Huawei hat sein HarmonyOS in einer mehr oder weniger fertigen Version 2.0 vorgestellt und für Smartphones sowie Tablets erstmals vollständig gezeigt. Auf den ersten Blick gibt es nicht wahnsinnig viel zu entdecken. Die grundlegende Benutzeroberfläche erinnert mal etwas mehr an Android, mal etwas mehr an iOS. Aber immer mit einem von EMUI gewohnten Look. Viel entscheidender sind auch eher ein paar andere Punkte.

HarmonyOS ist ein in sich „geschlossenes“ Ökosystem. Davon profitiert der Nutzer nur dann, wenn er wirklich in allen Bereichen auf Geräte mit HarmonyOS wechselt. Die Verbindung zwischen Fernseher, Smartwatch, Smartphone und anderen Geräten ist nahtlos und rasend schnell, verspricht der chinesische Hersteller. Das ist ein Vorteil gegenüber eher langsamen Standards wie Google Cast, wenn es um die Interaktion mit mehreren Geräten geht.

„Mit HarmonyOS lassen sich Apps beliebig zwischen verschiedenen Geräten hin- und herschieben, ohne sie auf jedem einzelnen Gerät installieren zu müssen: alle Funktionen und Dienste sind somit immer und überall auf jedem verbundenen Gerät synchron verfügbar. Gamer verschieben so laufende Spiele – ohne Unterbrechung – ganz einfach per Wisch auf ihr HUAWEI MatePad Pro 12.6 oder den Fernseher.“

Die verfügbare Leistung von HarmonyOS sei Android und EMUI überlegen. Dabei bleibt die Basis trotzdem Android. Man schreibt etwa bei The Verge in einem ersten Erfahrungsbericht, dass HarmonyOS in vielen Bereichen sehr stark an das gewohnte Android erinnert.

Huawei möchte Android totschweigen

Android Authority beschrieb HarmonyOS mit weniger Wohlwollen als „Android 10 mit leichtem Rebranding“. Interessant dabei ist, dass man selbst auf Nachfrage nicht konkret antwortet, wenn es um Android geht und was eigentlich mit dem Kernel des neuen Betriebssystems ist. Huawei hatte hierzu seit 2019 große Versprechungen gemacht, konnte diese aber nie unter Beweis stellen. Dafür, dass HarmonyOS keine Kopie von Android und iOS sein soll, sieht die Software auf den neuen MatePads allerdings brutal nach Kopie beider Konkurrenten aus.

Huawei möchte alte Geräte auf HarmonyOS aktualisieren, wozu die letzten Geräte von Mate und P gehören, die ohnehin keine Google-Dienste an Bord hatten. Dieses kinderleichte Upgrade bestätigt umso mehr, dass Harmony OS an der Basis einfach nur ein Android ist, vergleichbar mit dem Fire OS von Amazon.

HarmonyOS ist nicht gleich HarmonyOS

Um die Frage des Titels zu beantworten, liegt die Wahrheit in der Mitte. Huawei macht sich lächerlich mit den Behauptungen, dass HarmonyOS ein eigenständiges und völlig neues Betriebssystem sei. Andererseits ist es schlau, die Gegebenheiten des offenen Androids zu nutzen, um eben nicht jeden Baustein komplett neu entwickeln zu müssen. Unabhängig davon dürfte in den westlichen Märkten nicht viel gehen. Für App-Entwickler es kaum Gründe, neben Android und iOS ein weiteres Betriebssystem bzw. Ökosystem zu bedienen.

Abschließend muss man noch erwähnen, dass die für Smartwatches und IoT geeignete Variante auf dem eigenen LiteOS basiert, während auf Smartphones und Tablets die Android-Variante zum Einsatz kommt. Maximal verwirrend, weil man zwar Android-Apps auf HarmonyOS-Smartphones wie dem kommenden Huawei P50 nutzen kann, jedoch nicht auf Smartwatches wie der Huawei Watch 3.

Denny Fischer

Gründer und amtierender Chef von SmartDroid.de, bloggt hier und nur hier seit 2008. Alle Anfragen an mich, in den Kommentaren oder über die verlinkten Netzwerke.

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7 Kommentare

    1. Und das ist auch gut so, meine verehrten Damen und Herren!

      Weg mit diesem peinlichen und stümperhaften CopyCat-Rümpel samt RenameOS. Regalblei mit Ansage !!!

  1. hoffentlich gehen die damit endlich unter.

    huawei war vorher schon immer software Müll.

  2. Ich finde das etwas andere Android hat einen vorteil, man hat endlich nur ein Backup Programm, Email usw, das vers hafft mehr Übersichtlichkeit, und vieles von Google ist wohl auch grosser Mist.Und vielleicht gelingt es endlich Mal damit nicht immer alle Jahre ein neue Version rauszubringen sondern viele Sicherheitsupates die die Hardware länger brauchbar. machen.

    1. Wie viele Programme eines Typs jeder nutzt, ist doch jedem selbst überlassen!? Wird auch bei Harmony nicht anders sein!
      Und an dem Updateproblem wird bei Google ja auch gearbeitet und damit sind die auch schon sehr weit!
      Klar kann man sagen, dass das zu lange gedauert hat und Huawei in dem Punkt ja wesentlich besser handelt, aber die haben einfach nur den Vorteil, dass dieses Problem bei Start ihrer Entwicklung schon bekannt war!

      Wenn der Dreck genauso „flüssig“ läuft, wie es mein Huawei (das ich nach 3 Monaten ersetzt habe) tat, dann allen Nutzern viel Spaß dabei, ständig beim Ruckeln und Abstürzen zuzugzucken.

    2. Du glaubst nicht wirklich, dass Huawei Geräte deutlich länger unterstützt oder? Die wollen und müssen damit Geld verdienen, und das wird nichts wenn man Geräte mehr als 5 Jahre mit neuen Versionen unterstützt.

      1. Kleiner Tipp: Es gibt da eine Firma, die sichert ihren Smartphones und Tablets fünf bis sechs Jahre Update-Support zu und hat sogar das eigene OS von Grund auf (OK, die Basis war vor unzähligen Jahren BSD-Unix und hat auch schon eine lange Desktop-Vorgeschichte) selbst entwickelt. Die verdienen mit dieser Politik nicht nur Geld, die verdienen in der ganzen Branche auch am meisten.

        Was sich aber ausschließt ist „Billig Billig!“ und Support. Das hat Huawei bis heute nicht verstanden.

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