Keine Lust mehr auf die etablierten Lösungen? Nach Apples iPad-Vorbild haben diese Entwickler ein Linux-System für Tablets gebaut.

Zwar gibt es neben Apples Betriebssystem dank Android und vor allem Windows bei Tablets zumindest mehr ernsthafte Auswahl als in der Smartphone-Welt. Die jüngsten Zahlen haben aber wieder gezeigt, wie fest Apples Platz an der Spitze verankert ist. Auf Basis von Linux strebt jetzt eine neue Software nach oben, die nicht nur auf einer (noch sehr kleinen) Auswahl an Geräten verfügbar ist, sondern auch irgendwann mit einem eigenen Tablet erscheinen soll. Unterstützt werden zum Beispiel das Microsoft Surface Pro 6, das Huawei Matebook 14 oder das Crowdfunding-Tablet Eve V.

iPadOS auf Linux-Basis: Kein Geheimnis um die Inspiration

Als „welterste iPadOS-Style Linux-Distribution“ bewerben die Entwickler JingOS, das derzeit in Version 0.6 zum kostenfreien Download bereitsteht, und verheimlichen damit in keinster Weise, woran sie sich gerade optisch orientiert haben. Da wären einerseits der Icon-Stil, andererseits aber auch die Schnelleinstellungen, die sich hereinwischen lassen. Links findet ihr außerdem ein Benachrichtigungs-Center – das kommt einem alles bekannt vor. Auch die Gestaltung der Anwendungen ist nach Apples Vorbild gehalten. Multitouch- und Trackpad-Gesten sind außerdem an Bord.

Vorinstalliert sind grundlegende Anwendungen wie ein Kalender, Timer, Dateiexplorer, ein Medienplayer und ein Taschenrechner. Allerdings handele es sich bei JingOS um ein voll funktionsfähiges Linux auf Ubuntu-Basis, das dementsprechend Desktop-Programme wie Visual Studio Code oder Libre Office ausführen könnte.

JingPad: Das ist aktuell für die Hardware geplant

Wie der Stand der aktuellen Entwicklung ist, teilen die Macher in ihrem Reddit-Forum /r/JingOS. Dort gibt es auch Informationen über das erwähnte Tablet, das sie wohl irgendwann bauen wollen. Demnach hat das „JingPad“ ein Display mit 11-Zoll-Diagonale, 4:3-Seitenverhältnis und eine Auflösung von 2.176 x 2.100 Pixeln. Als CPU soll ein UniSoc Tiger T7510 mit vier Cortex-A75-Kernen bei 2 GHz und vier Cortex-A55-Kernen bei 1,8 GHz zum Einsatz kommen. Für die GPU ist eine IMG PowerVR GM 9446 vorgesehen.

Der Akku hat nach aktuellem Stand der Entwicklung eine Kapazität von 7.300 mAh und kann mit 66 Watt Power-Delivery über USB-C aufgeladen werden. Speichermäßig sind 6 GB RAM und 128 GB Speicher verbaut. Ein 4G-Modul rundet das Paket ab. Full-Size-USB scheint nicht auf dem Datenblatt zu stehen.

Zwar handelt es sich nicht um ein ausgerufenes Community-Tablet wie bei den Kollegen von Eve, dennoch nehmen sie Anregungen von Fans mit in die Planung auf. So wurden zum Beispiel verständlicherweise Rufe nach einem 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss laut.

In der Vergangenheit hat man immer wieder alternative Hard- und Software zu den etablierten Lösungen gesehen, häufig wurden aber leider keine ernsthafte Optionen daraus. Letztendlich dürfte es irgendwann auf eine Crowdfunding-Kampagne hinauslaufen, die über die Umsetzung (oder eben nicht) entscheidet. Wenn es hier funktioniert, wäre ich jedenfalls nicht ganz unglücklich. Meint ihr, das Projekt hat eine Chance?

(via)

Jonathan Kemper

Studiert Technikjournalismus, bloggt über Smartphones, Apps und Gadgets, seit 2018 mit regelmäßigen News und ausführlichen Testberichten bei SmartDroid.de an Bord.

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7 Kommentare

  1. Und wenn man selbst so gar keine Ideen hat, baut man halt eine „welterste iPadOS-Style Linux-Distribution“.

    Meine Güte, gibt es in der Linux-Szene eigentlich niemanden, der Ideen für ein eigenes GUi-Konzept hat? Sehen die allermeisten Linux-Distributionen schon aus, wie Windows 7 auf Droge, so ist dies hier die wohl dreisteste iPad OS-Kopie aller Zeiten. Aber man kann ja zusätzlich noch Desktop-Apps, wie Visual Studio Code oder Libre Office ausführen, was unangepasst auf einem Tablet unglaublich viel Spaß machen dürfte. Und ganz sicher haben die Entwickler einem Ubuntu-Linux auch mal so eben das komplexe Power-Management von ARM-SoCs beibringen können…

    Zu Deiner abschließenden Frage: Die Idee hat sicherlich Chancen bei Bastlern und Hardcore-Linux-Freaks. Wie so viele andere Versuche wird es aber wohl kaum über den Projekt-Status hinaus kommen. Das auch deshalb nicht, weil es da ja noch diese kleine, unbedeutende Obstfirma in Cupertino gibt, die mit Plagiaten nicht ganz so locker umgeht, wie es der geneigte chinesische „Entwickler“ gerne hätte.

  2. Es wird ja einfach keine Apps geben und bisher gibt es zu wenig Hersteller die aus ihren Programmen WebApps machen.

    1. Wie geschrieben, es kann wohl die ganzen Ubuntu-Programme ausführen, das finde ich nicht ganz umspannend.

  3. Was für eine einfallslose und überflüssige iPadOS Kopie. Schade um die Zeit, die in diese Entwicklung geflossen sind.
    Trotzdem herzlichen Dank für den Artikel.

    1. Da nich für! Aber könntest du deine Kritik vielleicht etwas weiter ausführen? Das iPad ist ja nicht ohne Grund so erfolgreich. Was spricht dagegen, etwas Funktionierendes nachzubauen anstatt das Rad neu erfinden zu wollen und damit gegen die Wand zu fahren?

      1. Das Problem ist, das man sich angreifbar macht, indem man Apple kopiert. Dann kommen die Anwälte raus und das Projekt muss eingestellt werden. Grundsätzlich hab ich auch nichts gegen funktionierende Konzepte und das kopiert wird auch nicht. Man muss das Wasserkochen ja nicht ständig neu erfinden…

        Das Problem ist die juristische Angreifbarkeit die sich das Projekt womöglich (unnötig) aussetzt.

        Wenn die Anwendungen wie Browser und LibreOffice und andere … ein passendes GUI bekommen, dann könnte es interessant werden, aber nicht für mich, da für mich das Tablekonzept nicht passt. Ich brauch es einfach nicht. Heißt aber nicht das ich es auch nicht ausprobiert habe…

  4. >Demnach hat das „JingPad“ ein Display mit 11-Zoll-Diagonale, 4:3-Seitenverhältnis und eine Auflösung von 2.176 x 2.100 Pixeln.

    Oh, das Tablet wird nichtquadratische Pixel erhalten?!? Na das dürfte ja mal was geben, bei einem Gerät, welches gerne in beiden Ausrichtung benutzt wird…

    >Letztendlich dürfte es irgendwann auf eine Crowdfunding-Kampagne hinauslaufen,

    Klare Masche: frisiere irgend ein Linux als iOS-Lookalike, rufe laut „Apple“ und hoffe darauf, dass dir Geld zugeworfen wird. Wie immer wird es zumindest einige bekloppte geben, die da drauf reinfallen. Und hinterher wird heuli gemacht…

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