Eine kontroverse Neuerung bahnt sich bei YouTube an, denn die Plattform will die konkrete Anzahl von Dislikes künftig verstecken.

Es ist jetzt schon mehr als zwölf Jahre her, dass YouTube sein Bewertungssystem von Grund auf umgestellt hat. Manche mögen sich nämlich noch daran erinnern, dass es bei Googles Video-Plattform nicht immer den Daumen nach oben und den Daumen nach unten gab. Zuvor waren Bewertungen anhand von einem bis fünf Sternen möglich, etwa so, wie wir es heute noch von Amazon kennen.

Das Ding ist: Die wenigsten Leute können ihre eigene Meinung zu einem Inhalt gut genug einschätzen, also ob es jetzt zwei, drei oder vier Sterne verdient. Deshalb waren ein und fünf Sterne die am häufigsten verwendeten Bewertungen, was sich ja genauso gut mit den Daumen umsetzen lässt.

Experimente hätten gezeigt: Dislike-Button wird missbraucht

Jetzt hat YouTube den nächsten Einschnitt ins Bewertungssystem angekündigt. Zwar würde der Dislike-Button, also der Daumen nach unten, bestehen bleiben, allerdings verschwindet die Anzahl der insgesamt gegebenen Dislikes. Dazu hatte man in der Vergangenheit bereits einige Experimente mit einer kleinen Nutzergruppe, jetzt führt man die Neuerung schrittweise aber für alle Menschen ein, die YouTube besuchen.

Im Rahmen dieses Experiments konnten die Betrachter den Dislike-Button weiterhin sehen und verwenden. Da der Zähler jedoch nicht sichtbar war, stellten wir fest, dass die Wahrscheinlichkeit geringer war, dass sie den Dislike-Button eines Videos ansteuerten, um den Zähler in die Höhe zu treiben. Kurz gesagt, unsere Versuchsdaten zeigten einen Rückgang des Angriffsverhaltens auf den Dislike-Button. Wir haben auch direkt von kleineren Creatorn und solchen, die gerade erst anfangen, gehört, dass sie auf unfaire Weise von diesem Verhalten betroffen sind – und unser Experiment hat bestätigt, dass dies auf kleineren Kanälen zu einem höheren Anteil der Fall ist.

Dislikes bleiben für YouTuber sichtbar

Für YouTuber bleibe die Anzahl der Dislikes im YouTube Studio allerdings noch sichtbar, damit diese einen Anhaltspunkt haben, wie das jeweilige Video bei den Zuschauern angekommen ist. Auch für Nutzer ist der Dislike-Button ein wichtiges Werkzeug, um den Vorschlag-Algorithmus zu trainieren.

Mir ist ehrlich gesagt nicht ganz klar: Betrifft das nun auch die Leiste, die visuell dabei unterstützt, wie sehr ein Video gemocht wird oder nicht? In den mobilen Apps ist sie ja nicht verfügbar, aber am Desktop schon. Diesen Screenshot hatte man zuvor mal geteilt:

Bild: YouTube

Ironischerweise ist das Video, in dem diese Neuerung angekündigt wurde, besonders häufig mit einem Daumen nach unten versehen worden. In den Kommentaren ist zum Beispiel von „Zensur“ die Rede. Auch würde man ja noch immer Hasskommentare schreiben, Videos fälschlicherweise melden oder massenweise Inhalte disliken können – das eigentliche Problem sei also nicht gelöst.

Was haltet ihr von dem Update – und glaubt ihr, dass YouTube diesen Weg wirklich bis zum Ende gehen oder auf das deutliche Feedback der Community reagieren wird? 

Dieses Chrome-Plugin ist Gold wert

An der Stelle möchte ich euch auch noch ein Chrome-Plugin empfehlen, das in meinen Augen eigentlich zu den Standardfunktionen von YouTube gehören sollte. Mit diesem wisst ihr nämlich schon vor dem Klick, wie das Verhältnis zwischen Likes und Dislikes ist.

 

Jonathan Kemper

Studiert Technikjournalismus, bloggt über Smartphones, Apps und Gadgets, seit 2018 mit regelmäßigen News und ausführlichen Testberichten bei SmartDroid.de an Bord.

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1 Kommentar

  1. Die Funktion wird nur deshalb geändert, um Politik & Werbepartner vor Kritik zu schützen. Nicht mehr und nicht weniger.

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