Das Auto konfigurieren wir zukünftig nicht mehr beim Kauf, stattdessen abonnieren wir Funktionen individuell. Das Auto hat von der Smartphone-Welt gelernt.

Der moderne Straßenverkehr besteht nicht mehr nur aus eigenen Autos der Verkehrsteilnehmer, später fahren wir die Autos nicht mal mehr selbst. Doch bis zu diesem Zeitpunkt vergeht noch reichlich Zeit. Auf dem Weg dahin müssen die Fahrzeughersteller ihre Software erst einmal grundlegend überarbeiten und dabei auch noch vieles neu denken. Ein Vorreiter im Umdenken ist mit Sicherheit BMW, der bayrische Fahrzeughersteller scheint mit seinem Software-Angebot schon etwas weiter als die Konkurrenz zu sein.

Ein sehr umfangreiches Update hat BMW jetzt angekündigt, das unsere Aufmerksamkeit verdient hat. Zugleich verrät der Hersteller damit weitere Pläne für die Zukunft. Grundsätzlich scheint es zukünftig so zu sein, dass die Autos bereits deutlich mehr Funktionen schon ab Werk mit an Bord haben. Es gibt von einem Modell daher deutlich weniger individuelle Varianten, was die Produktion für den Autobauer vereinfacht. Aber nur weil jede erdenkliche Funktion bei einem Neufahrzeug mit an Bord ist, steht sie nicht automatisch dem Fahrer/Besitzer zur Verfügung.

Das Auto lernt vom Smartphone

BMW entwickelt nämlich ein Freemium-Modell bzw. baut dieses schon seit geraumer Zeit immer weiter aus. Anfangs gab es schon Software, die der Käufer je nach Belieben abonnieren und damit freischalten konnte. Das Modell der Feature-Abonnements, so würde ich sie benennen, weitet BMW jetzt aus, nämlich auch auf reine Hardware-Funktionen. Ein in meinen Augen spannendes und gewagtes Projekt, das BMW für neue Fahrzeuge jetzt und in Zukunft umsetzt.

Ein Käufer kann bei der Fahrzeugbestellung später gewünschte Funktionen nicht mehr „vergessen“ oder links liegen lassen, die spätere „zweite Hand“ kann Funktionen wie beim Neuwagen abwählen oder abonnieren. Beispiel: Der Erstbesitzer in Spanien braucht die integrierte Sitzheizung vielleicht nicht, der Zweitbesitzer in Norwegen hingegen schon eher. Das flexible Abonnement macht das Auto für beide interessant.

Bereits heute bietet BMW seinen Kunden digitale Services sowie zusätzliche Fahrzeugfunktionen in Form eines digitalen Nachverkaufs an. Aktuell bereits verfügbare Beispiele für diese Dienste sind der Fernlichtassistent, das Fahrerassistenzsystem Active Cruise Control (ACC) mit Stop & Go-Funktion, der BMW Driver Recorder, BMW IconicSounds Sport und Adaptives M Fahrwerk (das Angebot kann in einzelnen Märkten abweichen). In naher Zukunft werden weitere Funktionen hinzukommen, die auf die bereits vorhandene Hardware und Software des Fahrzeugs zugreifen können.

BMW kündigt an, immer mehr Funktionen per Abonnement anzubieten und dabei diverse Dinge aus der Smartphone-Welt abzugucken. Tatsächlich soll es bald möglich sein, neue Funktionen erst einmal für einen Testzeitraum kostenlos zu probieren, um im Anschluss den jeweiligen Dienst für ein oder drei Jahre buchen zu können.

Nachbuchen, als sei es ein Neuwagen – Werbung inklusive

BMW stellt für die Umsetzung die Hard- und Software im Fahrzeug ab Werk zur Verfügung, um diese später nach Bedarf und nach den Kundenwünschen anpassen zu können. Wurden Fahrzeugfunktionen beispielsweise beim Kauf noch nicht benötigt, lassen sich diese nachträglich hinzubuchen. Ein Zweitbesitzer hat damit auch die Möglichkeit das gebrauchte Fahrzeug nach eigenen Wünschen zu konfigurieren, als sei es ein Neuwagen.

BMW lässt durchblicken, dass man den Käufern gerne auch im nachhinein buchbare Funktionen schmackhaft machen möchte. Ich würde das als Werbung verstehen, nur eben ausschließlich für die Produkte/Funktionen von BMW. Oder irgendwann sogar mehr? „Direkt im Fahrzeug können BMW Kunden situationsbezogen maßgeschneiderte Dienstleistungen angeboten werden – sofern vom Fahrer gewünscht.“

Ein Beispiel meiner Fantasie: Das Fahrzeug stellt fest, dass der Fahrer häufiger auf einem Untergrund oder in einer Gegend unterwegs ist, für welches eine weitere Fahrwerkseinstellung geeignet wäre. Zack, landet die Empfehlung mit Abopreis und Testzeitraum auf dem Infotainment.

Wie weit kann man gehen?

Funktionen wie Sitzheizung oder DAB-Radio sind in meinen Augen heute Standard, sollten sie zumindest in einer gewissen Preisklasse sein. Aber es scheint darauf hinauszulaufen, dass wir zukünftig Autos im fertigen Zustand kaufen, nur noch Farbe, Felge und Motorisierung wählen, die meisten restlichen Funktionen aber erst später nach Bedarf freischalten. Spannend ist für mich dabei, ob im Zuge dessen die Grundpreise der Fahrzeuge günstiger werden.

Warum überhaupt? Abseits der vereinfachten Produktion ist es den Herstellern über diesen Weg möglich, später auch an Gebrauchtfahrzeugen weiterhin zu verdienen. Verkaufe ich heute mein Auto, hat der Hersteller davon nichts. Zukünftig aber vielleicht schon, weil der nächste Besitzer neue Abonnements für Funktionen abschließt, auf welche ich die Jahre zuvor verzichtet hatte.

Denny Fischer

Gründer Smartdroid.de, bloggt seit 2008 täglich über Smartphones, Android und ähnliche Themen.

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