In den letzten Jahren hatten wir uns häufiger mit Android One beschäftigt, weil das eigentlich interessante Sonderprogramm schon längst keine Aufmerksamkeit mehr bekommt. Das hat mehrere Gründe, die durchaus nachvollziehbar sind. Die Pixel-Handys spielen eine wichtige Rolle. Weniger nachvollziehbar ist allerdings, warum Android One überhaupt noch weiterlebt, obwohl es auch von Google keinerlei Liebe mehr erfährt und das schon seit sehr langer Zeit.

Tatsächlich fand Android One auf dem offiziellen Blog von Google zuletzt eine Erwähnung vor über drei Jahren. Damals informierte man über die Fortschritte des Programms und natürlich über neue Geräte. Im Anschluss daran war das Programm schnell mausetot, es gab eigentlich nur noch in 2019 rund um Android One ein paar Neuigkeiten zu berichten. Google kümmert sich um Android One nicht mehr, fast alle Android-Hersteller haben wieder Abstand genommen.

Android One: Auf dem neusten Stand, der mindestens ein Jahr alt ist

Es gibt kaum noch Smartphones, die dem Android One-Programm angehören. Zuletzt wurde das Angebot nur noch durch Nokia gepflegt. Tatsächlich zeigt die HMD zugehörige Smartphone-Marke weiterhin ein gewisses Interesse, liefert auch neuste Geräte wie das Nokia 5.4 mit Android One aus. Allerdings ist das Branding von den Geräten verschwunden und Android One als Marke nur noch eine Randerscheinung.

Wie wenig Interesse am Fortbestehen von Android One herrscht, unterstreicht Google einfach selbst. Auf der offiziellen Seite ist die Pflege der dort hinterlegten Informationen gestoppt. „Auf dem neusten Stand“ ist längst nichts mehr, die beworbenen „neuen Nokia-Modelle“ sind bereits über ein Jahr alt. Googles Werbeversprechen passt daher nicht damit zusammen, was Google heute für das Programm tatsächlich tut.

Screenshots sind veraltet, nicht mal das aktuelle Android 11 findet irgendwo Erwähnung. Konnte man mich im letzten Jahr noch dafür kritisieren, dass ich Android One längst für tot erklärt habe, obwohl es sogar neue Smartphones damit gab und die Webseite einen aktuellen Stand widerspiegelte, müssten mir heute deutlich mehr Leute zustimmen. Android One macht in keiner Weise den Anschein, in eine gesicherte Zukunft zu gehen.

Googles kurioses Statement und längst gebrochenes Update-Versprechen

Das zwei Jahre alte Motorola One Action wird nicht nur als eines der aktuellen Modelle gelistet, es ist auch nach wie vor nicht auf dem neusten Stand. Android 11 ist seit sieben Monaten veröffentlicht, findet aber weder auf der Webseite von Android One statt, noch ist es auf den dort gezeigten Smartphones verfügbar. „Immer auf dem neusten Stand“, das ist nichts weiter als eine Lüge. Ebenfalls betroffene Marken wie Nokia haben sich auf Nachfrage von Computerworld zu verzögerten Updates nicht geäußert.

Erst so richtig kurios wurde es dann mit dem Statement von Google, das den Kollegen auf Nachfrage übermittelt wurde. Denn eins ist für jeden offensichtlich: Android One scheint kurz vor seinem Ende zu stehen. Aber dem ist nicht so, wenn es nach Google geht. Der Konzern spricht von einem „lebendigen Programm, das mit erfolgreichen Gerätestarts weiter wächst“. Die dazugehörigen Geräte verfügen laut Google über einen „in jede Ebene integrierten Sicherheitsschutz“ und „laufende Updates“.

So überschwänglich und falsch die Mitteilung anfing, so klar und deutlich endete sie dann doch noch. Google fügte an, dass man derzeit absolut nichts über die Zukunft des Programms zu berichten habe. Klingt für uns doch wieder etwas weniger nach „Zukunft“, sondern mehr nach Resignation und dem Versuch einer unbequemen Antwort auszuweichen.

Es braucht kein Android One mehr, denn es gibt jetzt Google Pixel

Unterm Strich kann man eins und eins zusammenzählen, dann haben wir eine Antwort. Google führte Android One ein, damit es auch günstige Smartphones gibt, die Android nach den Vorstellungen von Google anbieten. Keine Bloatware, nahezu keine Anpassungen durch die Hersteller und zeitnahe sowie langfristige Versorgung mit Updates. Google selbst bot damals nur teure Smartphones, die Google-Experience für günstigere Preisklassen sollte von anderen Herstellern geliefert werden.

Android One war geboren, der Plan ging auf. Einige Smartphones wie die Mi A-Serie von Xiaomi waren sehr erfolgreich. Heute ist Android One allerdings nicht mehr notwendig, weil Google selbst die günstigeren Preisklassen bedient. Mit nur 349 Euro war das Pixel 4a so günstig, wie es ein Google-Smartphone schon lange nicht mehr gewesen ist. Google hat daher keine Gründe mehr, Android One zu fördern, weil man jetzt die dafür angedachte Produktkategorie aus eigener Hand bietet.

Android One ist auch deshalb ein Auslaufmodell, weil die zahlreichen Android-Hersteller heute wieder verstärkt ein Smartphone-Paket nach eigenen Vorstellungen bieten möchten. Dazu gehört längst auch wieder die Software, die sich von den Geräten anderer Hersteller unterscheiden sollte. Das bedeutet inzwischen eine Update-Garantie bei Herstellern wie Samsung, die die Versprechen von Android One sogar deutlich überbieten.

Ist Nokia jetzt auch bei Android One raus?

Wenige Tagen nach diesem Artikel brachte Nokia mehrere Smartphones und Smartphone-Reihen hervor. Die neue X-Reihe bietet sogar eine Garantie auf Betriebssystem-Updates über drei Jahre. Damit wären diese Smartphones kein Teil mehr von Android One, denn sie bieten sogar eine bessere Update-Garantie. Nur scheint man sich bei Nokia selbst uneinig zu sein. Für das Nokia X10 wirbt man mit Android One, beim X20 nicht. Auch bei der neuen G-Reihe findet Android One keine Erwähnung.

Denny Fischer

Gründer und amtierender Chef von SmartDroid.de, bloggt hier und nur hier seit 2008. Alle Anfragen an mich, in den Kommentaren oder über die verlinkten Netzwerke.

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15 Kommentare

  1. Den nicht Tech begeisterten Kunden dürften Updates nicht so wichtig sein und den Tech begeisterten dürften die Updates viel zu lange auf sich warten lassen. Mit den Programm dürfte man keinen es gerecht gemacht haben. Vielleicht haben sich deswegen bis auf HMD alle Hersteller vom Programm verabschiedet. HMD dürfte die Software Arbeiten ausgelagert haben.

  2. Damit schafft Google Android endgültig ab.

    Mein nächstes Smartphone läuft dann auf Ubuntu Touch oder vergleichbaren Systemen und hat damit mindestens für 4 Jahre Support an Sicherheits-Updates.

    Ich brauche nicht die neueste oder schnellste Hardware, wenn ich nach kurzer Zeit keine Updates mehr bekomme.

    1. Du brauchst echt ne grafische Oberfläche?

      Wer’s drauf hat, dem reicht doch eine Shell.

      Kann es vielleicht sein, dass du ein Blender bist?

    2. Ubuntu Touch? Garantiert mit Updates? Lustig. Das wurde eingestellt und läuft als Community Projekt weiter.
      Und halbwegs verbreitete Apps gibt es dafür nicht.

  3. Der ursprüngliche Intension von Google war gewesen, ein „leichtes“ OS für Smartphones mit „schwacher“ Hardware zur Verfügung zu stellen, die in der Regel kostengünstig sind. Zielmärkte waren Entwicklungsländern und Länder mit niedrigem Einkommen. Für den Rest der Welt war es nicht gedacht. Wir in Europa haben es eh nie gebraucht, weil der Bedarf an 99 Euro Smartphone nie existierte. Deutsche geben im Schnitt mehr als 250 Euro für ein Smartphone aus. dafür bekommt man schon ziemlich gute Hardware. Dafür braucht man kein ONE. Das sollte in einem Bericht bitte auch erwähnt werden.

    1. Du schreibst jetzt 100 mal:

      Ich werde nie wieder Android One mit Android Go verwechseln!

      Heute ist Feiertag, da hast du genug Zeit dafür…

      1. Oha, Markus.
        Du liest dir besser erstmal 100 Mal den Wikipedia-Artikel zu Android One durch (gerne auch die verlinkten Referenzen).
        Zitat:
        „The Android One program began in 2014, and was first positioned as a reference platform for low-end devices targeting emerging markets such as India. „

        1. Klar doch 😁😁😁😁 Es war für Anbieter von Phones gedacht die kein eigene UI anwenden und deshalb ein reines Android haben wollten. Das waren in der Regel günstige China Bomber die das neueste iPhone kopiert haben und wo die angegebenen technischen Daten zu 90% Wunschdenken war.

    2. „Deutsche geben im Schnitt mehr als 250 Euro für ein Smartphone aus.“
      Da es Recht viele Geräte gibt, die deutlich mehr kosten, müssen auch Geräte verkauft werden, die preiswerter sind (simple Mathematik). Also gibt es wohl doch einen Bedarf an 99 Euro Smartphones.

  4. @TC
    Du meinst Android Go.
    Android One war gedacht als reines OS mit der Möglichkeit langer und schnell verfügbarer Updates, weil nicht verbastelt.
    Nokia hat das anfangs auch gut hinbekommen. Mittlerweile haben die einfach zu viele Handys im Sortiment.

  5. Sehr schade. Aber es ist wahr. :/
    Habe ich mir mein Moto one Action doch genau aus diesem Grund gekauft gehabt. Android 11 habe ich bis heute nicht.
    Man hat wie so oft einmal mehr Versprechen nicht gehalten. War Motorola lange führend, auch was möglichst reines Android betrifft, bleibt für mich wohl wirklich nur noch Google mit seinen Pixeln selbst als brauch und vergleichbare Option über. 🤷‍♂️😕

  6. Hallo zusammen. Ja, es ist schon eine Frechheit das man etwas versprochen bekommt und im guten Glauben und auch guten Gewissens ein Gerät kauft welches man mehrere Jahre nutzen möchte um auch nachhaltig und umweltbewusst zu handeln. Der Schlüssel um ein Gerät umweltbewusst und damit lange zu nutzen sind nun einmal Updates und Sicherheitpatches. Aber wir brauchen da gar nicht nur Google anzuprangern denn andere Herstellen wie CAT-Phones sind nicht besser. Nur ein (-1-) Update in der zweijährigen Garantiezeit und Sicherheitspatches eher sporadisch als regelmäßig. Und das bei nicht günstigen Smartphones. Teuer (500,-€) und dann kann man das Gerät gerade unterhalb eines Jahres aktuell benutzen weil es kein neues Update gibt. Das ist weder nachhaltig noch umweltfreundlich. Gerade in der Nachhaltigkeit sollte jeder Hersteller zu einer Updategarantie von mindestens drei (-3-) Jahren, also drei Android Aktualisierungen gezwungen werden. Nur so, schützen wir Resourcen, Umwelt und Nachhaltigkeit. Das wäre auch längst überfällig. Vielen Dank für’s lesen und bleibt gesund.

  7. Mein Moto G-Pro bekam Android 11 Mitte Februar.
    Sicherheitsupdate inclusive. Seit dem G+ – Debakel weiss ich, dass man sich auf Google nicht verlassen kann. Die Pixels kommen mit Bugs auf den Markt, da reisst’s die Kamera auch nicht. Überteuert sind sie auch. Motorola haut ja gefühlt jede Woche was neues raus. Da wird schon was gescheites bei sein.

  8. Richtig, beim Moto G Pro klappt’s. Es muss nicht “One” im Namen des Modells sein, da muss man sich schon genauer informieren, auch als Journalist!

  9. Hatte Android One mit mehreren Smartphones ausprobiert. War nicht das Wahre. Update-Versprechen wurden oft nicht gehalten, neues Android trotz noch im 2 Jahres Garantie Zyklus nicht mehr geliefert. Dann kam das Pixel 4a und meine Entscheidung war klar. Andere Hersteller können mich zukünftig gern haben. Nicht nur sind Updates super pünktlich, man hat zudem schon sehr früh Betazugriff auf neue Android Versionen. Und es ist halt alles aus einer Hand. Ich bleibe jetzt bei Pixel, das ist für mich sicher. In den paar Monaten die ich nun Pixel angehöre, wurde ich besser behandelt als in vielen Jahren bei anderen Herstellern. Selber Schuld. Sollen sie auf ihrem Mist sitzen bleiben.

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