nicht von Benachrichtigungen geweckt zu werden.

Amazfit GTS: Umfangreiche Sport-Smartwatch leidet unter schwacher Software

Es ist halt wie so oft. Die nach außen toll wirkende Hardware bekommt eine Bremse in Form der schwächelnden Software an die Seite gestellt. Natürlich ist die Amazfit GTS mal grundsätzlich ein gutes Tool, um diverse Vitaldaten messen und verfolgen zu können. Aber es gibt trotzdem viele kleine Baustellen, die bei teureren Geräten „seriöser“ Hersteller vielleicht nicht vorhanden wären.

Letztlich überwiegt das Gesamtpaket in Kombination mit dem tollen Preis, besonders bei Bedarf eines eigenen GPS-Moduls. Dennoch zeigt auch dieses Gerät erneut, das tolle Hardware und ein Hammerpreis nicht die einzigen wichtigen Faktoren sein sollten.

Denny Fischer

Gründer Smartdroid.de, bloggt seit 2008 täglich über Smartphones, Android und ähnliche Themen.

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5 Kommentare

  1. Ich habe die Amazfit Bip S. Ich finde absolut nicht, dass die Software wie hier X Fach erwähnt schach ist. Ich habe meine Uhr über 2 Jahre, letztens durch die neueste Version aktualisiert. Von der Geschwindigkeit, Einfachen Menüs, Top Synchronisationszuverlässigkeit, da träumen andere davon oder si d überaus teurer. Meine Uhr hält immer mehr als 20 Tage, ist aber keine GTS.

  2. Aber warum die Gts testen wenn es schon die Gts2 gibt… ua bei Media Markt für 160 Euro.
    Die Gts gibt’s nun schon ewig auf dem Markt.

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