Kann man nach dem ersten Monat zur deutschen Corona-Warn-App ein positives Fazit ziehen oder sollte man das Projekt nicht etwas kritischer sehen?

Die Anzahl der negativen Rezensionen steigt immer weiter an, dennoch zieht das RKI nach ca. einem Monat eine positive Bilanz zur deutschen Corona-Warn-App. Einen Effekt konnte die App bislang nicht erzielen oder jedenfalls ist keiner nachweisbar. Eine grobe Zahl der Corona-positiven Menschen, die sich in der App als positiv getestet gemeldet haben, soll im ersten Monat bei nur ca. 500 liegen.

Setzt man diese Zahl ins Verhältnis zu den insgesamt 16 Millionen Downloads und fast täglich 300 bis 500 neuen Corona-Fällen in Deutschland, scheint die Verwendung der App eher selten richtig zu passieren. Ich hatte schon immer gesagt, dass die bloße Downloadzahl recht wenig Aussagekraft hat. Dennoch zieht das RKI ausgerechnet dazu ein positives Fazit, was ich ehrlicherweise nicht so ganz verstehen kann.

Nur wenige Infiziert-Meldungen im ersten Monat

„Die App funktioniert: Rund eine Woche nach ihrem Start wurden erstmals Zufallscodes Corona-positiver Personen zum Abgleich zur Verfügung gestellt. Im ersten Monat haben mehr als 500 Menschen, die nachweislich positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden, die Möglichkeit gehabt, Andere über die App zu warnen. Wie viele Menschen genau gewarnt wurden, können wir allerdings wegen des dezentralen Ansatzes der App nicht sagen.“

Derweil häufen sich die negativen Rezensionen, weil die Nutzer von der App immer wieder mit Fehlern begrüßt werden. Im Play Store steht nach über 64.000 Rezensionen ein Punkteschnitt von noch 3,3 von 5. Tendenz allerdings weiterhin sinkend. Natürlich liegen die Fehler nicht immer nur direkt bei der App, dennoch sprechen viele Nutzermeldungen dieser Art nicht mehr positiv für das Projekt.

Corona-Warn-App lässt Funktion für Gesundmeldung vermissen

Mehr Labore richtig ausgerüstet

Immerhin hat diese App auch positive Effekte an anderen Stellen hervorgerufen, denn immer mehr Labore haben eine jetzt aufgerüstete Infrastruktur für den reinen digitalen Austausch der wichtigsten Patientendaten. Es sind deutlich mehr, heißt es im RKI-Bericht.

„Nutzerinnen und Nutzer der App sollen zukünftig ihr Testergebnis nach der Registrierung ihres QR-Codes direkt auf ihr Smartphone erhalten. Die dafür notwendige technische Anbindung der Labore ist auf einem guten Weg: Mehr als 60 Prozent der niedergelassenen Labore, die PCR-Tests anbieten, sind mittlerweile angebunden. Zum Start der App waren dies 15 Prozent.“

Wie die nur noch sehr langsam steigende Downloadzahl unterstreicht, ist die Corona-Warn-App nicht mehr in den Köpfen der Leute. Nicht ganz 16 Millionen Downloads sind es zum Ende dieser Woche gewesen, viel mehr werden es unterm Strich dann auch nicht sein. Und ich wiederhole mich: Wir wissen nicht, auf wie vielen Geräten die App wirklich noch aktiv ist.

Preis: Kostenlos

RKI

Denny Fischer

Gründer Smartdroid.de, bloggt seit 2008 täglich über Smartphones, Android und ähnliche Themen.

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3 Kommentare

  1. Die App dient nur der Überwachung und macht überhaupt keinen Sinn. Die Leute begreifen’s nur nicht.

  2. Ich hab mir die App auch heruntergeladen. Es muss mir aber mal jemand erklären, wie die App sich bemerkbar machen soll, wenn sich doch die Coronainfizierten regestrieren sollen damit das System funktioniert und gleichzeitig sind sie in Quarantäne. Also dürfte man eigentlich keinem begegnen und der Alarm kann so auch nie los gehen. Ich kann mir nur vorstellen, dass man jemanden trifft der genesen ist und er noch regestriertist. Oder ein Erkrankter hält sich nicht an die Quarantänevorschriften.

    1. Du kannst ja auch jemandem begegnet sein, bevor er offiziell als infiziert galt. Einen Tag vorher beispielsweise. Dann hattest du ja eine entsprechende Begegnung. Außerdem glaube ich, dass sich nicht jeder sofort an die Quarantäne hält und manchmal wohl auch nicht kann.

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