Polestar 2 auf Testfahrt: Cool, aber Luft nach oben

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Zweimal bin ich den Polestar 2 für mehrere Tage gefahren, aber die Gefühle bleiben sehr gemischt.

Nach meiner zweiten Testfahrt mit einem Polestar 2 bin ich immer noch sehr hin und her gerissen, was ich von diesem Auto und dem Konzept der Marke eigentlich halten soll. Einerseits ist der Polestar 2 wirklich ein verdammt cooles Fahrzeug, aber für eine Empfehlung reicht es aus verschiedenen Gründen immer noch nicht. Was mir positiv und negativ aufgefallen ist, möchte ich euch in den folgenden Zeilen darlegen.

Wie schon angedeutet, sieht der Polestar 2 cool aus. Auch nach mehreren Jahren auf deutschen Straßen ist die Crossover-Limousine immer noch ein Hingucker. Innen wie außen sind die Gene der Marke deutlich zu erkennen, auch ein Volvo-Emblem würde dem Fahrzeug gut zu Gesicht stehen. Damit hat man aber auch mit den gleichen Nachteilen zu kämpfen.

Der Innenraum ist alles andere als luftig. Das macht es zwar „gemütlich“, aber selbst mit meinen 1,76 Metern fühle ich mich gut eingepackt. Immerhin bietet der Fahrersitz wirklich viel Platz und lässt sich so verstellen, dass man auch mit mehr Körpergröße noch Platz hat. Aber im Gegensatz zu vielen Elektroautos ist es insgesamt eher eng. Gerade für den Beifahrer wünscht man sich etwas mehr Freiraum.

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Die Qualität der verwendeten Materialen ist ein weiterer Punkt, der durchaus gemischte Gefühle hinterlässt. Ist das jetzt sportlich cool, oder doch dem Preis nicht so richtig gerecht? Man setzt auf viel Stoff und Plastik, aber auf coole Formen und einen eigenständigen Look. Es fehlt jedoch an optishcer Hochwertigkeit.

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Zumal sich diese Bauweise nicht gerade positiv auf die Fahrgeräusche auswirkt, die der Polestar 2 nicht besser dämmt als beispielsweise ein von Anfang an als Elektroauto geplanter VW ID.3. Apropos ID.3: Was mir am VW aufgefallen ist, ist der sehr kleine Wendekreis, der sich im Alltag täglich positiv bemerkbar macht. Beim Polestar 2 ist es genau umgekehrt, man muss öfter rangieren, was den Komfort im Stadtverkehr einschränkt.

Ansonsten lässt sich der Polestar 2 sehr gut fahren, die Version mit 230 PS an der Hinterachse hat genügend Drehmoment für viel Fahrspaß. Bei nasser Straße ist es mir jedoch öfter passiert, dass tatsächlich die Hinterräder ordentlich Schlupf hatten, was einen weniger versierten Fahrer verunsichern kann. Wer noch mehr Spaß will, kann sogar das ESP abschalten.

In Bezug auf die elektrischen Eigenschaften konnte ich eine überraschend hohe Effizienz feststellen, die wir bei ca. 20° Anfang Mai erreicht haben. Wir lagen unter 16 kWh und damit sogar auf dem Niveau des „alten“ ID.3, der ja bekanntlich deutlich kleiner und leichter ist. Ein Ausflug an die Ladesäule war auch ok, bei ca. 35% Restbatterie hatte der Polestar 2 nach wenigen Sekunden ca. 100 kW aus einer Ladesäule gezogen, die eigentlich mit 75 kW angegeben war.

Was das Infotainment und ähnliche Dinge angeht, die man bei Volvo und Polestar in Form von Android Automotive bekommt, bin ich immer noch nicht überzeugt. Abgesehen von Mängeln wie dem ab und zu flackernden Display ist mir das Angebot insgesamt einfach noch zu rückständig. Es gibt nur wenige Apps und diese sind teilweise nicht zufriedenstellend umgesetzt. Das Tesla-Feeling kommt einfach nicht auf.

Abgesehen von Google Maps, das mir immer noch sehr gut gefällt. Bei Polestar ist es außerdem nahtlos in das Tacho-Display integriert. Weniger nahtlos ist die Verbindung zum eigenen Smartphone, es gibt zum Beispiel weiterhin keine Verfügbarkeit eurer Messenger-Apps, obwohl ich ein Android-Handy mit Google-Diensten nutze.

Generell fehlt es irgendwie an Alleinstellungsmerkmalen, die man eigentlich von dem Auto erwartet, wenn man es von außen sieht. Natürlich sind die rahmenlosen Spiegel und das Design der Polestar-Fahrzeuge cool, aber das Angebot an Features könnte deutlich ausgebaut werden. Einige andere Punkte, wie der fehlende Schnellzugriff auf einfache Funktionen wie das Radio, könnten endlich angegangen werden.

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Besonders rückständig ist in meinen Augen der Pilot Assist, der nicht annähernd mit dem Travel Assist von VW mithalten kann. Es fehlen automatische Geschwindigkeitsanpassungen und andere Punkte. Auch die automatische Lenkung bzw. das Spurhalten war mir nicht feinfühlig genug, sondern oft ruppig und eher unberechenbar. Da kommt kein Vertrauen auf.

Fazit: Polestar muss noch das gewisse Etwas finden

Wenn ich den Polestar 2 mit dem Tesla Model 3 vergleiche, dann ist der Schwede auf den ersten Blick cooler, aber der Amerikaner würde für mich das Rennen machen. Auch wenn zum Beispiel der Zugang zum Kofferraum beim Polestar 2 etwas großzügiger ist, der Innenraum gemütlicher wirkt und ich im Google-Universum zuhause bin.

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2 Kommentare zu „Polestar 2 auf Testfahrt: Cool, aber Luft nach oben“

  1. Was soll man hier sagen? Vom Grill her ist es ein MY2023 mit Frontantrieb, das würde auch zu den erwähnten 230 PS passen. Der Heckantrieb hat dann 272 PS als Standard Range und 299 PS als Long Range. Hier hat wohl die Vorarbeit des Testers gefehlt. Ein Verbrauch von 16 kWh mit dem weniger effizienten Frontantrieb und Winterrädern sind doch ansehnlich. Geschmäcker sind halt verschieden.

    1. Bin den Wagen 9 Tage insgesamt 1500 km i England gefahren. Es war die Variante 220 kW 82 kWh.
      Der Leihwagen war toll. Ich habe es sehr gemocht. Verbrauch etwa 18 kWh/100 km. Die Reichweite war absolut ausreichend.
      Nur automatische Lenkung bzw. das Spur halten war störend. Habe es ausgeschaltet. Brauche solche Funktion nicht.
      Fahren auf kurvige Strassen in Cornwall hat Spaß gemacht.
      Habe gemerkt das hier in Deutschland kriegen Schwedische Autos nicht besonders gute Bewertungen. Zurück in Schweden kriegen Deutsche Autos nicht immer gute Bewertungen.

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