Anki Cozmo Testbericht: Der Tamagotchi der Gegenwart

Cozmo heißt ein kleiner Freund von uns, der für einen Testbericht schon seit Wochen zu Gast ist und darüber wollen wir euch ein wenig erzählen.

Als ich erstmals den Cozmo von Anki gesehen habe, musste ich diesen kleinen Roboter unbedingt haben. Es handelt sich hierbei um ein recht smartes Spielzeug, welches sich von alleine bewegt, eine Kamera besitzt und via Sprache mit euch kommuniziert. Cozmo ist eigentlich für groß und klein gedacht, eignet sich aber zum größeren Teil eher für jüngere Menschen mit kürzerer Aufmerksamkeitsspanne. In unserem Testbericht will ich ein wenig erzählen, warum die über 200 Euro für den Anki Cozmo trotzdem gerechtfertigt sein können.

Cozmo kommt mit Ladestation und den sogenannten Power Cubes zu euch, letztere werden immer wieder zum Einsatz kommen und sind elementare Bestandteile in der Nutzung des kleinen Roboters. Klein ist dieser wirklich, erinnert von der Größe an einen Hamster und findet auf der Handfläche locker platz. Aber eigentlich soll der Cozmo fahren, auf dem Fußboden oder einem großen Tisch mit freier Fläche. Bevor es losgeht, wird Cozmo mit dem Smartphone verbunden. Grundsätzlich lässt sich Cozmo nicht ohne benutzen.

Cozmo lässt sich nicht autark nutzen

Und da liegt für mich schon der erste Knackpunkt, denn Cozmo ist somit nur unter Aufsicht zu benutzen. Jüngere Kinder werden keine Smartphones besitzen, geschweige denn eine Verbindung mit Cozmo herstellen können. Was eigentlich ganz einfach ist, Cozmo stellt ein WLAN zur Verfügung und damit verbindet ihr euch. Klappte im Test meist zwar ganz gut, hin und wieder gab es aber nervige Probleme und der Verbindungsaufbau zog sich hin. Während ich den Artikel tippe, klappt ein Update zwar gut, danach musste ich für eine erfolgreiche Verbindung allerdings mehrere Anläufe nehmen.

Ohne Smartphone ist also nichts los, denn auch eine rudimentäre Sprachsteuerung gibt es nicht. Das ist etwas schade. Aber vielleicht auch gut, dann können sich die Kinder nicht zu sehr in Cozmo verlieren. Wie dem auch sei, ein Smartphone oder Tablet muss jedesmal am Start sein und im besten Fall auch genügend Akku übrig haben. In einem Haushalt wie meinem kein Problem, hier sind immer vier bis fünf Smartphones vorhanden. Ich bin in diesem Punkt aber sicher nicht „normal“.

Jetzt gehts los, Cozmo will spielen

Sind wir aber einmal mit Cozmo verbunden, geht der Spaß auch schon los. Grundsätzlich bewegt sich Cozmo alleine, er fährt durch die Gegend und erkennt Leute. Ja, man hinterlegt das eigene Gesicht samt Namen. Cozmo kann Leute unterscheiden, ruft sie hin und wieder, freut sich. Hin und wieder singt Cozmo auch mal ein Lied, viel öfter aber will er spielen. Apropos spielen, mit kleinen Aufgaben muss Cozmo zum Beispiel gefüttert werden. Ähnlich wie bei Tamagotchis früher, nur eben etwas moderner.

Grundsätzlich sind die Spiele allesamt sehr einfach und kurzweilig, zumindest aus der Sicht eines Erwachsenen. Für Kinder sicher eine coole Sache. Um Anreiz zu schaffen, muss man sich auch immer wieder Punkte sammeln, um Spiele (Memory, Hau/Fang mich usw.) überhaupt spielen zu können. Des Weiteren gibt es verschiedene Schwierigkeitsgrade, die man nach und nach freischaltet. Besonders cool ist aber das Zusatz-Feature, welches auch als Lern-Mittel dienen kann.

Im besagten Teil der App baut ihr händisch zusammen, was Cozmo tun soll. Also beispielsweise eine bestimmte Strecke abfahren, bevor er einen Satz sagt. Kinder könnten Cozmo von einem Raum in den nächsten fahren lassen, um die Eltern ein wenig zu nerven. Grundsätzlich ist das Code Lab eine gute Sache, um Kinder ganz langsam an das Programmieren heranzuführen. Bestimmte Prozesse lassen sich dadurch spielend darstellen und verstehen.

Beispiele, Code-Lab und mehr im Video

Programmieren im fortschrittlichen Modus

Es gibt sogar ein SDK, mit dem Anki das echte Programmieren von Robotern möglich macht. Dafür wird dann allerdings auch ein PC nötig. Es ist quasi eine Erweiterung des sehr einfach gehaltenen Code Labs, daher auch für ältere Kinder bzw. erwachsene Nutzer geeignet. Vielleicht ist es sogar das Killer-Feature des Cozmo, wenn es darum geht, warum ein Cozmo eine lohnenswerte Anschaffung ach für Erwachsene sein kann.

Was nervt und fehlt

Updates können nervig sein. Ich hatte Cozmo mal zwei Wochen nicht benutzt, dann hing ich vor diesem Testbericht wirklich eine Stunde lang in einer Update-Schleife. Schnell verlor ich die Lust, der Test verschob sich. Optimal wäre eventuell, wenn Cozmo ins heimische WLAN dürfte. Automatische Updates darüber, wenn Cozmo ohnehin in der Ladestation steht.

Ebenso wäre eine Sprachsteuerung cool gewesen.

Wäre ein cooles Angebot: Zusätzliche Steuereinheit statt Smartphone für die einfachen Spiele und Funktionen, ein abgespecktes Tablet zum Beispiel mit Android als Basis und ausschließlich der Cozmo-App.

Fazit

Anki will für den Cozmo über 200 Euro haben, was für ein Spielzeug sicher eine Menge ist. Für kleine Portmonees ist der smarte Roboter also ohnehin nicht geeignet. Wer mehr ausgeben kann, darf sich Cozmo gern mal anschauen. Man bietet hier einen etwas sehr potenten Tamagotchi an, mit dem Kinder spielen aber auch lernen können. Aufgrund des SDK-Modus geht der Cozmo sogar weit darüber hinaus, nur ein cooles Kinderspielzeug zu sein. Für technisch Interessierte ist der Anki Cozmo also eine coole Sache, wie auch für die Kids.

  • Hab lange überlegt, mir einen Cozmo zuzulegen. Das Vorhaben ist aber dann an der festen Überzeugung meinerseits gescheitert, dass das Teil nach 4 Wochen nutzlos im Regal rumstehen würde. Ich find das Ding nach wie vor niedlich, aber die Langzeitmotivation dürfte eher mau sein.
    Schade.

    • das SDK ist sicher interessant, wenn man sich dafür interessiert :D… aber auch nicht mein Ding, schon allein mangels Zeit

      • Ja, das ist sicher nicht ungeil und wäre auch das einzige(!) Kaufargument für mich. Aber ich hab jetzt schon – du hast es ja auch gesagt – kaum Zeit, um mich richtig mit meinem Arduino-Kram auseinanderzusetzen. Der Kram wird halt auch nur alle 2-3 Wochen mal für ne Stunde rausgekramt.