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Kommentar: Pompöse Events für Smartphones sind nicht mehr zeitgemäß

Denny Fischer

Veröffentlicht

am

Sundar Pichai

Es gibt einige Gründe, warum wir selten auf Smartphone-Events anzutreffen sind. Vor wenigen Tagen sorgte ein Kollege durchaus für Aufsehen. „Alexi Bexi“ hat gemeinsam mit anderen Leuten der Branche in einem Video ausführlich darüber gesprochen, warum pompöse Smartphone-Events heute nicht mehr unbedingt zeitgemäß und trotzdem manchmal noch notwendig sind. Was ich im Grunde schon seit einiger Zeit so empfinde, auch weil die Veranstaltungen immer größer, teurer und aufwendiger werden.

Keineswegs will ich mit Vorwürfen um mich werfen, sondern eher über ein paar Details reden. Grundsätzlich werden die meisten Events in unserer Branche bezahlt. Wir werden allerdings nicht für unsere Arbeit entlohnt, sondern Anreise, Hotel und Restaurants werden weitestgehend durch die Hersteller beglichen. Wobei das bei jeder Veranstaltung etwas unterschiedlich aussehen kann. Oftmals lohnt sich der zeitliche Aufwand nicht dafür, was wir letztlich von so einem Event effektiv zurückbekommen.

Events fressen Zeit ohne Ende

Oftmals fährst du auf ein Event, guckst dir eine elend lange und für Profis meist wenig interessante Pressekonferenz an, um danach das Gerät im Worst Case nur kurz in einer Hands-on-Area anschauen zu können. Manchmal gibt es die Geräte direkt in die Hand, hin und wieder erst später per Post. Zum größten Teil bestehen diese Events heute aus Entertainment, der Hersteller will etwas bieten und sich damit positiv ins Gedächtnis brennen.

Ein weiteres Problem ist in diesem Zusammenhang, dass diese Events heute immer stärker vermischt werden. Ein großer Teil wird per Livestream übertragen, der Hersteller will den Endkunden direkt per YouTube ansprechen und zugleich die unabhängigen Medien vor Ort haben. Eine in meinen Augen schlechte Entwicklung der vergangenen Jahre, wodurch Pressekonferenzen nur noch umfangreicher geworden sind.

Wir haben diese Tech-Pressekonferenzen immer mal wieder mitgemacht. Um den ein oder anderen Kollegen zu treffen und um reichlich Spaß zu haben. Während die klassische Messe tagsüber noch eher etwas mit unserer Arbeit zu tun hat, drehen sich die einzelnen Events heute schon mehr um das Drumherum. Manchmal bekommt man sogar alle Informationen und Geräte vorab, sodass die eigentliche Pressekonferenz für uns völlig nutzlos ist.

Heute siegt bei mir eher die Vernunft. Während ich reise, kann ich nur schwer effektiv arbeiten, also kosten mich diese Reisen in erster Linie Arbeitszeit und unterm Strich natürlich Geld. Zudem ist eine solche Reise selten mit Entspannung verbunden, egal ob per Auto, Bus oder Bahn. Letzteres würde ich um jeden Preis meiden wollen, wenn ich die Berichte vieler Kollegen lese. Ich will nicht mehr ewig für ein einziges Gerät unterwegs sein, das in wenigen Monaten durch ein neues Modell ersetzt wird.

Ohne Show kein Testgerät

In den letzten Jahren habe ich jedenfalls nicht viele dieser Events besucht, später gab es kaum noch Einladungen. Logisch. Dahinter steckt ein System, das aus wirtschaftlicher Sicht absolut verständlich ist. Nur wer voll dabei ist, im besten Fall viel postet und auch noch ordentlich Reichweite mitbringt, wird auch entsprechend bevorzugt behandelt. Dabei wird das Gefühl vermittelt, dass du zu einem elitären und ausgewählten Kreis gehörst. Irgendwann spielt das aber keine Rolle mehr, zumindest für mich nicht.

Nicht nur deshalb müssen wir häufig auf Testgeräte lange Zeit warten, würden ohne Partner wie Cyberport teilweise nie welche bekommen oder müssten ständig darum betteln. Alternativ bliebe der Kauf neuer Geräte, was allerdings immer ein Verlustgeschäft darstellt. Testberichte waren allerdings nie mein Steckenpferd, auch deshalb ist das eben beschriebene Problem für mich persönlich kein echtes Problem. Nichtsdestotrotz eine schwierige Nummer, über die man diskutieren sollte.

Ich halte es teilweise für schwachsinnig, einen ganzen oder sogar mehrere Tage quer durch Europa zu reisen, nur um ein Testgerät „abzuholen“. Ohnehin kommen Testberichte erst Wochen später nach der Präsentation, nachdem wir die Geräte getestet und eben nicht nur ein paar Minuten angeguckt haben. Warum uns die Geräte nicht einfach direkt nach Hause bzw. ins Büro gesendet werden? Das frage ich mich schon länger. Jedenfalls passiert das zu selten.

Ich bin für weniger Aufwand

Denn das wäre deutlich effektiver für uns und den Hersteller. Vorher das NDA unterschreiben, Testgeräte verschicken und auf die Berichte warten. Den Herstellern würde das eine Menge an Kosten sparen, dafür fehlt aber das Netzwerken unter den zahlreichen Kollegen, der direkte Zugriff auf verantwortliche Personen der Hersteller und natürlich fehlen die zusätzliche Aufmerksamkeit erzeugenden Social-Media-Postings über die guten Steaks, das teure Hotel und das gut organisierte Event.

Ich hatte einige gute Events mit Huawei, Audi, 1&1 und diversen anderen Marken erleben dürfen, doch heute will ich lieber effektiv arbeiten und insbesondere die Zeit meines Lebens sinnvoll nutzen. Dabei muss man aber auch verstehen, dass bei mir Privatleben und Arbeit nahtlos ineinander übergehen, die aufgebrachte Zeit für solche Events fehlt mir daher für Arbeit und Privatleben gleichermaßen.

Es gibt natürlich auch andere spannende Standpunkte, da große Redaktionen anders als ich kleiner Pöbelblogger arbeiten. Zudem diverse neue Medien, wie ein Teil der Influencer, eher für die Darstellung und weniger für das eigentliche Produkt unterwegs sind. Letzeres geht natürlich besser in Paris oder Spanien, weniger in Buxtehude. Mehr dazu im bereits erwähnte Video der Kollegen:

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Jan

    21. Juni 2019 at 14:45

    100% Zustimmung!

    Ich frage mich schon lange, wieso es so unzählig viele Portale/Blogs gibt die noch immer auf die ausgelutschten Presse Events fahren..

    Richtige Keynotes jetzt mal aussen vorgelassen.

    • Denny Fischer

      Denny Fischer

      21. Juni 2019 at 15:26

      Wenn einer nicht fährt, macht’s halt ein anderer. Und es gibt immer mehr junge YouTuber, die das natürlich mitnehmen und das ist auch verständlich.

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