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Marktgeschehen

Pokemon GO: Tolles Spiel und Werkzeug für den Kapitalismus – ein paar Gedanken

Denny Fischer

Veröffentlicht

am

Pokemon GO Header

Es gibt in diesen Tagen kein anderes derart großes Thema im Netz, Pokemon GO hat uns alle voll im Griff, was viele Vorteile und doch auch Nachteile mitbringt. Generell wird interessant zu sehen sein, wie lange sich das Augmented Reality-Spiel überhaupt halten kann, wie lange hält der erste Hype und wie viele Spieler werden danach tatsächlich am Pokeball bleiben? Wir werden sehen, es lässt sich meines Erachtens kaum vorhersehen, was diese Story durchaus auch für die interessant macht, die sich für die Weiterentwicklung, das Marketing usw. interessieren.

Bewegung, frische Luft

Pokemon GO bringt meines Erachtens in erster Linie viele Vorteile mit, denn der Spieler muss nicht nur zwingend zum Spielen vor die Tür gehen, sondern sich dort auch noch ausgiebig bewegen, um Spots, Shops, Arenen und „wilde Pokemon“ zu finden. Wer sich aufgrund seines Bürojobs schon oft „mehr Bewegung an der frischen Luft“ als Ziel gesetzt hat, dieses aber eher selten umsetzt, hat hiermit vielleicht einen spielerischen Anreiz kostenlos auf den Tisch gelegt bekommen. Vielleicht wird Pokemon GO das neue Gassi gehen, nur eben ohne Kacktüten.

Ist doch nur was für Kinder

Einigen meiner Leute ist aufgestoßen, dass es sich in diesem Spiel um Pokemon dreht, da man diese TV-Serie samt Gameboy-Edition doch längst mit den eigenen Kindertagen weit hinter sich gelassen hat. Na und? Ist es nicht völlig egal, ob ihr in diesem Spiel Pokemon, Zombies oder Alltagsgegenstände sammeln müsst? Die Idee des Spiels sollte im Vordergrund stehen, auch wenn sie längst nicht mehr neu ist, wir schrieben über Augmented Reality-Apps hier im Blog schon vor sieben Jahren, so bringt die Marke Pokemon dieses Thema erstmals weltweit tatsächlich direkt zu den Massen.

Keiner muss ein Fan von Pokemon werden oder gar schon sein, nur weil er die Idee des Spiels gut findet und deshalb Teil der Community sein möchte. Einfach herunterladen, spielen und Freunde daran haben.

Über Generationen hinweg

Ein weiterer äußerst netter Faktor ist mir gestern Abend quasi über den Weg gelaufen. Irgendwie ahnt man es manchmal, wenn einem ein anderer Spieler über den Weg läuft. Man sieht sich an und muss lachen. Erstmals habe ich das Spiel angeschaltet, während wir zu einem Freund gelaufen sind, ich also tatsächlich mal ein paar Meter zu Fuß unterwegs war. Währenddessen sind uns zwei 14-jährige begegnet, die ich aus Interesse aber zugleich bereits vorausahnend fragte, welches Spiel sie denn gerade zocken. Klare Antwort: „das, was du auch gerade spielst“. Alle mussten lachen, egal ob fast 30 oder eben pubertierender Teen. Und so geht es auch anderen, wenn ich mich im Netz so umschaue, Pokemon GO vereint tatsächlich die Generationen auf spielerische Art und Weise.

Scheiß auf die Umwelt

Leider bringt Pokemon GO auch diverse Nachteile mit sich, denn sind wir zwar draußen an der Luft und tun auch unserem Körper etwas Gutes, so vernachlässigen wir unsere Umwelt nur noch mehr. Natürlich meine ich die Welt um uns herum, andere Menschen, den Straßenverkehr oder die Leute, mit denen wir unterwegs sind. Meines Erachtens versinken wir durch ein derartiges Spiel noch viel tiefer in den Displays unserer Smartphones, als wir das schon durch die unzähligen Messenger und sozialen Netzwerke sowieso schon tun.

Das beweisen nicht nur Zahlen, sondern auch diverse Schreckensmeldungen. Verkehrsunfälle und ähnliche Dinge passieren. Wobei ich hier nur mit dem Kopf schütteln kann, denn wenigstens Erwachsene sollten doch wissen, dass man sich insbesondere im Straßenverkehr eben doch hin und wieder umgucken sollte, das Handy während der Fahrt zudem nichts in den Händen des Fahrers zu suchen hat.

Erst reden wir nicht mehr von Angesicht zu Angesicht und irgendwann schreiben wir auch nicht mehr mit unseren Freunden, denn wir haben keine Zeit, wir müssen doch ständig spielen. Es ist der ganz allgemeine und fast immer vorhandene Nachteil der digitalen Revolution der letzten Jahre.

Ein Werkzeug für den Kapitalismus

So cool das Spiel auch ist, hier ermöglichen sich diverse Chancen für Unternehmen, die im Hype mit schwimmend unser Geld locken wollen. Ganz klar, Hersteller von Smartphone-Zubehör werden sich freuen, Powerbanks, Notlader und Ladegeräte – sicherlich werden hier einige Unternehmen einen Anstieg der Verkäufe messen können und sie werden ihre Produkte entsprechend bewerben.

Der Boom derart aufwendiger Apps (auch Snapchat, etc.) könnte aber einen netten Nebeneffekt für uns Konsumenten mitbringen, Hersteller von Smartphones könnten vielleicht noch mehr Wert auf größere Akkus bzw. längere Akkulaufzeiten legen. Vermutlich ist das aber nur ein Wunschtraum meinerseits.

Wenn die Sponsored Pokestops kommen, dann werden wieder die klassischen Unternehmen zuschlagen, die von unserem unfassbar massenhaften Konsum profitieren, wie BK, McD’s und andere große Ketten, die uns mit Sicherheit über diesen Weg in ihre Läden locken wollen. Du bist gerade auf Jagd nach Pokemon? Komm in unsere Filiale, kassiere dafür drei Pokebälle und zieh dir mal noch nen fettigen Burger rein. Dann hilft die viele Bewegung allerdings doch nicht.

Und dann bleibt da noch der Datenschutz. Es dürften aufgrund der nötigen GPS-Verbindung unfassbare Mengen an exakt messbaren Bewegungsprofilen der Nutzern auf den Servern von Niantic anlaufen. Was passiert damit? Könnten diese Daten verkauft werden? Könnten Behörden auf diese Daten zugreifen? Wer von euch hat überhaupt darüber schon nachgedacht?

3 Kommentare
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3 Comments

  1. Markus Eyrich

    15. Juli 2016 at 19:53

    Also an der Stelle muss ich einfach mal sagen, der letzte Teil des Artikels ist Stuss ! Das was du da alles ansprichst ist seit Jahren etabliert, spätestens mit Ingress, welches übrigens ebenfalls von Niantic ist und bereits seit über 3 Jahren läuft mit Millionen Spielern auf der ganzen Welt. Hier gibt es auch einen Ingame-Shop, es gab und gibt gesponserte Locations usw, das alles hat aber weder der Umwelt noch den Geldbeuteln weh getan, das war ein Geben und ein Nehmen. Der Hype ist hier um ein vielfaches Größer weil Pokemon draufsteht, das ist richtig, aber wie auch bei Ingress lockt mich zwar der Burgerladen oder der Handy Shop mit gesponserten Pokestops in die Nähe, deswegen kauf ich mir aber nicht gleich ein Handy oder nen Burger.

    • David

      15. Juli 2016 at 21:31

      Seh ich auch so, und die exakten Bewegungsprofile die sich wahscheinlich stark nach der Anordnung der Arenen und Pokestops auf dem Weg richten halte ich auch nicht für all zu besonders wertvoll.

      Google’s Standortverlauf ist da ein deutlich größeres Problem denn dafür muss ja nichtmal eine App die ganze Zeit im Vordergrund laufen.

    • Denny Fischer

      Denny Fischer

      16. Juli 2016 at 11:53

      Ah, und was für dich nicht gilt, gilt auch für allen anderen nicht? Pokemon GO hat einfach ein deutlich größeres Potenzial.

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