Obwohl fast alle im ähnlichen Maße betroffen sind, spaltet sich die deutsche Gesellschaft mehr und mehr. Zielführend ist das nicht, finde ich.

Ich bin zugegebenermaßen ein scharfer Kritiker der Bundesregierung für ihre Beschlüsse zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Mir gefallen so einige Dinge nicht, die nun seit den ersten Herbsttagen wiederholt umgesetzt werden. Zu viel Zeit ging ins Land, ohne handfeste Pläne zu schmieden oder alltägliche Maßnahmen auf einem gewissen Level zu halten. Das betrifft Wirtschaft und Gesundheit gleichermaßen. Nun haben wir den Salat. Der nächste Lockdown ist da. Mit Ausgangsbeschränkungen, gelähmtem Mittelstand und vielen anderen Problemen.

Ich bin aber zugleich ganz klar dafür, dass wir uns alle gemeinsam an gesetzte Regeln halten sollten. Wir alle sitzen im selben Boot. Manch einer vielleicht schon bis zum Hals im Wasser, doch die Krise beschäftigt mal grundsätzlich alle Menschen in diesem Land. Zugleich wird augenscheinlich die Anzahl derer größer, die nur sich selbst sehen. Vor allen Dingen dann, wenn sie ihr bisheriges Leben nicht eins zu eins fortsetzen können. Da wird das Tragen von 15 g Stoff zum schlimmsten Schicksalsschlag hochstilisiert.

Das eigene Leid heraufbeschwören, wo eigentlich gar keines ist

Statt an einem Strang zu ziehen, wollen immer mehr deutsche Bürger auf Cowboy machen. Regeln sind plötzlich egal, fast wie im deutschen Straßenverkehr. Häufig lese ich als Argument für vorsätzliche Regelverstöße, dass Kontrollen ohnehin kaum möglich wären. Man wolle sich die eigene Freiheit nicht nehmen lassen. Aber genau das beschwört asoziales Verhalten herauf, nämlich schärfere Kontrollen, härtere Strafen und langfristige Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

Die Ignoranz gegenüber der WELTWEIT herrschenden Situation nimmt dabei beachtliche Züge an.

Der Punkt ist einfach: diese Krise betrifft nicht nur uns. Auch sehr viele andere Länder um uns herum sind zu ähnlichen Maßnahmen gezwungen. Teilweise geht es dort viel schlimmer zu. Allein das entkräftet doch die immer wieder aufkeimenden Theorien, dass die deutsche Regierung gezielt den Mittelstand zerstören wollen würde. Was einfach nicht zusammen passt: einerseits den Regierenden immer wieder Fehlverhalten vorzuwerfen, aber zugleich permanent vom eigenen Regelverstoß zu schwadronieren.

Vielleicht wirklich mal an die anderen denken, statt davon immer nur zu reden

Es dürften doch die meisten von uns schon als Kind erfahren haben, dass bockiges Verhalten eher selten zum gewünschten Ziel führt. Ganz im Gegenteil. Widersetzen sich immer mehr den geltenden Regeln, dürften diese umso länger bestehen bleiben. Damit sorgt die an den Tag gelegte Ignoranz für das Leid vieler, als wäre die grundsätzliche Situation für viele Leute nicht schon schlimm genug. Was ist mit den guten Ideen, statt immer zu wettern?

Ich wünsche mir auch mein „altes Leben“ ohne Pandemie zurück, mit offenen Geschäften und florierender Wirtschaft. Aber wir müssen uns bewusst sein, mit trotzigem Fehlverhalten nicht denen helfen zu können, um deren Schicksal wir uns angeblich so sehr sorgen. Die deutsche Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren schon zu stark spalten lassen, warum finden wir in diesen Tagen nicht einfach wieder mehr zusammen?

Lesenswert hierzu auch der Beitrag von Casi, in welchem der Kollege noch etwas mehr ausholt.

Denny Fischer

Gründer Smartdroid.de, bloggt seit 2008 täglich über Smartphones, Android und ähnliche Themen.