Meine Frau und ich haben eine durchaus kuriose Geschichte zu erzählen, die auch mich als „Profi“ überraschen konnte. Über eine Privatperson haben wir Apple AirPods Pro gekauft, die sich erst deutlich später als eine waschechte Fälschung herausgestellt haben. Tatsächlich musste ein häufig aufgetretener Verbindungsfehler dafür sorgen, dass wir uns die gekauften AirPods näher anschauten und somit der Fälschung auf die Schliche gekommen sind.

Einleitend der aktuelle Stand der „Ermittlungen“: Die verkaufende Person wusste angeblich ebenfalls nichts und wir rennen jetzt unserem Geld hinterher. Gekauft hat meine Frau die AirPods über ein seriöses Verkaufsportal. Sie waren eingeschweißt und lagen preislich etwas unter dem Neupreis der üblichen Händler. Ein guter privater Deal, haben wir uns gedacht. Die gekauften AirPods sind derart gut gefälscht, dass man schon genau hinschauen muss. Demnächst werden wir eventuell mit einem Anwalt reden.

Fälschung eher von außen als von innen erkennbar

Im Nachhinein bin ich schlauer. Mir hätten durchaus ein paar Details auffallen können. Aber ich habe mir die AirPods auch nicht so genau angeschaut, weil sie eben auf Anhieb ganz normal funktionierten. Die erste Auffälligkeit ist tatsächlich bereits die Plastik der Verpackung, die im Original extrem fein geschweißt ist. Man sieht keine offensichtliche Schweißnaht und es gibt eine Lasche zum Aufziehen. Bei der Fälschung ist das anders. Wäre mir das vorher bewusst gewesen, hätten wir die Fälschung nicht mal ausgepackt.

Die Verpackung wirkt äußerlich sehr hochwertig. Das gedruckte Produktbild wirkt leicht erhaben wie beim Original. Selbst die Aufkleber sind dem Original sehr gut nachempfunden. Aber auch hier gibt es ein Detail, auf das man im Normalfall nicht schaut. Tatsächlich sind die Hinweise zur Kompatibilität zwar halbwegs ordentlich abgetippt, doch hinter den Kommas fehlen die Leerzeichen. Seriennummern, Herstelldatum und Modellnummern sind hingegen korrekt.

Aber ganz ehrlich, wer guckt sich diese Aufkleber an?

Und wenn ich mir das „Designed by Apple in California“ auf dem Booklet anschaue, ist da sogar ein Leerzeichen zu viel. Zu viel ist auch die Plastik in der Verpackung. Das Teil, worin das Case liegt, ist im Original aus Pappe. Die Fälschung setzt hingegen auf Plastik. Die beiliegende Anleitung ist dem Original gut nachempfunden, die Druckqualität stimmt. Nur auf Seite 3 ist einmal von AilPods statt AirPods die Rede. Wie ich erwähnte, es sind die Details.

Hardware scheint zum größeren Teil echt zu sein

Man kann nicht ohne Weiteres die gefälschte Hardware vom Original unterscheiden. Was wohl auch daran liegt, dass die Fälscher sogar auf das Original setzen, nur eben auf aussortierte Ware. Diese Vermutung habe ich, weil sich die AirPods Pro wirklich als solche am iPhone authentifizieren und Funktionen wie die Geräuschunterdrückung anbieten. Es gibt einige übereinstimmende Berichte zu diesen Fälschungen. Es handelt sich sehr wahrscheinlich um aussortierte und teilweise defekte Ware von Apple. Geklaut oder wie auch immer besorgt.

Das Case wirkt weitestgehend echt. Erst im direkten Vergleich erkennt man einen leicht anderen Farbton, der Deckel sitzt beim Original fester und die LED ist nicht tief in einem „Loch“. Wireless-Charging funktioniert bei der Fälschung genauso wie beim Original, die Ohrstöpsel sind gleich und sogar der Klang war vorerst nicht weiter auffällig. Ein Unterschied ist der Wechsel der Gummiaufsätze, der beim Original viel sanfter von der Hand geht.

Grundsätzlich muss man sagen, dass die Hardware gut funktioniert. Die Fälschung hat einen wirklich guten Klang und auch sonst ist die Hardware vom Original fast nicht zu unterscheiden.

Warum haben wir die Fälschung irgendwann doch erkannt?

Kurioserweise sind Verbindungsprobleme mit dem iPhone aufgetreten, jedoch nicht mit dem Google Pixel 5. Also haben wir irgendwann das iPhone zurückgesetzt, was nicht geholfen hat. Wir haben die Firmware probiert zu aktualisieren, doch nichts hat sich getan. Schlussendlich wollten wir mit Apple in Kontakt treten, aber die Seriennummer wurde abgelehnt. Sie gehört zu ausgetauschten Geräten. Da wurden wir stutzig, haben nachgeforscht und die erwähnten Punkte herausgefunden.

Nicht nur die Seriennummer scheint ein Original, die nie im Verkauf landete. Auch die installierte Firmware hat es nie auf ausgelieferten Geräten gegeben. Sie scheint zwar echt zu sein, war allerdings nie für Endkunden bestimmt. Somit haben sich die falschen AirPods zwar am iPhone als Original ausgeben können, ließen sich aber nicht aktualisieren. Und so sind wir im Zuge weiterer Recherchen auf die zahlreichen Details aufmerksam geworden, die die Fälschung schon von außen entlarven.

Ich bin mir sicher: Wer solche Geräte nicht ständig auspackt oder vielleicht noch nie AirPods hatte, wird diese Fälschung auch nicht sofort als solche enttarnen. Viele der Fehler sind dort zu finden, wo man nicht sofort oder vielleicht sogar nie hinschaut. Ich konnte Berichte über Fälschungen finden, die sogar bei Händlern gelandet sind und von dort aus den Verkauf gingen.

Denny Fischer

Gründer und amtierender Chef von SmartDroid.de, bloggt hier und nur hier seit 2008. Alle Anfragen an mich, in den Kommentaren oder über die verlinkten Netzwerke.

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3 Kommentare

  1. Hallo Denny, ich hätte eine Frage zu den Bildern, könntest du mich bitte einmal kontaktieren. Ich bin die Leiterin der Schweizer Plattform gegen Fälschung und Piraterie und schätzen dein Engagement und deine Beiträge sehr.

  2. Wahrscheinlich ist der Artikel auch gefälscht: da steht zweimal „die Plastik“ (= Figur), statt „das Plastik“ (= Kunststoff) … 😜

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