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Auto & Fortbewegung

MMI Navigation Plus mit Audi Connect, Google Earth, Facebook und Co. im Alltagstest

Denny Fischer

Veröffentlicht

am

Im letzten Jahr gab es von uns bereits mehrere Berichte über das aktuelle Audi Connect bzw. MMI, das mit dem neuen Audi A3 noch weiter ausgebaut und in den Markt eingeführt wurde. Nach ein wenig Wartezeit hatte ich nun das besagte Fahrzeug im Test und konnte endlich auch die neuen Audi Connect-Dienste in aller Ausführlichkeit im Alltagseinsatz testen. Dabei hatte ich das komplette Paket MMI Navigation Plus, also ein 7 Zoll Display im Armaturenbrett und die Hardware-Plattform samt Slot für eine SIM und zwei Speicherkarten im Handschuhfach.

Als jemand der täglich über Smartphones und Tablets schreibt, weiß ich natürlich, was theoretisch auch in so einem System in Autos alles möglich wäre. Meine Ansprüche sind daher aber auch sicherlich andere, als die eines Otto-Normal-Käufers eines solchen Autos. Doch mobile Technologien gehören meines Erachtens auch schon seit Jahren in Autos, die unsere Mobilität wie kein anderer alltäglicher Gegenstand ausstrahlen.

Die Hardware

In den letzten Jahren hatte ich schon viel gesehen, was Displays in Autos anbelangt, in der Regel war ich meist enttäuscht. An die Premium-Klasse aber sollte man natürlich nicht nur hohe Erwartungen haben, sondern diese auch erfüllt bekommen. Und da hat Audi alles richtig gemacht, denn das 7 Zoll Display des MMIs kann überzeugen. Die Farben sind gut, die Auflösung ausreichend hoch und die matte Oberfläche sorgt für ein Bild, das auch bei sehr starkem Sonnenlicht eigentlich immer gleich gut ist.

Die Unterbringung als ausfahrbare Anzeige im Armaturenbrett empfinde ich nicht nur hübscher als bei den meisten Autos, die das Display wie Radios früher mitten in der Mittelkonsole neben dem Lenkrad verbaut haben, sondern das Display ist auch für mehr Aufmerksamkeit auf den Straßenverkehr in der richtigen Höhe angebracht. Man hat den Blick immer auf den Verkehr und für die Straße, da man beim Blick auf das Display eben nicht den Kopf oder die Augen absenken muss. Natürlich kommt auch noch so ein gewisser Coolness-Faktor hinzu, wenn das Display ein- und ausfährt.

Weitere Highlights sind eher verborgen. So sind im Handschuhfach für Musik, Videos und Fotos zwei SD-Kartenslots verbaut. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit sein Smartphone, USB-Stick oder iPhone mit Adapter-Kabeln an den Audi anzuschließen. Diese Anschlüsse sind in der Armlehne untergebracht, somit auch versteckt. Noch viel cooler ist aber, dass wir auch einen WLAN-Hotspot integriert haben. Ist also eine SIM-Karte im Fahrzeug eingelegt, können wir die Internetverbindung für andere Insassen über einen integrierten WLAN-Router freigeben.

Die Konfiguration des Hotspots und auch der SIM-Karte ist einfach, so wie wir das aus Smartphones und Tablets kennen.

Die Steuerung

Auch bei den Elementen zur Steuerung hat sich in den letzten Jahren viel getan. Das Hauptobjekt ist ein großer Drehregler in der Mittelkonsole hinter dem Schaltknauf, welcher sich nicht nur klicken lässt, sondern der auch auf der oberen Seite ein Touchpad besitzt. Das hilft bei der Eingabe im Navi, wenn man einzelne Buchstaben für die Straße, den Ort oder was auch immer eingibt. Man zeichnet also die Zeichen auf dem Touchpad und sie werden dabei vorgelesen. Vorteil hierbei ist, dass man nicht hinschauen muss und sich auf die Straßen konzentrieren kann. Das ist natürlich auch bei der Spracheingabe so, wofür sich eine Taste am Lenkrad befindet. Die Spracheingabe hat natürlich nur vorgefertigte Möglichkeiten der Auswahl und ist nicht so frei, wie wir das etwa von der Google-Suche auf unserem Smartphone kennen. Dafür ist die Erkennung ähnlich gut, wenn man nicht gerade im eigenen Dialekt vor sich hin nuschelt.

Hauptsächlich steuert man das Audi Connect aber mittels der Tasten. Die fassen sich nicht nur hochwertig an, sondern haben allesamt einen sehr guten Druckpunkt. Die Tasten wurden inzwischen auf ein Minimum reduziert, weshalb man sich relativ schnell in die Steuerung reinfuchst. Das war vor wenigen Jahren noch anders. Wichtig ist meines Erachtens auch hier wieder, dass man irgendwann ohne den Blick auf die Tasten alles steuern kann. Denn der Vorteil dieser Technologien in Autos sollte nicht gleich zu einem Nachteil für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer werden.

Neben dem Drehregler und den Tasten für die verschiedenen Menüs, welche in die vier Ecken des Displays gelegt werden, gibt es auch noch zwei Kippschalter für den Schnellzugriff auf die vier Hauptmenüs.

Die Software

Kommen wir zum wichtigsten Teil, denn ohne eine gescheite Software nutzt mir alle schöne Hardware nichts. Hier ist der Unterschied zu unseren Smartphones und Tablets nicht wirklich vorhanden, es muss halt alles stimmen. Den Aufbau von Audi Connect bzw. dem MMI Navigation Plus kann man eigentlich mit wenigen Worten abkürzen, denn die Menüs sind meiner Meinung nach durchaus intuitiv gestaltet. Dank der Tegra 2-Plattform läuft die gesamte Oberfläche auch recht flott, es gibt also keine längeren Ladezeiten oder Hänger im System. Richtig umfangreich ist der Funktionsumfang inzwischen geworden, denn neben der einfachen Kartennavigation bietet Audi Connect nun auch die Verbindung zur Außenwelt mit der Integration von Google Earth samt Street View, Facebook, Twitter, Informationen zu Flügen, Zügen, Events, Tankstellen und so weiter.

Für die Nutzung von Google Earth und den anderen Diensten benötigt man natürlich eine SIM-Karte. Nach meinen Erfahrungen müsste man theoretisch mit einem Gigabyte im Monat hinkommen. In ungefähr einer Woche nutzte ich ausschließlich Google Earth zur Navigation, weshalb dafür natürlich dauernd Karten heruntergeladen werden müssen. Die restlichen Dienste wie Facebook und Twitter verbrauchen natürlich nicht so viele Daten. So kam ich laut integriertem Datenzähler nach einer Woche auf ungefähr 100 Megabyte. Wer also noch mehr fährt, verbraucht sicherlich auch etwas mehr. Google Earth selbst läuft übrigens komplett flüssig.

Insgesamt konnte mich die Navigation überzeugen. Sie bietet zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten, womit man die Navigation gut an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann. Insgesamt ist die Darstellung sehr gut, übersichtlich und nicht verwirrend. Auch die Sprachansagen sind gut, verständlich und werden rechtzeitig vor Kreuzungen, Abfahrten usw. ausgegeben. Ein richtiger Navigations-Freak bin ich allerdings nicht, denn eigentlich muss sie einfach nur funktionieren und sollte nicht durch verwirrende Anzeigen ablenken, was sie im Audi A3 auch nicht tut. Der GPS-Fix ging auch sehr fix, ein Signal war in wenigen Sekunden immer vorhanden.

Als Zusätze für die Navigation bietet Audi nun Dienste an, um beispielsweise die günstigsten Tankstellen in der Nähe zu finden, um Fluginformationen von einem Flughafen eurer Wahl abzurufen oder um zu checken, wann genau der Zug ankommt, mit welchem euer Gast anreisen wird. Das hat insgesamt alles sehr gut funktioniert. Leider nicht so der Bringer sind etwa die Infos zu Events in eurer Nähe oder Städten eurer Wahl, denn Audi muss hier natürlich Partnerschaften mit entsprechenden Dienstleistern eingehen. Wenn man sich dann aber wie in diesem Fall für einen Dienst entscheidet, der eher unbekannt und klein ist, wird eben nur ein kleiner Teil der eigentlich stattfindenden Events angezeigt. Eine Anzeige für das aktuelle Wetter fehlt natürlich auch nicht.

Ähnliche „Fehler“ hat man bei der Integration des RSS-Readers, von Facebook und Twitter gemacht. Bei Facebook und Twitter lassen sich ausschließlich vorgegebene Nachrichten wie „Ich komm gleich in [Stadt] an“ oder „Befinde mich jetzt auf der [Straße]“ absenden, was für einen Fan dieser Netzwerke etwas zu dürftig ist. Der Client für Twitter bietet auch nicht alle Funktionen, wie etwa den gesonderten Aufruf der Replies. Aber man kann immerhin mit der Facebook-App in Orte einchecken, was wiederum ganz cool ist. Der integrierte RSS-Reader ist auch eher nett gedacht aber nicht ganz so gut gemacht. Feeds speist man über die MyAudi-Webseite ein, was darüber natürlich recht bequem funktioniert. Das Lesen von Feeds wiederum funktioniert nicht wie gewünscht, denn die Texte werden nach vielleicht maximal 150 Wörtern abgeschnitten und sind nicht komplett verfügbar. Sehr gelungen ist wiederum die Sprachausgabe, denn man kann sich Feeds vorlesen lassen. Audi kommentiert die eingeschränkten Möglichkeiten dieser Dienste damit, dass so mehr Sicherheit geboten ist und der Fahrer nicht in Versuchung gerät zu tief in das System während der Fahrt einzutauchen.

Neben den lokalen Medien, die wiedergegeben werden können, ist auch Streaming von Online-Radios möglich. Doch auch hier gibt es einen Punkt, den ich bemängeln muss, denn das Streaming von Online-Radios funktioniert ausschließlich über das Smartphone und einer entsprechenden App. Fraglich, warum Audi hier nicht so eine App direkt in Audi Connect integrierte. Ich hätte mir also gewünscht, dass das Online-Streaming „leichter“ und vor allem unabhängiger ist, funktionieren tut es mit dem Smartphone aber dennoch sehr gut. Wer viel Musik hört, wird sich sicherlich eh die eigene Sammlung mit ins Auto packen. Und um da nicht immer die Übersicht zu verlieren, kann man sich natürlich auch Playlisten usw anlegen. Für den gewünschten Klang gibt es ebenfalls ein paar Einstellungsmöglichkeiten, die allerdings höchstens dem „normalen“ Fahrer ausreichen. Nur Balance, Fader, Höhen, Tiefen und der Subwoofer (wenn vorhanden) lassen sich mit Drehreglern konfigurieren, beim höherwertigen Bang & Olufsen-System gibt es dann allerdings auch mehr Einstellungen.

Und natürlich bleibt da noch die Frage nach den Updates. Und das hat Audi gut gelöst, denn neue Funktionen für Audi Connect werden über die Datenverbindung eingespielt. Nach jedem Start des Fahrzeugs und der Anwahl des Menüs für Audi Connect werden die Server abgefragt, ob es eine Erweiterung oder neue Dienste gibt.

Fazit

Audi Connect  in der aktuellsten Version ist definitiv gelungen. Man muss aber sagen, dass des da doch noch einige Schattenseiten gibt, die zumindest mir als Nerd und „Experte“ für mobile Technik aufgefallen sind. Die Software ist ein guter Anfang mehr Online-Dienste auch die Gerätschaften zu bringen, mit denen wir täglich von A nach B und wieder zurückfahren. Noch zögern aber die Automobilhersteller und bringen derartige Dienste erst langsam in die Autos. Ich würde mir hier mehr Mut wünschen, vielleicht auch in Kooperation mit Herstellern von Smartphones und Tablets.

Einen ausführlichen Fahrbericht von mir zum neuen Audi A3 findet ihr bei NewCarz.de.

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