Google Pay: Vor einigen Jahren gab es mit Google Allo einen Smartphone-Messenger, der wie WhatsApp funktionieren sollte. Dabei hatte Google mit einer Erstausrichtung auf Indien ein paar schwerwiegende Fehler gemacht. Man wollte das auf Indien ausgerichtete Google Allo der ganzen Welt aufs Auge drücken, was komplett nach hinten losging. Ganz ähnlich verläuft es bei Google Pay, die brandneue Smartphone-App wiederholt einige Fehler des Messengers und enttäuscht langjährige Nutzer der bisherigen App.

Zu diesen Fehlern zählt, dass das neue Google Pay auf eurer Telefonnummer basiert und nicht mehr nur auf eurem Google-Konto. Das ursprüngliche Targeting auf den indischen Markt wurde weltweit umgesetzt, bei Google Allo und jetzt auch bei Google Pay. Außerdem beschwert sich der erfahrene Kollege von Arstechnica über die jetzt eher „internetfeindliche“ Strategie, da die bisher über den Browser verfügbaren Google Pay-Funktionen (Geld senden, Zahlungshistorie) eingestellt werden.

„Das neue Google Pay verwendet wie Allo nicht ihr Google-Konto (zumindest nicht für Zahlungen). Stattdessen müssen sie sich mit der Telefonnummer ihres Mobilfunkanbieters für das neue Google Pay anmelden. Keiner ihrer vorhandenen Google Pay-Kontakte wird übertragen, und alle müssen sich auch mit ihren Telefonnummern für Mobilfunkanbieter für neue Konten anmelden.“

SMS statt Google-Konto: Nutzer der Peer-to-Peer-Funktionen werden vergrault

Das von der SMS abhängige System mag für Indien funktionieren, für den Rest der Welt allerdings nicht unbedingt. Google wirft außerdem Vorteile über Bord, die die Kunden bislang durch ihre Google-Konten hatten. Stattdessen gibt es Ersatzlösungen. Bei WhatsApp und Allo ist es zum Beispiel der wenig komfortable Zugriff über den Browser mittels QR-Code.

Außerdem unterstützen SMS-basierte Dienste in der Regel nur ein einziges Gerät. Auch das kennen wir von WhatsApp und die Entwickler arbeiten jetzt schon jahrelang an einem Ausweg. Einfacher ist und war es bei Google Hangouts oder Facebook Messenger, wo man sich jeweils mit seinem „Internetkonto“ auf jedem Gerät einfach anmelden konnte.

Auch die beiden unterschiedlichen Bereiche von Google Pay werden differenzierter betrachtet und sind nicht mehr so vereint wie früher. Es gibt Google Pay einerseits für kontaktlose Bezahlungen per NFC. Andererseits auch als Zahlungsdienstleister wie Paypal zum Geld versenden/empfangen mit Freunden (Peer to peer). Tatsächlich verwenden beide Varianten unterschiedliche Login-Methoden, was die Sache nur noch komplizierter werden lässt.

Ron Amadeo kann beim besten Willen nicht verstehen, warum eine auf einen speziellen Markt zugeschnittene App unverändert weltweit eingeführt werden soll. Und auch uns erscheint das eher unlogisch. Google hätte Tez (früherer Name des neuen Google Pay) in Indien als solches belassen müssen und für den internationalen Markt eine eigenständige App anbieten sollen. Facebook macht das so im Bereich seiner Messenger-Dienste sehr erfolgreich.

„Wie bei Allo hat Indien so viele unterschiedliche Nutzerbedenken und Funktionsanforderungen, dass nicht klar ist, warum Google gelegentlich Apps im Stil von Entwicklungsländern auf den Rest der Welt bringen möchte. Insbesondere wenn die App ursprünglich nur für Indien-Funktionen wie UPI entwickelt wurde.“

Das neue Google Pay könnte so viel „Begeisterung“ wie YouTube Music auslösen, weil die Nutzer auch in diesem Fall zur neuen App gezwungen sind. Die gute Nachricht: Nur für die Nutzer, die Google Pay ausschließlich für das kontaktlose Bezahlen in der „echten Welt“ verwenden, scheint sich unterm Strich nicht viel zu verändern.

Denny Fischer

Gründer und amtierender Chef von SmartDroid.de, bloggt hier und nur hier seit 2008. Alle Anfragen an mich, in den Kommentaren oder über die verlinkten Netzwerke.

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7 Kommentare

  1. Diese Änderungen sind doch nur noch krank. Wer denkt sich denn so einen Mist aus? Vollkommen unausgegoren.

  2. Man hat den Eindruck der Google-CEO kümmert sich nur um sein Heimatland. Er vergisst wohl wer das meiste Geld im das Unternehmen buttert.

  3. Kann mir jemand erklären, warum genau die Methode mit der telefonnummer in Indien so sinnvoll sein soll, und warum es bei whatsapp dann weltweit funktioniert?

    1. WhatsApp startete zu einer Zeit, da gab es kaum Smartphones. Die waren einfach früh genug da. Es gab keine Smartwatches usw.

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