In der Artikelserie rund um die Blockchain geht es diesmal um Blockchain-Domains, die etwas anders als klassische Domains im Internet funktionieren.

Cryptowährungen sind für viele nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln. Das liegt mitunter an der schier undurchschaubaren Anzahl der Projekte. Aber auch jede Cryptowährung für sich ist noch einmal in sich kompliziert. Was grob in den letzten Jahren passiert ist, könnt ihr an dieser Stelle nachlesen. Als Nutzer möchte man sich damit vielleicht gar nicht beschäftigen, sondern die Möglichkeiten einfach nur für sich vorteilhaft nutzen. Aber wie soll das gehen, wenn man für viele Anwendungen unterschiedliche Blockchains benötigt?

Crypto-Domains sind da ein sehr viel versprechender Ansatz, denn im Gegensatz zu den bisher bekannten Web-Adressen, können diese ein bisschen mehr. Was sie allerdings nicht können: von normalen Browsern aufgerufen werden. Man kann sich also nicht mal eben eine wohlklingende Crypto-Domain schnappen und nutzen wie eine .com- oder .de-Domain.

Am besten lassen sich Crypto-Domains anhand von Beispielen erklären. Wir machen es hier einfach, entscheiden uns für die Nutzung von Bitcoin als Zahlungsmittel und Ethereum, um NFTs (Non Fungible Tokens, siehe dieser Beitrag) zu transferieren – wie die Domain-Tokens der Anbieter.

Unstoppable Domains und Ethereum Name Service

Crypto-Domains, von denen werden euch vermutlich hauptsächlich drei Endungen über den Weg laufen: .eth, .crypto und .zil. Hier gibt es einige Unterschiede zu beachten, alle haben ihre Vor- und Nachteile. Hinter .eth steht Ethereum Name Service. Der Anbieter versucht, die Brücke zwischen Web 2 und Web 3 zu schlagen und geht dafür auch ein paar Kompromisse ein, die von Web 3 Hardlinern nicht so gerne gesehen sind. Für denjenigen, der so eine Domain einfach nutzen möchte, ist das zweitrangig, denn der Service von ENS ist super.

Beachten sollte man, dass bei ENS eine jährliche Gebühr für eine .eth-Domain anfällt. Diese liegt bei verfügbaren Domains normaler Länge bei rund 5 Euro/Jahr, zu zahlen in entsprechendem Ether-Wert. Das klingt nicht teuer, aber man sollte nicht vergessen, dass der Anbieter jederzeit an der Gebührenschraube drehen kann. Da man die Domain nicht einfach zu einem anderen Anbieter umziehen kann, ist das schon ein Punkt, der störend werden kann.

Bei Unstoppable Domains erhaltet ihr Domains mit den Endungen .zil und .crypto. Hier habe ich mich bisher nur mit den .crypto-Domains beschäftigt, da diese als Ethereum-Token existieren, .zil nutzen ihre eigene Blockchain, für die ich für mich bisher keine Verwendung gefunden habe. Außerdem klingt .crypto auch einfach viel cooler als .zil.

Das Spannende bei Unstoppable Domains: Man kauft die Domain. Ist die Domain bezahlt und im Wallet gelandet, kann sie euch keiner mehr nehmen. Zudem fallen keine weiteren Kosten an. Das relativiert dann die etwas höheren Initialkosten schnell. 40 Dollar werden für eine .crypto-Domain fällig (30 Dollar über meinen Link), 20 Dollar sind es bei den .zil-Domains. Der Vorteil hier außerdem: Man kann bequem per PayPal oder Kreditkarte bezahlen, falls man keine Cryptowährung ausgeben möchte.

.eth und .crypto sind beides Token, für Änderungen oder auch das „Claimen“ der Domain bei Unstoppable Domains muss man also mit einem Ether-Wallet hantieren. Mobil empfehle ich da gerne Trust oder Opera, auf dem Desktop kommt man aktuell schwer um einen Browser mit MetaMask-Unterstützung herum. Interessanterweise ist die Unterstützung der Crypto-Domains im Zusammenhang mit Hardware-Wallets generell eher mau.

Auf die Registrierung folgt die Einrichtung

Hat man eine Domain registriert, bei beiden Anbietern ist dies halbwegs anonym möglich, findet man diese in seiner Wallet unter Collectibles oder Tokens. Von dort kann man die Domain auch jederzeit an eine andere Adresse verschicken. So lässt sich eine Domain zum Beispiel erst einrichten und dann an ein Hardware-Wallet senden. Eigentümer ist immer die Adresse, die den Token hat. Unstoppable Domains bietet beispielsweise eine Oberfläche an, um die Domains zu verwalten, aber auch ohne diese Oberfläche kann man die Domain weiter verwalten, Ziel ist es sogar, dass letztendlich verschiedene Oberflächen zur Verfügung stehen.

Aber für was kann man die neu erworbene Domain denn jetzt verwenden? Am interessantesten für den Crypto-Einsteiger dürfte die Verknüpfung mit Empfangsadressen sein. Statt ellenlanger Folgen aus Zahlen und Buchstaben können Cryptowährungen so super einfach verschickt und empfangen werden. Man kann mehrere Cryptowährungen auf einer Domain zusammenlaufen lassen, in unserem Beispiel Bitcoin und Ethereum (die Ethereum-Adresse schließt alle ERC-20 und NFT mit ein).

Auf dem Screenshot seht ihr smartdroid.eth. Ich habe die Domain gekauft und sie dann an Denny transferiert. Deshalb steht da unter Registrant eine andere Adresse als bei Controller. Glück für mich: Denny hat den Controller noch nicht geändert, so kann ich euch zeigen, wie man Adressen einrichtet.

Im Normalfall, also wenn man die Adresse mit der Wallet einrichtet, mit der man auch den Kauf getätigt hat, ist das Adressfeld für Ethereum bereits ausgefüllt. Hier steht nun eben noch meine Adresse, die wird per Klick auf den Stift geändert.

Speichert man die neue Adresse, öffnet sich MetaMask (oder die jeweilige verwendete Wallet) und man muss die Transaktion bestätigen. Das kostet nur die Transaktionsgebühren, in diesem Fall waren das 5 Cent. Ist die Transaktion von der Ethereum-Blockchain bestätigt, ist die neue Adresse auch schon aktiv.

Registriert ihr die Domain erstmalig, ist der Reverse Record auch schon automatisch gesetzt, in diesem Fall musste ich Dennys Adresse noch zuordnen. Glückwunsch, ab diesem Moment muss man dann nicht mehr die komplizierte Blockchainadresse weitergeben, sondern kann einfach die Domain als „Kontonummer“ nutzen.

Möchte man weitere Adressen hinzufügen – logischerweise funktioniert nur eine pro Blockchain – muss man einfach weitere Records hinzufügen. Unter „other addresses“ findet man bei ENS schon eine recht große Auswahl der gängigsten Coins, bei Unstoppable Domains sind es noch mehr. Die Verwaltung bei beiden Anbietern ist sehr ähnlich, mir persönlich gefällt die Oberfläche von Unstoppable Domains etwa besser. Bei Unstoppable Domains werden Erstnutzer auch viel besser durch den erstmaligen Registrierungsprozess begleitet, man benötigt dort quasi keine Vorkenntnisse – und eine Ethereum-Wallet auch erst nach dem Kauf. Neuerdings kann man bei Unstoppable Domains auch seine .eth-Adressen verwalten, dazu wählt man einfach den Guest-Login nachdem man sich bei UD eingeloggt hat.

Auf dem Screenshot von Unstoppable Domains seht ihr auch gleich, welche Wallets die Crypto-Domains bereits unterstützen, hier kommen auch ständig welche hinzu. Unterstützung heißt in diesem Fall, dass aus diesen Wallets Coins und Token einfach an Crypto-Domains gesendet werden können.

Coins an Crypto-Domains senden

Das läuft dann so ab, dass der Sender anstatt der kryptischen Adresse einfach die Domain eingibt – bei uns also smartdroid.eth. Ist eine Empfänger-Adresse zum Coin, der gesendet werden soll, hinterlegt, erscheint ein Haken. Es ist nämlich nicht möglich, Coins an Adressen zu senden, die entsprechenden Coin nicht hinterlegt haben. Ist bei smartdroid.eth zum Beispiel eine ETH- und eine BTC-Adresse hinterlegt und ich versuche TRX zu senden, klappt das nicht. Wohl aber klappt es, wenn ich BAT senden möchte. Das liegt daran, dass es sich hier um einen ERC20-Token handelt, der mit der Ethereum-Adresse verknüpft ist.

Genauso lassen sich NFTs versenden. Möchte ich Denny also eines der hässlichen Kätzchen von CryptoKitties oder ein Wearable für Cryptovoxels zukommen lassen, nutze ich einfach die Domain. Einfacher kann man die Übertragung von Coins und Token aktuell nicht gestalten – einfacher als eine handelsübliche IBAN.

Außerdem werden die Domains bei immer mehr Diensten anstatt der nackten Wallet-Adresse als „Nutzernamen“ angezeigt. Gerade bei Diensten, bei denen man nur seine Ethereum-Adresse als Login nutzt, ist das sehr praktisch. Auch hier ist es so, dass dies von immer mehr Diensten unterstützt wird, da ist aktuell sehr viel Bewegung drin.

Blockchainadressen zu „human readable adresses“ zu machen, ist aber nur ein Teil der Möglichkeiten mit Crypto-Domains. Der Teil, der für die meisten am interessantesten sein dürfte. Man kann über die Domains auch Webseiten ausliefern, das aber über IPFS, dazu mal in einem anderen Beitrag mehr. Es gibt mittlerweile sogar schon einen Dienst, der aus einer ENS-Domain automatisch auch eine E-Mail-Adresse generiert – dazu ebenfalls bald mehr.

Hier geht es zu Ethereum Name Service (.eth)
Hier geht es zu Unstoppable Domains (.crypto/.zil)

Bitcoin und Co.: Was passierte nach dem Hype 2017 in der Crypto-Welt?

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