Das neuste OnePlus-Smartphone muss sich unbedingt mit dem Google Pixel 6 Pro messen lassen. Allein schon wegen der vergleichbaren Ausstattung und weil der Preis (UVP) exakt gleich ist. Also habe ich mir das OnePlus 10 Pro in den letzten Wochen angeschaut und mit meinem Dailydriver verglichen. Ist die Oppo-Schwester tatsächlich in der Lage, einen überzeugten Pixel-Nutzer auf ihre Seite zu ziehen?

Ich hatte jedenfalls die Hoffnung. Denn ich finde sehr viele Geräte anderer Hersteller durchaus interessant. Zuletzt hat es aber niemand geschafft, dass ich mit Freude meine Google-Phones links liegen lasse. OnePlus ist aufgrund kleiner Problemchen ebenfalls nicht in der Lage, aber teilweise sehr nah dran. Ein ganz entscheidender Punkt ist die gute und kompakte Haptik, obwohl das Display hier ebenfalls 6,7 Zoll misst.

Es ist ein sehr gutes Display, nur nicht fehlerfrei. Die wohl neuere LTPO-Technik hat ihre Probleme. Einige Apps werden nicht korrekt erkannt und laufen nur in 60 statt 120 Hz. Das fiel mir in mehreren täglich genutzten Apps auf – zum Beispiel Google Fotos, YouTube und Analytics. Und es ist schrecklich nervig. Alles läuft extrem flüssig, aber ein paar Apps tun es eben nicht. Das hat mir echt den Spaß genommen, das OnePlus 10 Pro zu verwenden.

Kamera: OnePlus bietet mehr, Google ist besser

Ich denke, da geht mit Updates noch was. Das gilt auch für die Kamera. Manchmal fühlt sich die Kamera-Experience einfach nicht so rund wie bei den Pixel-Handys an. Ich finde die Zoomkamera außerdem qualitativ viel zu schwach. Digitalzoom ist bei Google ebenfalls besser. Nützlich und einzigartig ist dafür der bis zu 150 Grad weite Ultraweitwinkel. Nachts merkt man auch wieder, dass Google mehr drauf hat. Aus dem OnePlus 10 Pro bekommt man tolle Fotos, aber nicht ganz auf dem Niveau der Konkurrenz.


P2D50T: Obwohl OnePlus mit einer 50 Megapixel Triple-Kamera wirbt, sogar direkt auf dem Gerät, ist die Wahrheit eine andere. 50 Megapixel hat nur der Sensor für Ultraweitwinkel. Die Hauptkamera löst 48 Megapixel auf, die Telekamera sogar nur 8 Megapixel. Warum dann diesen Schwachsinn auf die Kamera drucken?


OnePlus kann aber auch Vorzüge bieten. Dazu gehört ein extrem guter Motor für das haptische Feedback. Das fühlt sich fast so an, als würde man eine echte physische Taste drücken, wenn das Gerät Feedback zu unseren Toucheingaben gibt. Außerdem regelt die Helligkeit des Displays gut und flott. Die Autorotation ist ebenfalls sehr reaktionsschnell, da stinken die Pixel-Smartphones vergleichsweise ab.

Die kritisierte Kamera bietet außerdem ein paar Möglichkeiten mehr und lässt für Profis keine Wünsche offen. Pro-Modus, 10 Bit Fotografie und 12 Bit RAW, Tilt-Shift, Fish-Eye und noch einiges mehr. Ich benötige davon nicht so viel, gehöre allerdings auch nicht zum angezielten Kundenkreis. Die Kooperation Hasselblad ist hier abermals ein Marketingstunt, der für mich nicht wirklich funktioniert.

Schnell entsperrt, gut in der Hand

Abgesehen von der manchmal falschen Bildwiederholrate ist das OnePlus 10 Pro schnell. Es wirkt aber nicht so reibungslos schnell wie das Google Pixel 6 Pro. Das sind wiederum Details, die man wohl nur im direkten Vergleich merkt. Wesentlich schneller ist dafür der Fingerabdrucksensor. Ist gleichzeitig Face-Unlock aktiviert, entsperrt das OnePlus-Smartphone jederzeit rasend schnell. Sogar mit Maske, wobei das wohl gegen einen hohen Grad an Sicherheit spricht.

Ein Kernmerkmal seit vielen Jahren, der Alert-Slider zum Verstellen des Klinteltonmodus:

Ich hatte bereits das eher kompakt wirkende Display angesprochen. Es trägt zu einer sehr guten Haptik bei. Die matte Rückseite des schwarzen Modells wirkt sanft an der Haut, die starke Rundungen tun ihr übriges. Das Design mag nicht zeitlos sein, aber es steht irgendwie für sich. Obwohl ich darin auch immer etwas Samsung sehe. Es rutscht ein wenig in der Hand, dafür gibt es keine Fingerabdrücke. Grundsätzlich lag das OnePlus 10 Pro gut und fast schon organisch in der Hand.

Andere schwarze Telefone mit Glas ziehen Fingerabdrücke sehr stark an:

Aufseiten der Software sind sich OnePlus und Oppo wohl sehr nahe. Und damit inzwischen wieder etwas weiter weg vom Android, das wir von Google-Telefonen kennen. Es gibt deutlich mehr kleine Features, das zeigt spätestes der Menüpunkt „Spezielle Features“. Dazu gehören auch weiterhin solche Dinge wie Gesten, bei denen man etwas auf dem Bildschirm malt, um etwa eine Funktion wie die Kamera zu starten.

Fazit zum OnePlus 10 Pro: Keine Auffälligkeiten

Google hat mit dem Pixel 6 Pro einen überraschend niedrigen Preispunkt gesetzt. Da ist es schwer mitzuhalten. Zumal OnePlus längst nicht mehr der „Flagship Killer“ zum absoluten Tiefpreis ist. Was dafür sorgt, dass man mit einem Topmodell von OnePlus kaum noch Kompromisse eingehen muss. Das ist positiv. Im Vergleich mit meinem Pixel 6 Pro ist die Kamera allerdings der ausschlaggebende Punkt, warum das OnePlus-Smartphone nicht das erwünschte Topniveau bietet. Was wiederum per Software jederzeit nachjustiert werden kann.

Und weil die Hasselblad-Kamera für meinen Alltag keine Vorteile bringt, sondern bei einigen Motiven sogar das Gegenteil, würde ich lieber weiterhin zu Google greifen. Denn das OnePlus 10 Pro kann leider auch keine deutlich bessere Akkulaufzeit bieten, es ist im Alltag nicht schneller, das Display ist auf sehr vergleichbaren Niveau und vom 80 Watt Schnellladen profitiere ich in meinem Alltag auch kaum. Nur allein das deutlich schnellere Entsperren reißt das Ruder nicht stark genug herum.

Links mit einem * sind Partner-Links. Kauft ihr ein Produkt bei einem Partner, erhalten wir dafür eine Provision. Der Preis für euch bleibt davon unberührt.

Denny Fischer

Gründer und amtierender Chef von SmartDroid.de, bloggt hier und nur hier seit 2008. Alle Anfragen an mich, in den Kommentaren oder über die verlinkten Netzwerke.

Nehmen Sie an der Konversation teil

3 Kommentare

  1. Von Hasselblad kommt nur die Software, nicht die Hardware der Kamera.
    Auch ein wenig Etikettenschwindel

  2. https://youtu.be/ALTy7lK1mAg

    Einer der wenigen Testberichte, welcher das Xperia 1 pro mit dem Pixel 6 aus fotografischer Sicht betrachtet. Alles andere ist so, Äpfel/Birnen. Passt zwar nicht zum Hasselblad-Vergleich, zeigt aber warum manch Hersteller doch auf extreme Software-Optimierungen verzichtet. Und erklärt mir, wieso ich in Lightroom aus den Lumia 950 XL-Fotos mehr heraushole, als aus den jetzt wieder Pixel 4 -Fotos. Das Pixel ist, jeder Schnappschuss ein Treffer…weitgehend…und vergiss die Nachbearbeitung. Da nicht möglich.

  3. OnePlus gibt sich einfach keine Mühe mehr. Wie schon ein anderer Kommentar richtig stellt: Hasselblad, wie damals auch Leica bieten nur Software. Da sind einige nette Filter dabei, aber was bringt der beste Filter wenn ein Pixel immer noch die angenehmsten Fotos schießt? Der Zoom im pixel 6 pro erzeugt durch die runtergerechneten 48mp
    neben dem 350-450€ teureren Samsung s22 ultra die besten Tele Fotos. statt der 32mp auf der Front hätte man wirklich mehr als 8mp in das Tele setzen sollen. Dass die haptik des vibrationsmotors besser sein soll als im pixel wage ich zu bezweifeln, denn das was Google hier jedes Jahr verbaut ist Spitzenklasse. Aber hey, ich habe nur ein Nord 2 hier und das ist ein Mittelklasse.
    Was auch fehlt ist der UI vergleich. Da schlägt das Pixel eigentlich alle am Markt. Kaum bloatware und pures Android.
    Mal eine Frage an alle reviewer: interessieren Rückseiten die glatt sind und Fingerabdrücke „anziehen“ eigentlich wirklich? Ich habe in freier Wildbahn selten ein Nutzer ohne Hülle gesehen.

    Ich bin auf jeden Fall komplett weg von oneplus. Das Nord 2 ist verbuggter als das Pixel 6 pro.

Hinterlassen Sie bitte einen Kommentar
Beachtet die üblichen Regeln für Kommentarspalten und seid nett zueinander. Wir speichern keine IP-Adressen der kommentierenden Nutzer. Hier entlang zur Telegram-Gruppe von Smartdroid.de

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.