Kinderarbeit für unsere Smartphones

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Längst ist Kinderarbeit im Kongo und anderen afrikanischen Staaten auch bei uns kein Geheimnis mehr, doch vermutlich wird das Thema gerade in der heutigen Zeit noch immer zu wenig beleuchtet. Politisch will ich hier gar nicht werden, doch man sollte eben auch beim Thema „Wirtschaftsflüchtling“ tiefer hinter die Kulissen schauen. Ein Wirtschaftsflüchtling muss kein gut ausgebildeter, erwachsener Mann sein, ein Wirtschaftsflüchtling kann unter Umständen auch ein ehemaliger Minenarbeiter sein, der in seiner Kindheit gearbeitet statt gespielt hat.

Richtig gelesen. Kinder arbeiten in Afrika in Minen, um unter anderem die Rohstoffe abzubauen, die wir für unsere Luxus-Produkte benötigen. Ein Smartphone mag für uns inzwischen alltäglich sein, trotzdem sehe ich eine Investition von oftmals mehreren Hundert Euro durchaus als Luxus an. Das sollte übrigens jeder tun, denn wie so oft leiden andere Menschen für unseren Luxus. Zum Beispiel durch sogenannte Konfliktrohstoffe.

Dieses kurze Video von Sky News ist kein künstlich entstandener Film, er zeigt Ausschnitte aus dem Leben eines Kindes weit weg von unseren Kulturen. Abgebaut wird in solchen Minen unter anderem Kobalt, das wiederum in Akkus für Smartphones, Tablets usw. zum Einsatz kommt. Der Bedarf ist selbstverständlich riesengroß, die Arbeitsbedingungen für den Abbau des Rohstoffs im gleichen Maße katastrophal – selbst für erwachsene Menschen.

Der enorme Bedarf an diesen Rohstoffen hat über Jahre oder sogar Jahrzehnte dafür gesorgt, dass Lieferketten teilweise unfassbar undurchsichtig sind. Es ist schwer für einen Konzern wie Apple (nur ein Beispiel vieler) nachzuvollziehen, woher die Rohstoffe für die eigenen Endgeräte tatsächlich kommen. Man versucht derartige Minen zu umgehen und nur noch streng kontrollierte Minen als Quellen „anzuzapfen“, doch offensichtlich gelingt das bis heute nicht komplett. Auch weil es nur schwer nachvollziehbar ist, ob eine „saubere Mine“ nicht doch billig aus Klinfliktminen zukauft.

Und so darf es auch einfach nicht sein, dass wir einen Wirtschaftsflüchtling grundsätzlich anders als einen Kriegsflüchtling behandeln. Oder wer würde aus so einer Welt nicht einfach wegrennen wollen, wenn er schon als Kleinkind jeden Tag gezwungen wird, im übelsten Dreck zu arbeiten? Wir wollen ja schließlich immer den größten Fernseher, das neuste Smartphone und das schnellste Auto – wofür eben jene Kinder Tag für Tag Cobalt und andere Rohstoffe abbauen MÜSSEN.

[via Benno, Utopia]

  • Jérôme Willing

    Guter Artikel, wird meiner Meinung nach viel zu selten thematisiert.

  • Regloh

    Guter Artikel, dürfte meiner wegen auch auf solch einer Techseite aber gerne tiefer gehen.
    Und – es gibt wohl nur sehr wenige Wirtschaftsflüchtlinge. Es gibt Armut und Hunger Flüchtlinge, vor der Wirtschaft flüchten nur die wenigsten.

    • Naja, sie sind arm und hungrig weil die Wirtschaft am Arsch ist. Passt für mich schon in den Überbegriff Wirtschaftsflüchtling. Ist aber letztlich auch egal, es geht ja schlussendlich nicht darum, nur eine passende Bezeichnung zu finden.

      • Regloh

        Das stimmt natürlich.
        Aber für viele die nicht weiter nachdenken ist dieser Begriff verharmlosend. Nach dem Motto, „oh, es geht ihnen nicht so gut. Aber deswegen müssen sie ja nicht gleich flüchten.“
        Von daher bevorzuge ich die Wahl klarer und deutlicher Bezeichnungen. Ich habe eine ziemlich große Kneipe/Restaurant, was man da so alles zu hören bekommt, kann einem schon die Wichtigkeit klarer Kante vor Augen führen. Auch wenn das einigen nicht gefällt und sie dann eventuell nicht wiederkommen.