Wer sich mit Nintendo-Emulatoren auseinandersetzt, wird an Citra wohl kaum vorbeigekommen sein. Die Entwickler erfüllen endlich den Wunsch vieler Fans.

Computer hatten in der Regel immer mehr Power zu bieten als die aktuelle Konsolengeneration – warum sollten Konsolenspiele mit ein bisschen Softwaregefrickel also nicht auf Computern laufen? Sogenannte Emulatoren, die für die Games eine entsprechende Umgebung vorgaukeln, haben daher schon eine lange Tradition und sind mittlerweile auf Smartphones angekommen.

Citra-Fans haben lange auf offizielle App gewartet

Für den Fans des Nintendo 3DS hat sich eine Software in der Vergangenheit ganz besonders hervorgetan: Citra. Der potente Unterbau war Basis für einige Emulator-Apps, die den offiziellen Entwicklern die Portierungsarbeit ungefragt abgenommen haben. Nur, wie das bei Ports immer so ist, eher schlecht als recht. Dabei war eine offizielle Citra-App eins der meist nachgefragten Features, dessen Entwicklung die Developer aus Zeitmangel stets dementieren mussten.

From the users’ perspective, it seemed as if the devs disliked the idea of an Android app. But for the developers, it was just the abundance of many other features and improvements that took higher priority. And given the huge amount of effort for an Android version, we simply did not have enough time for it.

Zumindest bis 2018, als einer der Entwickler – bunnei – in der Android-Abteilung die Zügel in die Hand genommen hat. Los ging es mit einer sehr rohen Version mit einem Frontend auf Basis des nicht minder erfolgreichen Dolphin-Projektes. Aber es gab immer noch große Probleme, zum Beispiel speicherten sich Einstellungen nicht, virtuelle Buttons auf dem Display ließen sich nicht zuverlässig bedienen, Grafikfehler. Da Android-Smartphones dazu auch noch ziemlich unterschiedlich sind, mussten die Plattformen aufwändig getestet werden.

Smartphone-CPUs: „Mussten Multicores voll ausnutzen“

Mobile Prozessoren sind außerdem nicht mal im Ansatz so kräftig wie Computer-CPUs, daher habe man die Multi-Kerne voll ausnutzen müssen. Mithilfe eines Features aus dem Schwesterprojekt yuzu (Nintendo Switch Emulator) habe man es geschafft, die GPU-Emulation in einem separaten Core vorzunehmen.

Zum Zeitpunkt, an dem man eigentlich eine Alpha-Version der Citra-Android-App veröffentlichen wollte, gab es einen großen Schock für die Entwickler: Ein anderer, inoffizieller Port erschien, der sich einiger Teile der sich gerade in der Entwicklung befindenden Software zunutze machte und sie weiter aufbohrte. Postwendend wurden die Foren von wütenden Fans geflutet, wo denn die offizielle Citra-App bliebe, wenn eine inoffizielle schon so gut funktioniere.

Im Februar 2020 ging es bei Citra dann endlich wieder weiter. Zunächst nahm sich bunnei unter anderem dem Support eines Gamepads an, wenn man verständlicherweise nicht so auf die Onscreen-Buttons abfährt. Schließlich will man die Handheld-Erfahrung des Nintendo 3DS so gut wie möglich aufs Smartphone bringen.

Preis: Kostenlos+

Citra-Entwickler: Mindestens Qualcomm Snapdragon 835

Jetzt sind die Citra-Devs endlich soweit und haben zumindest eine Beta-Version des 3DS-Emulators herausgebracht. Mit ein paar Glitches ist also immer noch zu rechnen. Voraussetzung ist mindestens Android 8.0 Oreo, als Chip empfohlen ist ein Qualcomm Snapdragon 835 oder besser, wobei die GPU auch eine wichtige Rolle spielt. Grundsätzlich seien Qualcomm-Chips besser geeignet als Exynos (Samsung) oder Kirin (Huawei).

Die vielleicht beste Nachricht: Citra für Android ist kostenfrei, kommt aber mit einem In-App-Kauf für 4,99 Euro, der einen Dark Mode sowie diverse Texturfilter mitbringt. Ein anderer Weg, die mühselige Arbeit wertzuschätzen und die Weiterentwicklung zu unterstützen, ist über Patreon.

(via)

Jonathan Kemper

Studiert Technikjournalismus, bloggt über Smartphones, Apps und Gadgets, seit 2018 mit regelmäßigen News und ausführlichen Testberichten bei SmartDroid.de an Bord.

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