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Loupedeck+ im Test: Fotobearbeitung mit Lightroom und Co. zum Anfassen

Jonathan Kemper

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Es soll DIE für Fotografen und sonstige Medienanwender sein, sieht gut aus und ist nicht ganz billig: Natürlich habe ich da zu einem Testgerät nicht nein gesagt. Das Loupedeck+ ist schon die zweite Generation eines spannenden Konzepts, das die beliebtesten Bedienelemente aus der Fotobearbeitung auf ein eigenes „Brett“ packt. Ich habe ein bisschen gefühlt, gedreht und geknipst – und hier ist mein Testbericht.

Geschichte des Loupedecks: Erster Erfolg durch Crowdfunding

Nur rund ein halbes Jahr, nachdem der finnische Gründer Mikko Kesti sich in der Fotografie und die Bildbearbeitung mit Adobe Lightroom verloren hatte, stand die Idee zur ersten Version des Loupedecks. Nach Vorbild zahlreicher DJ-Mischpulte sollte auch das Loupedeck ein neuartiges Eingabegerät werden, die Effizienz bei der Bearbeitung von Fotos maximiert.

Die Idee kam ihm im Dezember 2013. Bis zum ersten Prototypen im Februar 2016 dauerte es nur rund zwei Jahre, im November folgte ein Crowdfunding, mit dessen Erfolg die fünf Teammitglieder vermutlich selbst nicht gerechnet haben. Die gewünschten 75.000 Euro wurden nämlich nicht nur innerhalb kürzester Zeit eingesammelt, sondern das Ziel sogar um das Vierfache übertroffen. Fast 1.500 Interessierte investierten über 350.000 Euro im Backing-Zeitraum.

Das zum Zeitpunkt des Crowdfundings aus fünf Männern bestehende Team speist sich übrigens zu mehr als der Hälfte aus ehemaligem Nokia-Personal. Genauer: Drei der Fünf waren an der Produktentwicklung von Smartphones wie dem . Den finnischen Ursprung kann auch das Loupedeck+ mit seinem minimalistischen, schwarzen Body, nur von wenigen Farbakzenten und größtenteils weißer Schrift unterbrochen, nicht verleugnen. Die überarbeitete zweite Version wirkt aber sogar noch ein Stück cleaner, aufgeräumter und durchdachter.

Seit Juni 2018 ist mit dem Loupedeck+ nämlich die zweite Version erhältlich, die einerseits mit einer ganzen Reihe mehr Programme als nur Lightroom kompatibel ist (z.B. Skylum Aurora HDR, Adobe Premiere, Adobe Audition, Final Cut Pro X), andererseits eine Reihe an Verbesserungen in puncto Bedienbarkeit und Verarbeitung verspricht:

  • Mechanische Tasten mit einem präziseren und robusteren Gefühl
  • Verbesserte Verarbeitungsqualität
  • Zwei individuell anpassbare Drehregler und 17 Tasten
  • Einen benutzerdefinierten Modus, der volle Kontrolle über alle Regler ermöglicht
  • Von Grund auf neue Konfigurationssoftware für noch bessere, schnellere und stabilere Fotobearbeitung

Verarbeitung & Haptik: Loupedeck+ bügelt Fehler aus, ist aber immer noch nicht perfekt

Mit Abmessungen von 39,5 x 15 x 4 Zentimetern nimmt das Loupedeck+ wortwörtlich keine überragenden Ausmaße an. Obwohl einiges an Luft zwischen den Reglern und Knöpfen liegt, wirkt es nicht so, als ob Platz verschwendet worden wäre. Stattdessen ermöglichen die Abstände, nach einiger Zeit Arbeitsabläufe blind vorzunehmen und sich von Knopf zu Knopf zu tasten, während der Blick auf das Foto und die unmittelbaren Anpassungen fixiert bleibt.

Das ist ein großer Vorteil gegenüber der Bearbeitung mit der Maus und lädt gerade fortgeschrittene Einsteiger, wie ich mich selbst bezeichnen würde, zum Ausprobieren ein. Wer genau weiß, an welchem Farbwert er wie viel ändern muss, hat an der Stelle vermutlich nicht viel gewonnen. Durch das relativ dünne Design ist das Loupedeck aber gerade für (Semi-)Profis dazu geeignet, es für kleinere Abenteuer einfach mal mitzunehmen.

Die großen Drehknöpfe reagieren schon auf die leiseste Bewegung und verstellen sich so schnell – hier hätte ein stufenweiser Widerstand vielleicht geholfen, um ungewollte Kontrast- oder Helligkeitsänderungen zu vermeiden. Klar, über den „Undo“-Button ist das Malheur schnell korrigiert, dennoch passieren ungewollte Dreher häufiger. Den Widerstand gibt es wiederum bei den Farbrädern, die so eine exakte Anpassung der Farbtöne ermöglichen. In ihrer Aufhängung haben die Räder etwas Spiel, dafür sind die Druckpunkte bei allen drehbaren Knöpfen solide. Das runde und dominierende „Control Dial“ auf der linken Seite des Loupedecks macht insgesamt den wertigsten Eindruck, wackelt allerdings ebenfalls etwas.

Schlau wiederum ist die Kabelführung auf der Unterseite gelöst, die sogar in zwei verschiedene Richtungen variabel ist. Eben ganz so, wie man es sich auf dem perfekt aufgeräumten Schreibtisch einrichten möchte (würde es euch etwas bringen…?)

Erste Schritte mit dem Loupedeck+: Die wichtigsten Funktionen in Lightroom Classic CC

Strategisch günstig platziert ist links oben der viel benötigte Undo-Button und die Redo-Funktion, gegenüberliegend auf der rechten Seite warten der Export-Knopf, Screen Mode und Before/After. Links unten finden sich die üblichen Control-Features, zum Beispiel dedizierte Tasten für Copy und Paste, sinnvoll zusammengedampft. Dabei haben sie teils auch mehrere Aufgaben, die sich durch die Fn-Taste nochmal potenzieren.

Auf Shift, Ctrl, Cmd, Alt und Tab sind farbige Striche zu finden, die erst auf den zweiten Blick ihren Sinn offenbaren. Einerseits bieten sie nämlich Abkürzungen zur Sternebewertung von 1 bis 5, andererseits lassen sich darüber einem Foto auch farbige Labels zuweisen. Die Zusammenhänge lassen sich zwar erschließen und sobald man es einmal im Workflow hat, vergisst man es kaum – intuitiv ist das Loupedeck+ aber nicht an jeder Stelle.

Eine Taste muss man leider vermissen, die man immer mal wieder gebrauchen könnte: Enter. Die sucht man vergebens und selbst das Belegen einer der zahlreichen Makros mit Enter durch die Loupedeck-Software scheint keine Wirkung zu zeigen. Die Loupedeck-Knöpfe funktionieren schließlich nur in Lightroom bzw. der Software direkt, nicht in der Windows-Oberfläche, die beim Bestätigen diverser Prompts häufig erscheint.

Wie genau welche Taste funktioniert und sich wie verknüpfen lässt, findet sich ziemlich übersichtlich auf dieser Webseite von Loupedeck selbst.

Software-Support: Leider kein Lightroom CC

Zum 26. Juni haben die Macher ein Update für das Loupedeck rausgelassen, das uns Support für Camera RAW in Adobe Photoshop beschert. Das mag Poweruser freuen, mein Werkzeug der Wahl – Lightroom CC – wird damit aber nicht glücklich. Wegen Beschränkungen in der API scheinen die Entwickler bislang keine Möglichkeit gehabt haben, das Loupedeck auch für die CC-Version zu porten. Wenn es soweit sei, würden sie jedoch Bescheid geben.

Abgesehen von Lightroom und Photoshop unterstützt das Loupedeck+ aber eine ganze Reihe an Software aller Arten: Final Cut Pro X, Adobe Premiere Pro CC, After Effects CC, Audition und Aurora HDR. Neben der Fotobearbeitung eignen sich vielen Eingabemöglichkeiten eben auch für Videoschnitt und Audio-Editing und verdeutlicht, was das Loupedeck letzendlich ist: Ein stark modifiziertes MIDI-Keyboard mit einem Layout, das direkt aus der Praxis stammt.

Loupedeck 3: Das wünschen wir uns vom Nachfolger

Während des Tests wuchs mir das Loupedeck wegen der zahlreichen Shortcuts ans Herz – immerhin ließ sich der Workflow so nach einiger Zeit schon beschleunigen. Aber irgendwann wich der Spaß ein kleines bisschen: Die ungenauen bzw. billigen Drehregler schränken das Loupedeck so ein, dass die Bedienung irgendwann unbefriedigend wurde. Zu häufig berührt man aus Versehen einen falschen Regler und muss vorsichtig zurück drehen, um wieder auf den vorherigen Wert zu kommen.

Und das wäre dann auch der größte Kritikpunkt: Warum wurde nicht ein kleines bisschen mehr in die Hardware investiert? Gute Potis (die Drehregler, die sich unter dem Plastik verstecken) kosten nicht viel mehr, machen in der Haptik aber direkt viel mehr her. Ein kleines bisschen mehr Widerstand, ein gerastertes Rad oder wie auch immer das Team es lösen möchte – alles ist besser als die derzeitige schwammige Bedienung. Dafür darf der Preis dann auch gerne um ein paar Euro steigen. So platziert sich das Loupedeck zwar ein wenig mehr im Profi-Segment, diese wären dann aber wenigstens mit der Bedienung zufriedener.

Die fehlende Enter-Taste und Unterstützung von weiteren Programmen sind softwareseitige Probleme. Hier muss man den Entwicklern erst einmal zugute halten, dass die Optimierung auf alle Programme sehr intuitiv und logisch geschah. Trotzdem möchte man natürlich eine eierlegende Wollmilchsau besitzen, die dann auch mit jedem Programm funktioniert.

Aber bei wem liegt die Schuld – hat Adobe die Nutzung von externen Spezialtastaturen verboten oder waren die Entwickler bisher einfach noch nicht in der Lage dazu, die Funktionen entsprechend zu porten? Der mitgelieferten Software würde ein „MIDI-Modus“ auf jeden Fall gut tun, in dem der Nutzer völlig frei in jeder Anwendung entscheiden kann, was welches Rad macht. Der Lock auf die Handvoll der oben erwähnten Programme ist für den Workflow zwar gut, zum Experimentieren allerdings eher ungeeignet.

Fazit: Für wen ist das Loupedeck+ gedacht?

Auch das Loupedeck+ ist immer noch keine Alternative zur Tastatur – sondern eine Ergänzung. Vor allem zur Maus, die man zum Beispiel bei häufiger Verwendung von Radial- oder Verlaufsfiltern immer zur Hand haben sollte. Seinen Workflow vollends auf das Loupedeck+ zu konzentrieren ist schwer bis unmöglich. Ein echter Meister in der Bedienung zu werden, dauert vermutlich ganz schön seine Zeit. Theoretisch könntet ihr euch nämlich einen Drehregler für die X- und einen für die Y-Achse zuweisen und damit den Cursor steuern, praktisch ist das doch recht hakelig und nur für die absoluten Profis sinnvoll.

Den leider noch immer recht hohen Preis von 239 Euro bei Amazon zahlt man nicht für ein hochwertig verarbeitetes Produkt, sondern für die Idee und die unabhängige Finanzierung. Und vielleicht ein nützliches Werkzeug, Einsteigern ein besseres Verständnis der Software durch haptische Eingaben ermöglicht oder sogar Fortgeschrittenen hilft, einen neuen Ansatz zu finden.

Ich danke Loupedeck außerordentlich herzlich für die Bereitstellung eines Testexemplars und die Geduld, weil ich mit dem Bericht ein bisschen getrödelt habe!

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