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CDU: „E-Sport hat mit Sport nichts zu tun“

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Was für eine Sisyphus-Arbeit. Als jemand, der selbst einen E-Sport-Club an seiner Hochschule gegründet hat, weiß ich, wie anstrengend die Überzeugungsarbeit ist. Doch Hessens CDU-Innenminister fängt nochmal ganz bei Null an und sagt: „E-Sport hat mit Sport nichts zu tun.“ Na danke auch. Erst kürzlich flammte die Diskussion wieder auf, als sich der E-Sport-Bund Deutschland (ESBD) und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) öffentlich einen kleinen Schlagabtausch geliefert haben. „Im DOSB positioniert man sich mit diesem Sonderweg komplett an der gesellschaftlichen Realität vorbei. Diesen Versuch der Spaltung wird die Generation eSport nicht mitmachen“, stellte Präsident Hans Jagnow in einem Statement fest.

Setzen, sechs

Der DOSB hat bei der Anerkennung von E-Sportlern eine zentrale Rolle und könnte zum Beispiel ermöglichen, dass diese auch zur Beantragung von Sportvisa für Auslandsturniere befugt sind. Stattdessen wirft man in den Raum, doch lieber zwischen E-Sport im Sinne von sportlichen Simulationen und „eGaming“ (WTF?) zu differenzieren.

Jetzt aber zum hessischen Innenminister Peter Beuth (CDU). Auf einer Pressekonferenz Ende November in Darmstadt sagte er laut des Echos:

Mir ist noch nicht klar, wie Bewegen aus Daumen und Zeigefinger Sport sein soll, auch wenn sich auf Bildschirm was bewegt. Wenn uns die Frage der Bewegung beschäftigt, dann passt das nicht. […] E-Sport hat mit Sport nichts zu tun. Wir müssen diesen Begriff ausradieren. 

Dass es beim E-Sport um durchaus sportliche Werte wie Teamplay und Wettbewerb geht sowie ein hohes Maß an Fähigkeiten wie Konzentration und Reaktion gefordert ist, blendet er leider aus. Er sehe es weiterhin „katastrophal“, dass die GroKo E-Sport-Clubs als Verein unterstützen will.

Beim Schach kommt ja auch keiner ins Schwitzen

Den häufig gezogenen Vergleich zum Schach, das olympischen Status hat, jedoch auch nicht viel Bewegung erfordere, tut auch Präsident des Hessischen Turn Verbandes Norbert Kartmann ab. Heutzutage würde er die Aufnahme dessen ebenfalls infrage stellen.

Hoffnung gibt es bei den Worten von Ralf-Rainer Klatt. „Man muss E-Sport als Teil des Digitalisierungsprozesses unserer Gesellschaft betrachten, der eben auch im Sport angekommen ist“, so der Vizepräsident des Landessportbundes.

Was ich zu der ganzen Geschichte denke, ist wahrscheinlich klar geworden. Aber jetzt interessiert mich: Wie steht ihr dazu? Sollte E-Sport als Sport anerkannt werden? Schreibt’s in die Kommentare! [via]

13 Kommentare
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13 Comments

  1. Schtief

    3. Dezember 2018 at 19:35

    Wo er Recht hat. Das ist nunmal KEIN Sport! Und wenn ihr euch sonst was einredet. Ich würde Schach und anderen Unsinn auch nicht zum Sport zählen, womit diese Leute ja immer gerne argumentieren und gleichzeitig selbst disqualifizieren. Allein schon die Tatsache, dass nichts, aber auch rein gar nichts der verwendeten Hardware und Software in den Händen der Spieler liegt, macht es zum Nicht-Sport. Kann irgendwer etwas davon verbessern? Nö. Sonst wäre Weitspucken oder Handyweitwerfen auch Sport.

    • Jonathan Kemper

      3. Dezember 2018 at 22:14

      Moment mal, gewinnt beim Speerwerfen jetzt auch der, der sich den besten Stock schnitzt? Was soll denn das Argument mit der Hardware?

      Dass die technischen Gegebenheiten es zumindest in der Theorie unmöglich machen, in großen Wettbewerben zu betrügen (cheaten), ist meiner Meinung nach schon ein großer Vorteil.

    • Denny Fischer

      4. Dezember 2018 at 07:04

      Im Fussball hast du genauso wenig Einfluss auf Wetter, Ball, Rasen und Ausrüster für deine Kleidung. Dort wählst du nur die Schuhe. Und selbst aufgrund diverser Verträge nicht mal mehr immer selbst.

      Würde mich mal interessieren, ab wann für dich etwas als Sport zu bezeichnen ist? Ernsthaft noch mit Definitionen aus Zeiten der griechischen Götter?

  2. Schtief

    3. Dezember 2018 at 22:28

    Der Werfer kann sich wohl nicht den für ihn passenden Stock raussuchen um zu gewinnen? ;) EIn starrer Stock ist ja wohl kaum vergleichbar. Ich red ja nicht davon dass sich irgendwer die CPU selber bastelt. Baut sich ein Rennfahrer sein Auto selber? Oder entwickelt es? Es wird aber für ihn gebaut. Das ist so ja wohl auch kaum vergleichbar, weil es kein Sport ist. Warum soll man in diesen Wettbewerben nicht cheaten können? Am PC geht das doch leichter als irgendwo anders. Um Betrug geht es auch nicht, überall werden die Grenzen der Legalität ausgereizt.

    • Denny Fischer

      4. Dezember 2018 at 07:07

      Wie auch hier und in sehr vielen anderen Sportarten, entscheidet das Material viel. Selbst bei einem starren Stock ;)

  3. eZee

    3. Dezember 2018 at 22:51

    Golf: Schläger wählen, trainieren, Schwung holen, drehen und *pock*, hoffen, dass der Ball da landet wo er hin soll.

    eSport: Spiel wählen, Taktik einstudieren, mehrere Stunden am Tag trainieren, Turnier spielen, hoffen, dass man gewinnt.

    • Denny Fischer

      4. Dezember 2018 at 07:07

      Hoffen ist nicht genug, der Anspruch muss sein, es zu planen! :P

  4. Ben

    4. Dezember 2018 at 08:16

    Warum eGaming unbedingt Sport sein will ist die Frage. Um Fördergelder zu kassieren? Sonst fällt mir kein guter Grund dafür ein.

    • Denny Fischer

      5. Dezember 2018 at 09:21

      Warum darf es dann keiner sein? Es geht in erster Linie auch um gesellschaftliche Anerkennung. Ich kann mir vorstellen, dass ein erfolgreicher Spieler nicht nur in seiner eigenen Community für seine Leistung anerkannt werden möchte.

  5. Toni Steven Walther

    4. Dezember 2018 at 12:29

    Jeder soll für sich selbst entscheiden was er als sportlichen Wettbewerb sieht ,, matratzensport “ manchen laufen einmal die Treppe hoch und runter wenn sie den Müll rausbringen und sage ,, ich habe sportlich gemacht “ also wieso nicht auch e-sport .

  6. Schtief

    4. Dezember 2018 at 20:55

    Beim Fussball muss man aber auch wirklich etwas können, nicht nur aufm Arsch sitzen und Däumchen bewegen. Eben diese äußeren Einflüsse sind schon ein bedeutender Unterschied. Nicht dass man sie nicht beeinflussen kann, sondern dass sie unvorsehbar und ständig anders sind. Man stelle sich vor die Grafikkarte regelt plötzlich auf 50% Leistung runter, oder die Maus auf halbe DPI. Sowas gibts nicht, alles ist immer gleich. Jede einzelne Situation ist immer gleich, man weiß exakt was passiert und reagiert eigentlich nur. Beim Fussball ist jedes Pixel vom Rasen identisch, da stolpert niemand, oder rutscht aus, keine Löcher im Gras. Und keine Kondition. Bei Rennspielen ist Dreck auch gleich Dreck. Jeder Meter ist identisch und fährt sich entsprechend. Man muss nichts können, nur auswendig lernen.

    OK, es ist Sport, eben eSport. Der Definition nach zumindest. Aber mit dem restlichen echten Sport hat das nichts zu tun und z.B. bei Olympia auch nichts zu suchen. Können zu den X-Games gehen. Obwohl, das passt ja noch weniger.

    Ist doch aber auch egal. Das wird sich nicht durchsetzen, niemals, und wenn die Nerds noch so laut schreien. Die paar Fans werden auch Erwachsen und verlieren schnell das Interesse an diesem Kindergarten.

  7. Schtief

    4. Dezember 2018 at 21:00

    Ich hasse diese Kommentarfeld. Keine Benachrichtigungen, ständig muss man seine Daten eintragen, übelst langsam, bei Antworten wird es ans Ende geklatscht und muss extra aufgeklappt werden. Waaarum nicht Disqus? War mal und war gut so. Diese Ding hier ist ein dermaßener Rückschritt und unkomfortabel wie die Sau.

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