Na, kommt dir diese Straße bekannt vor? Dass dieses Smartphone-Urlaubsfoto so eine Reichweite bekommt, damit hat auch die Fotografin nicht gerechnet.

Wenn du dich hin und wieder in TikTok bewegst und vielleicht sogar mal selber ein paar Filter ausprobiert hast, könntest du schonmal virtuell durch eine ganz bestimmte Straße von Jerez de la Frontera in der spanischen Provinz Cádiz spaziert sein.

Dieses Foto, aufgenommen von Inma Santiago mit einem Samsung Galaxy S7, ist nämlich der Standard-Hintergrund für den recht prominenten Greenscreen-Effekt. Sobald du den Filter aktivierst, wird das Foto per default als Hintergrund ausgegeben. Danach kannst du ihn immer noch anpassen, als erstes siehst du aber jedes Mal die weißen Häuserwände dieser verlassenen Straße.

Verlassen, aber nicht vergessen: Jerez de la Frontera

Die Fotografin Santiago schreibt dazu:

Jerez de la Frontera ist eine sehr alte Stadt. Viele Leute denken, die Innenstadt sei ein Ort voller Geschäfte, aber das ist sie nicht. Das wahre Zentrum ist das hier. Es ist verlassen und die Häuser stürzen ein, aber die Leute ziehen es vor, weiterhin in den neuen Geschäften einzukaufen.

TikTok ist mit seinen 800 Millionen monatlich aktiven Usern und mehr als 2 Milliarden Downloads auf allen Plattformen eine der erfolgreichsten Apps weltweit (auch wenn Trump das gerade ein bisschen einschränken möchte). Es ist also gut möglich, dass es sich dabei tatsächlich um das meistgesehene (Smartphone)-Foto überhaupt handeln könnte – wirklich prüfen lässt es sich natürlich nicht.

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Unsplash: „unglaublicher Kulturwandel“

Doch wo kommt das Bild überhaupt her? Es wurde am 21. August 2018 auf der Plattform Unsplash hochgeladen. Die Stock-Datenbank macht vor allem auf sich aufmerksam, da jedes Foto völlig kostenfrei und sogar ohne Angabe des Urhebers kommerziell genutzt werden darf (shameless Promo-Plug: Mein Unsplash-Account). Dank Unsplash können auch wir hier auf SmartDroid.de unsere Artikel vielfältiger bebildern, geben in der Regel aber wenigstens den Fotografen an.

Santiago selbst hat erst vor Kurzem davon erfahren und auf dem Slack-Server der Unsplash-Community ihre Freude geteilt:

Wieder einmal zeigen wir den unglaublichen Kulturwandel, den Unsplash vollzogen hat, indem wir in der Lage waren, ein einfaches, mit dem Handy aufgenommenes Foto zu einem der meistgesehenen Fotos im Internet zu machen!

Fakt ist: Die knapp 2 Millionen Views und gut 16.000 Downloads, die das Foto auf Unsplash nach offizieller Statistik verzeichnen, sind nicht repräsentativ für die Aufmerksamkeit, die eine kleine spanische Altstadt-Straße letztendlich bekommen hat.

Jonathan Kemper

Studiert Technikjournalismus, bloggt über Smartphones, Apps und Gadgets, seit 2018 mit regelmäßigen News und ausführlichen Testberichten bei SmartDroid.de an Bord.

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9 Kommentare

    1. Tja, die Frage ist, von *wem* ein Bild *wie* als meistgesehen bewertet wird. Stets unter der Annahme, jeder Betrachter würde das Bild ausschließlich alleine, ohne „Mitgucker“ ansehen und dieses Prozess zählbar, d.h. durch Anklicken, dokumentieren? Für den oder die, für die die Welt nur noch aus TikTok besteht, mag das funktionieren. Die Realität sieht – zum Glück – dann doch etwas anders aus.

    2. Dass die Aufrufe bei Unsplash in diesem Fall eben kein Anhaltspunkt sind, hast du aber verstanden, oder? Also den Kern dieser Geschichte?

  1. Wow, I’m so surprised by this post! I am the creator of the picture, BTW ^^

    Thank you so much for sharing both my story and the history of Jerez de la Frontera, a beautiful and intriguing place – where I wasn’t born, but I feel like home.

  2. Ich würde jetzt so einfach mal behaupten, dass z.B. das Foto „Blue Marble“ der Nasa noch deutlich meistgesehener sein dürfte als oben angegebenes. Oder auch das Foto „Lunch atop a Skyscraper“. Oder oder oder.

    Ergibt natürlich keine aktuelle Story, da muss man sich schon im TikTok-Universum einschließen um da die Welt neu zu entdecken. Guten Morgen auch…

  3. Ach, noch was. Im Artikel steht: „Die Fotografin Lesielle schreibt dazu…“

    Blöd nur, dass Lesielle weder Fotografin, noch überhaupt eine Person ist, sondern eine Art Baukastensystem für Hauttinktur- und Wässerchen. Das kommt davon, wenn man noch nicht einmal die eigenen Verlinkungen liest bzw. das gelesene versteht. Beste Voraussetzungen für eine angehende Karriere als Journalist, aber keine Sorge, merkt kaum jemand, die Kollegen dieses Berufsstandes machen das heutzutage auch nicht mehr besser…

    1. Hey Manfred, besten Dank für deinen sachlichen Kommentar und deine konstruktive Kritik. Sie hat das Foto gemacht und lädt Fotos bei Unsplash hoch – also ist sie in diesem Moment Fotografin. Lesielle ist durchaus als Nick-Nachname zu verstehen, wie er auf Unsplash angegeben war, nur hat sie das tatsächlich mittlerweile geändert (im Slack heißt sie immer noch so). Hoffentlich bist du selbst Journalist, Menschen wie dich brauchen wir in der Branche! :-)

      1. Jau, und wenn unter einem Foto, wie so oft, angegeben ist: „Foto: Internet“, dann ist Internet der Fotograf, ne?!? ;-)

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