Google, OnePlus und zukünftig noch viele weitere Smartphone-Hersteller, verbauen in ihren Geräten schnellere Displays. Aber bringt’s das wirklich?

In diesem Jahr geht es so richtig los, zahlreiche Android-Smartphones der oberen Preisklassen werden über Displays mit einer Bildwiederholrate von bis zu 144 Hz verfügen. Für uns Nutzer bedeutet das eine höhere Bildwiederholrate, wodurch Animationen und andere Abläufe der Software nochmals flüssiger wirken. Dieser Vorteil ist auf jeden Fall unumstritten und für die meisten Leute sicherlich gut sichtbar. Aber handelt es sich hierbei wirklich um eine sinnvolle Funktion für den alltäglichen Gebrauch oder schlussendlich nur um ein neues Marketinginstrument?

Ich gehöre zu den Leuten, denen hier und da Details auffallen. Positiv und auch negativ. Ich könnte nicht mit Fingerabdrücken auf dem TV-Bildschirm leben, genauso wenig komme ich mit kratzenden Tönen oder irgendwelchen Klackergeräuschen klar. Andererseits muss ich nicht zwingend alles in höchster Auflösung anschauen, obwohl ich die Unterschiede von Full HD zu Ultra HD durchaus deutlich wahrnehme. Ihr könnt euch also vorstellen, worauf ich hinaus will. 90 Hz sehe ich zwar auf alle Fälle, doch muss ich das unbedingt haben?

Schnellere Smartphone-Displays: Must-have oder Nice-to-have?

In den letzten zwei Monaten hatte ich mein Google Pixel 4 mit einer Entwickleroption aktiv. Statt das automatische Smooth Display einzusetzen, war die 90-Hz-Darstellung dauerhaft aktiv (erzwungen). Gerade beim Pixel 4 hatte sich das aber auch spürbar auf den ohnehin schon kleinen Akku niedergeschlagen. Nun fragte ich mich nach einem Denkanstoß, ob ich diese 90 Hz denn wirklich brauche oder nicht doch lieber etwas mehr Akkulaufzeit bevorzuge?

Ich schaltete 90 Hz also komplett ab, auch Smooth Display. Und siehe da, in den ersten Minuten ist ein sichtbarer Unterschied zwar vorhanden, doch nach einem Tag schon nicht mehr. Ich weiß zwar weiterhin, dass da theoretisch noch mehr geht. Doch grundsätzlich wirkt das Bild auch mit 60 Hz flüssig und stotterfrei. Es ist wie mit dem heimischen Fernseher. Größer ginge immer, ist aber selten wirklich notwendig.

60 Hz ist weiterhin ausreichend schnell

Somit kann ich euch sagen, dass ich in der Anfangszeit ein Verfechter von 90 Hz (oder mehr) war, doch inzwischen eine andere Sicht auf die Dinge habe. Gerade im Alltag mit den üblichen Apps, wie WhatsApp, Twitter, Browser, etc., ist der Vorteil von schnelleren Displays extrem geringfügig. Man hat davon so wenig, dass es sich nicht lohnt die Akkulaufzeit dafür zu opfern. Es sei denn, dass euch diese völlig egal ist.

Ich würde jetzt aber anders als vor ein paar Monaten noch gesagt, durchaus auch bei einem Neugerät nach meinem Pixel 4 wieder auf die höhere Bildwiederholrate verzichten können. Smooth Display nutze ich nicht, weil ich im Alltag zu sehr wahrnehme, wenn die Software zwischen 60 und 90 Hz hin- und herschaltet. Zumindest glaube ich das. Nervt mich jedenfalls. Entweder ganz oder gar nicht.

In den kommenden Monaten werden 120 Hz Displays in einigen Smartphones verbaut, darunter das OnePlus 8 Pro, Samsung Galax S20 und Xiaom Mi 10.

Denny Fischer

Gründer Smartdroid.de, bloggt seit 2008 täglich über Smartphones, Android und ähnliche Themen.