Früher hat es einen Ghettoblaster gebraucht, heute haben selbst Kleinstgeräte einen Lautsprecher. Komplett verloren ging dabei die Rücksicht auf andere.

Ist euch in den letzten Jahren im Alltag etwas aufgefallen? Es ist lauter geworden, obwohl wir eigentlich heute wesentlich leiser kommunizieren. Statt mit unseren Mitmenschen am Tisch zu reden, schreiben und kommunizieren wir über WhatsApp. Aber auch andere Apps bestimmen unseren Alltag, durch die wir uns in unsere Mobilgeräte vertiefen. Doch wirklich leiser ist es um uns herum nicht geworden. Dafür sorgen die kleinen Lautsprecher in den Händen aller und unser schlechter Umgang miteinander.

Zum einen besitzt heute jedes Mobilgerät einen Lautsprecher, der auf jeden Fall sehr laut plärren kann. Zum anderen gibt es seit Jahren extrem günstige Bluetooth-Lautsprecher, die von der Jugend gerne angenommen werden. Wie oft mir allein im städtischen Gebiet heutzutage junge Leute auffallen, die über mobile Lautsprecher ihre Musik lautstark für alle Mitmenschen zu hören konsumieren, kann ich nach kürzester Zeit schon nicht mehr an einer Hand abzählen.

Laut, aber bitte für alle

Auch die eigentlich sehr kleinen Lautsprecher in Smartphones sind zunehmend ein lautstarker Faktor im Alltag, der mir nicht mehr selten auf die Eier geht. So deutlich muss man das sagen. Ob nun Eltern ihren Kindern Tablet oder Smartphone in die Hände drücken, die damit wiederum Videos in voller Lautstärke anhören. Oder ob Erwachsene einfach Sprachnachrichten oder ihre per Messenger erhaltenen Videos in voller Lautstärke hören – es nervt jeden Tag sehr.

Dabei fällt auf, dass den Leuten ihre Umgebung komplett egal ist. Ob sich jemand von Musik, Videos oder Sprachnachrichten in übertriebener Lautstärke gestört fühlen könnte, gerade in Restaurants, Cafés oder schlicht im Garten nebenan, scheint heutzutage einfach keine Rolle mehr zu spielen. Wir sind fokussiert auf uns selbst, auf unsere mobile virtuelle Welt, vergessen das Drumherum komplett. Ein recht respektloser Umgang im Leben miteinander, meint auch Michael Spehr in der FAZ.

„Das Freisprechgeplärre ist die aggressive akustische Besetzung eines Raums, den man nicht hat. Noch nie ließen sich Frechheit und Selbstgefälligkeit so einfach zur Schau stellen.“

Denny Fischer

Gründer Smartdroid.de, bloggt seit 2008 täglich über Smartphones, Android und ähnliche Themen.

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1 Kommentar

  1. Lieber Denny Fischer. Sie sprechen mir absolut aus dem Herzen. Verrohung der Sitten nennt man das wohl. Aber gerade jetzt in der Corona Zeit hat sich ja ein Großteil unsere Gesellschaft sowieso als überwiegend egoistisch mit viel Ellenbogen herausgestellt.

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