Dyson polarisiert in der Heimelektronik ähnlich wie Tesla bei Autos, auch die Qualität der Produkte scheint vergleichbar. Ein Dyson Pure Hot+Cool im Test.

Nach zwei Wochen geht unser Dyson Pure Hot+Cool zurück zum Händler, denn das gesamte Gerät bot Enttäuschungen fast am Fließband. Die anfängliche Euphorie wich schnell der Enttäuschung, denn Ungereimtheiten und fehlerhafte Technik ließen mich den Kauf schnell bereuen. Am Ende frage ich mich, ob Dyson nicht auch wie Tesla vielleicht ziemlich cool ist, zugleich aber auch völlig überbewertet. Aber das ginge nach nur einem Produkttest vielleicht zu weit, oder?

Jedenfalls haben wir eine Katze, meine Frau reagiert auch auf Pollen und im Winter hätten wir gerne nicht nur stehende Heizungsluft im Wohnzimmer. Zugleich haben wir gute Erfahrungen mit einem deutlich simpleren Modell von Xiaomi, das im Schlafzimmer wohl für eine etwas reinere Luft sorgt und meine Frau weniger niesen lässt. Das können wir uns auch einbilden, ich wollte das aber erwähnt haben. Für das Wohnzimmer sollte also ein ähnliches, aber umfangreicheres Gerät her.

Der Dyson Pure Hot+Cool HP04 kostet neu über 600 Euro, kann dafür aber auch acht verschiedene Arten von Luftverschmutzung erkennen sowie filtern. Außerdem hat das Gerät eine Heizfunktion, mit der ich in den kalten Wintertagen warme Luft durch den Raum zirkulieren lassen kann. So war jedenfalls der Wunsch, der sich nicht erfüllte. Gleich mehrere Schwächen sind einfach zu eklatant gewesen.

Was der Dyson filtern kann:

  • Ultrafeine Partikel und Viren
  • Industrieabgase
  • Bakterien und Schimmelpilzsporen
  • Pollen und Allergene von Pflanzen und Blumen
  • Teppiche, Läufer und Fußböden
  • Haushaltsdämpfe und Kochen
  • Reinigungsmittel und Duftkerzen
  • Gasherde und Autoabgase
  • Stickstoffdioxid

Nicht alle Funktionen verfügbar, undurchsichtiger Update-Prozess

Der rote Faden setzte schon zu Beginn ein, ich konnte nicht alle Funktionen benutzen. Die App quittierte mir jeden Versuch damit, dass ich das nächste Update abwarten muss. Blöd nur, dass es keinen Fortschritt hierzu gibt. Dyson verrät nirgendwo, wann das besagte Update installiert wird. Die manuelle Installation gibt es nicht. Nach kurzer Recherche wurde klar, dass die Installation IRGENDWANN stattfindet. Manche haben eine Nacht warten müssen, andere wiederum mehrere Tage.

Ich hatte „Glück“, musste nur eine Nacht abwarten. Erst dann konnte ich in der App die Zeitsteuerung aktivieren und den Verlauf von Temperatur sowie Luftverschmutzung sehen. Die erste Enttäuschung konnte also relativ schnell aus dem Weg geräumt werden. Das ist trotzdem ne Nummer, wenn man ein so teures Gerät kauft und erst mal auf etwas warten muss, wozu nur relativ wenig verraten wird. Hier sollte in der App nachgebessert werden.

Display verrät auch ohne App mehr über unsere Luft.
Fernbedienung erlaubt einen Teil der Funktionen ohne Smartphone zu steuern.

Materialanmutung ist unterirdisch

Schon beim Auspacken wurde klar, dass Dyson für über 600 Euro ziemlich viel Plastik bietet. Zwar mag der Look des Gerätes auf Pressebildern modern aussehen, ist aber alles nur Kunststoff. Und ich bin der Meinung, dass man Plastik auch durchaus sehen kann, trotz lackierter Flächen. Jedenfalls wirkt das Gerät optisch okay, macht aber auch aus fünf Metern Entfernung keinen sonderlich hochwertigen Eindruck.

Ich hatte mich zu Beginn gleich auch mit dem Wechsel der Filter beschäftigt. Dabei wird einem der Plastikanteil noch ersichtlicher. Puh, fühlt sich relativ billig an. Jedenfalls weit entfernt vom Preis, das kann ich euch sagen. Und irgendwie bleibt das halt permanent im Hinterkopf, wenn so viel Geld den Besitzer wechselt. Selbst bei unserem generalüberholten Modell für noch 450 Euro kann ich darüber nicht hinwegschauen.

Immerhin: Wechseln kann man die Filter wirklich einfach per Klicksystem.

Eine ziemlich schwache Leistung und ein nervenaufreibender Ton

Vorneweg muss ich sagen, dass die Erkennung von sämtlichen Luftverschmutzungen ziemlich gut und schnell funktioniert. Man konnte im Verlauf sehen, wann wir etwa mehrere Leute zu Gast hatten oder wir mal irgendwas mit Reinungsmittel im selben Raum gemacht haben. Das war zuverlässig. Und war die Luftqualität über dem automatischen Limit, hat der Dyson mehr Gas gegeben und automatisch die Rotation eingeschaltet. Bis dahin, nice!

Weniger gut ist die Leistung des Gebläses, jedenfalls beim Kühlen. Die einzigartige Bauweise hat den Nachteil, dass man für einen wahrnehmbaren Luftzug schon in die höchsten Stufen schalten muss, was wiederum für eine ziemlich hohe Lautstärke sorgt. Deutlich hörbar war der Dyson aber auch in niedrigeren Stufen bei einer Entfernung von vier bis fünf Metern.

Ich hatte aber auch selbst bei Stärke 8 nicht das Gefühl, dass mich er Dyson an warmen Sommertagen so beglücken kann, wie es ein 30 Euro Klarstein-Ventilator mit großen Rotorblättern schafft. Die Luft aufheizen geht hingegen flott, dafür braucht es aber auch keinen vollen Durchzug.

Dyson hat die Luft nach einer Party automatisch und erfolgreich gereinigt, dafür aber auch ziemlich viel Zeit benötigt.

Vom heimischen Luftzirkel brauchen wir vermutlich gar nicht erst anfangen. Hierfür stehen die Geräte in der Dyson-Werbung immer frei irgendwo im Raum, ein echtes Wohnzimmer dürfte diese Möglichkeit selten bieten und deutlich zu viele störende Objekte in der Umgebung haben. Am Ende blieb jedenfalls der Wow-Effekt aus, den wir uns irgendwie erhofft hatten. Ist ja immerhin Dyson, voll cool und so.

Zu guter Letzt war da noch eine klirrendes Geräusch, das in unregelmäßigen Abständen in allen möglichen Stufen stark hörbar war. Fast wie ein Pfeifton. Auch in zwei Wochen ging das Geräusch nicht dauerhaft weg. Mal war es für Stunden nicht hörbar, dann wieder stundenlang am Stück. Mal sehr laut, mal eher leise. Grund genug, den Dyson Pure Hot+Cool HP04 wieder auf Retoure zu schicken. Ebenfalls offenbarte die Recherche, dass unser Fall kein Einzelfall ist.

Fazit: Vielleicht habe ich Pech gehabt?

Kaufen würde ich ein Dyson-Gerät dieser Art nicht noch mal. Die negativen Eindrücke und ausbleibenden positiven Effekte überwiegen einfach zu sehr, dabei war ich vor dem Kauf ziemlich Feuer und Flamme. Hatte ich einfach Pech? Sicherlich, was den üblen Ton im Hintergrund angeht. Aber auch sonst kam nicht das Gefühl, dass mir das Gerät widerspiegeln kann, wie viel Geld ich dafür ausgegeben habe. Beeindruckend war am Ende nur die Erkennung der Luftverschmutzung und die langatmige, aber gut funktioniere Reinigung der Luft.

Denny Fischer

Gründer Smartdroid.de, bloggt seit 2008 täglich über Smartphones, Android und ähnliche Themen.

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12 Kommentare

  1. Hast du vielleicht ein Montagsgerät erwischt? Ich habe ein anderes Modell ohne die Heizfunktion und kann mich gar nicht beschweren. Ich bin Allergiker und wohne im DG. Dazu dampfe ich noch. Gerade im Sommer war die gefühlte Abkühlung besser als bei herkömmlichen Ventilatoren. Unterschied ist wohl, dass unserer relativ frei im Raum steht. Das nächste Hindernis ist ca 1,5m entfernt.

    1. Dann wäre es ein doppeltes Montagsgerät, weil generalüberholt. Aber funktioniert hat es ja, ich war nur nicht zufrieden mit gefühlter Kühlung und vor allem im Verhältnis zur Lautstärke, damit überhaupt was ankommt. Ca. 5 Meter vom Sofa (frontal) entfernt.

  2. Wie soll so ein Gerät auch in jeder Hinsicht gut funktionieren? Für die Luftfilterung braucht es, bei hinreichend kleiner Porengröße des Filters, einen bestimmten Druck. Um ein gewisses Luftvolumen in einer bestimmten Zeit filtern zu können, braucht es zusätzlich einen gewissen Volumenstrom. Volumenstrom und Druck zusammen lässt sich nur unter Lärmemission erzeugen. Wer unbedingt meint eine Luftfilterung zu Hause zu brauchen, kommt um den Krach nicht umhin. Oder verfügt über ein sehr aufwändig gekapseltes Gerät. Ob es so etwas für den Hausgebrauch zu kaufen gibt, weiß ich nicht, könnte man ggf. auch selbst bauen, die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten vorausgesetzt. Ist ein Gerät nicht gekapselt und trotzdem leise, kann es nicht richtig filtern.

    Wer nur einen Ventilator braucht, findet bessere Möglichkeiten. Der Technik geschuldet sind alle „rotorblattlosen“ Lüfter vergleichsweise laut. Besser sind herkömmliche Geräte mit Gleichstrommotor, z.B. von MeacoFan, teilweise mit Betriebsgeräusch von unter 20bB und damit wirklich für’s Schlafzimmer geeignet.

  3. Nein, ich denke nicht, dass Du „einfach Pech“ hattest.

    Dyson war früher wirklich gut und sehr solide, aber seit nicht mehr in GB produziert wird, ist das Zeug wirklich nur noch überteuerter Mist. Egal welche Gerätesparte.

    Diese Art von angeblich flügellosen Ventilatoren sieht zwar toll aus, aber besser als normale Geräte mit Rotor sind sie nicht und bei der Reinigung der Raumluft finde ich filterlose Geräte mit Wasserfilterung immer noch besser. Auch was die Folgekosten angeht. Zudem befeuchten sie die Luft, kühlen bei Hitze ein bisschen durch die Verdunstung, mutieren bei korrekter Wartung auch nicht zu Keimschleudern und sind ziemlich leise.

    Ich habe von Dyson einen mittlerweile 17 Jahre alten Staubsauger mit Elektrobürste, der läuft und läuft und läuft. Das einzige, was ich bisher tauschen musste war ein nach Jahren gerissener elastischer Schlauch.

    Jahre später habe ich aufgrund meiner guten Erfahrungen und der meiner Freunde, die bei Staubsaugern schon seit Jahren auf Dyson setzten, auch einen sehr teuren Matratzensauger gekauft. Made in Malysia… Der war dreimal in Reparatur, weil Gehäuseteile sich in kürzester Zeit von alleine zerlegen (Spannungsrisse). Auch die vierten Gehäuseschalen sind mittlerweile rissig und abgesplittert. Dyson sagt dazu frech: Ich betreibe den Sauger wohl zu oft im Turbomodus… Aber nur damit ist die Entfernung von Milben und Staub aus der Matratze möglich. Der normale Modus ist zum Staubsaugen oder für das kleine Malheur auf dem Tischtuch. Der Turbomodus ist also bei dem Teil rein vom primären Verwendungszweck her die Norm!

    Dann hat schon sehr früh der Akku schlapp gemacht, überhitzt sich häufig und ist auch schnell leer. Inzwischen stellt sich das Gerät sofort aus, wenn der Akku nicht ganz frisch geladen ist und man in den Turbomodus umschaltet. Bei einem Gerät, das an sich nicht häufig genutzt wird, ist das wirklich keine Glanzleistung. Auch schaltet sich der Motor mittlerweile kurz aus, wenn man eine Fläche saugt, die etwas weniger luftdurchlässig als eine Matratze ist. Soll wohl eine Überlastungsschutzschaltung sein, die führt aber z. B. auf einem kurzen Teppichflor zu on-off-on-off-on-off-on-off-on-off…

    Und Last but not least: Nutzt man die Elektrobürste aus Materialien, die sich leicht statisch aufladen, bekommt man alle paar Sekunden einen schmerzhaften Stromschlag aus der offenen Ladebuchse verpasst, die sinnigerweise so am Griff angebracht ist, dass die Hand zwangsläufig über ihr liegt.

    Der sauteuere Fön macht übrigens aus dem Haar trockenes Stroh. Meine Freunde die schon vor mir immer Dyson-Staubsauger hatten, sind – wie ich – inzwischen aufgrund der ständig nachlassenden Güte der Geräte durch mit der Marke.

    Wenn man dann noch den Charakter von Herrn Dyson betrachtet, sollte man schon aus ethischen Gründen die Marke meiden.

  4. Nach dem ich dieser Review gelesen habe, werde ich ein dyson Pure Hot+Cool. Wieso mekerst du so viel? Du wusstest das Teil ist aus Plastik. Du wusstest auch wo das Ding stehen würde. Ist doch klar man hat nicht so viel wie auf die Wohnung von Prospekt. Ich Heizfunktion funktioniert auch einwandfrei laut Review. Das Problem wäre die Geräusche und das kann man mit einem Besuch beim Saturn erledigen.

    Vielen Dank dyson rockt!

    1. >werde ich ein dyson Pure Hot+Cool.

      Ja was denn, kaufen, verkaufen, wegschmeissen?

      >Ich Heizfunktion funktioniert auch einwandfrei laut Review.
      Ja, in Reviews wird viel geschrieben. Vor allem, wenn der Reviewende dafür gut bezahlt wird…

      >Das Problem wäre die Geräusche und das kann man mit einem Besuch beim Saturn erledigen.
      Ja klar, beim Saturn ist es so laut, dass der Dyson dagegen leise erscheint. Nur kauft man sich so ein Teil doch, um es zu Hause zu betreiben und nicht im lauten Saturn?!?

      >Vielen Dank dyson rockt!
      Offensichtlich ja nicht, alleine das Konzept des Gerätes ist schon zum Scheitern verurteilt. Muss man natürlich auch erst einmal begreifen, im Sinne von können und wollen.

      Nichts zu danken, wenn du noch weitere Punkte hast, bei denen ich helfen kann, melde dich einfach. :-)

  5. @Dysonfanboygirl:
    Niemand will Dir das ausreden, aber hier werden Meinungen verbreitet. Du hast ja offensichtlich auch eine. Andere Meinungen als Deine aber als Gemecker zu bezeichnen ist echt unverschämt. Zumal Du zum Thema überhaupt keinen qualifizierten Beitrag leistest…

    Sicher wusste DF schon vorher, dass das Gerät aus Plastik gefertigt ist. Was ist heute denn nicht mehr aus Kunststoffen? Es macht bei dem Preis aber schon einen großen Unterschied, ob es sich um hochwertige, elastische und bruchfeste Kunststoffe in ordentlicher Ausführung handelt oder, wie hier leider, billiges und schlecht verarbeitetes „Einwegplastik“.

  6. Geht’s bei Dyson so bergab? Schaut mal auf Trustpilot nach wie es scheinbar um den Service steht.

    https://de.trustpilot.com/review/www.dyson.com

    Auch wir haben mit unserem Plastik Sauger regelmäßig Probleme und der Service scheint nicht mehr dem Preis angemessen. Viele Beschwerden mit ähnlichem Kontext.

    Technologie haben die drauf aber die Umsetzung und Haltbarkeit ist eine Katastrophe.

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