Chrome bekommt Ad-Filter gegen schlechte Werbung

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Google liefert im eigenen Chrome-Browser ab dem kommenden Jahr einen Ad-Blocker aus, der allerdings nur schlechte Werbung filtern soll. Interessant ist diese Meldung wegen mehrerer Gründe, denn mit einem Ad-Blocker schneidet sich Google auch selbst ins Fleisch, immerhin verdient der Konzern hauptsächlich über Werbung seine alljährlichen Milliarden. Andererseits wird Google nicht jede Werbung blockieren.

Google will nur schlechte Werbung aus dem Weg räumen, Werbung die den Nutzer nervt und die Benutzung deutlich verschlimmert. Dazu gehören natürlich Popups oder Sound-abspielende Anzeigen, Layer-Ads, Popunders und vieles mehr. Google selbst bietet seit eh und je nur klassische Werbebanner an, die höchstens animiert sind, jedoch keine Töne von sich geben oder gar Popups erlauben.

Na gut, hin und wieder schaffen es ein paar ganz miese Leute, noch immer über Google Adsense ihre Gewinnspiel-Popups auf Mobilgeräten auszuliefern. Derzeit gibt es wieder eine Welle, im Prinzip sind alle Webseitenbetreiber betroffen und können nur wenig dagegen tun. Google scheint auch wenig tun zu können, dieses Problem herrscht seit Jahren.

Aber ich schweife ab. Google legt in einer Koalition für bessere Anzeigen fest, welche Werbeanzeigen schlecht sind und welche nicht. An diesen Vorgaben ist der Ad-Filter von Chrome ausgerichtet. Integriert wird er ab dem kommenden Frühjahr, berichtet das Chromium-Team.

Zudem gibt es für die Betreiber von Webseiten ein neues Tool, in welchem ihr eure Website automatisch von Google checken lassen könnt. Hier sollte man schaffen von Google grünes Licht zu bekommen, ansonsten droht euch eine Überarbeitung eurer Webseiten, wenn ihr denn weiterhin mit Werbung euer Geld verdienen wollt (und müsst).

Google nutzt seine Marktmacht aus

Google merkt in den letzten Jahren natürlich auch, dass sich die Investitionen in der Werbung verschieben, hin zu richtig nervenden und riesigen Anzeigen, weg vom klassischen Banner mit Text und einfachen Grafiken. Google ist in diesem Fall also nicht als Robin Hood zu sehen, mit dem Ziel das Web wieder besser zu machen. Man nutzt einfach die eigene Marktmacht aus, um den Online-Werbemarkt wieder in die eigene Richtung zu lenken.

Chrome ist nach aktuellen Statistiken (in der westlichen Welt) auf mindestens der Hälfte aller Consumer-Geräte mit Internetanschluss der Standard-Browser. Man muss sich nur Android anschauen, das Betriebssystem beherrscht mit über 80 % den Markt und Chrome ist zumindest in der westlichen Welt der vorinstallierte Browser. Bei uns sind aktuell 62 % der Besucher mit Chrome unterwegs, 11 % mit Firefox, 8,5 % mit Safari und 7 % mit Internet Explorer bzw. Edge.

Schlechte Werbung bringt Kohle

Viele Betreiber von Webseiten, Blogs, Magazinen wollen nicht nur leben, sie wollen auch stetiges Wachstum. Das geht nicht selten damit einher, dass die Vermarktung der eigenen Webseiten über das Ziel hinausschießt. Wir selbst haben auch mobile Vollbildanzeigen probiert, womit sich wahrlich ein Vielfaches an Kohle verdienen lässt, doch die Nutzererfahrung geht krachen und die Rate an echten Ad-Blockern steigt. Über lange Sicht würden wir daher eine negative Entwicklung fördern, nur kurzfristig lässt sich damit das große Geld verdienen.

Ich bin selbst auch eher Fan des klassischen Banners, der heute allerdings deutlich schlechter als früher „bezahlt“ wird. Werbung ist und bleibt nötig, um ein freies Internet gewährleisten zu können, in welchem nicht an jeder Ecke die Hand aufgehalten werden muss. Ich befürworte die Initiative von Google also durchaus, auch wenn der Konzern damit hauptsächlich eigene Interessen verfolgt.

  • Markus Eyrich

    Bei Werbung gehen die Meinungen eben stark auseinander, das wird immer ein heißes Eisen bleiben. Ich verstehe zwar die Betreiber der Seiten, aber ich will den Kram einfach nicht sehen. Ich schaue schon zu 99% nur noch Streaming Fernsehen, weil man im normalen Fernseher-Programm unerträglich viel Werbung ertragen muss und mit Webseiten halte ich das auch so, wird mir die Werbung zu nervig, ist die Seite weg, ganz einfach.

    • Living_Commentator

      Auch ich schaue seit über zwei Jahren kein lineares TV mehr. Ich finde in den Streamingangeboten (bei mir Amazon, es gibt aber auch Netflix, Maxdome und jede Menge andere Anbieter) genau das, was ich konsumieren möchte. Und ich zahle dafür – on demand oder über eine jährliche Pauschale. Der Anbieter bekommt also genauso sein Geld und zusätzlich einen zufriedener Zuschauer/Kunden.

      Im Web ist es doch ähnlich. Jedes Angebot muss finanziert werden, entweder durch Werbung oder eben Paywalls. Auch hier nutze ich beide Formate. Ich zahle für ausgewählte Angebote und sehe ansonsten Werbung.

      Ich nutze einen Browser mit eingebautem Werbeblocker (Brave, Chromium basierend). Ich habe allerdings per default die Werbung eben nicht geblockt, weil mir klar ist, das Webangebote finanziert werden müssen. Ich blocke Werbung nur auf den Seiten, auf denen die Werbung technische Probleme verursacht oder Werbeformen nutzt, die zu aufdringlich sind.

      Und genau da setzt Googles Initiative ja an. Werbung wird nicht per se blockiert, sondern nur die schlimmsten Auswüchse. Dies kann auf lange Sicht in der Tat zu besserer Akzeptanz von Werbung führen, was wiederum allen Inhaltsanbietern zugute kommt,

    • Immer ein schwieriges Thema, auch durch die Bewegungen am Markt und sinkende Preise.