Vielen ist schleierhaft, wie ein Blog überhaupt Geld verdienen kann. Noch mehr Fragen wirft die aktuelle Krise auf. Welche Auswirkungen sind spürbar?

Schon immer werde ich gefragt, ob man damit Geld verdienen kann. Gemeint ist mein Blog und was ich damit mache. Im Grunde genommen schreibe ich Dinge über Themen ins Internet, wie es auch viele andere tun. Das lässt sich zu Geld machen. Entweder über Sponsored-Posts oder mit Bannerwerbung / Affiliate. Für beides braucht es eine gewisse Reichweite, damit die ganze Arbeit auch lohnenswert für einen sein kann. Lohnenswert in dem Sinne, dass es nicht um Reichtum geht. Sondern um ein gutes Leben von selbstständiger Arbeit.

Ich kann davon leben, in meinen Augen sehr gut sogar. Jedenfalls dort, wo ich aktuell und mein ganzes Leben schon wohne. Eine durch die Autoindustrie belebte aber seit der Wende auch stark gebeutelte Region. Noch sind hier Mieten bezahlbar, wie auch der Besuch im Restaurant. Es gibt alles, wir haben alles. In München könnte ich mit meinem Einkommen vermutlich nicht in der Innenstadt wohnen und das auch nicht auf 100 Quadratmetern. Eins ist nämlich auch klar: Meine Art von Einkommen orientiert sich nicht an meinem Standort.

Das gilt im Grunde genommen auch für ein paar Kollegen aus meiner Branche, wie Caschys Blog und mobiFlip. Nur sind dort die Teams etwas größer als zwei, die finanzielle Verantwortung ist also schon eine andere. Und ja, wir sind hier bei Smartdroid wieder zu zweit. Nachdem Jonathan für eine Weile abwesend war und wir gewisse Dinge besprechen bzw. aus der Welt schaffen musste, wagen wir jetzt den gemeinsamen Neuanfang. Eine bessere Struktur in der gemeinsamen Arbeit ist die Basis hierfür, organisatorisch und finanziell gleichermaßen.

Es fehlt nicht an Inhalten, Arbeit und Klicks

Wenn nämlich ein Punkt nicht auf die Tech-Branche während der Corona-Krise zutrifft, dann ist es ein Mangel an Arbeit und Aufgaben. Ich hatte gelesen, es fehle aktuell an Inhalten. Klar, große Messen wurden abgesagt. Aber keiner der großen und auch kleineren Hersteller hatte sich deshalb zurückgehalten, jeder hat seine neuen Geräte vorgestellt und das ganze Geschäft läuft zum großen Teil wie gewohnt weiter. Es fehlt nicht an Inhalten, es fehlt nicht an Arbeit. Auch deshalb gibt es hier bei uns den angesprochenen Neuanfang mit Jonathan.

Es fehlt in meinen Augen auch nicht an Klicks. Natürlich wurden in der Anfangszeit der Krise andere Themen stärker konsumiert, aber die Leute konsumieren aktuell Medien insgesamt viel mehr. Im vergangenen März war unser stärkster Monat mit erstmals über einer Million Seitenaufrufe, auch in diesem Bereich besorgt uns die Corona-Krise zunächst keine Sorgen und die Lage entspannt sich zunehmend in den nächsten Wochen. Nehmen wir größere Seiten her, dann haben die aufgrund von Corona teilweise sogar viel Geld gespart und die Redakteure konnten sich auf Inhalte statt Reisen konzentrieren.

Es ist ohnehin normal, dass Seitenaufrufe schwanken. Viele sind stark von Google als Traffic-Zubringer und deren Algorithmen abhängig. Ich kann euch dazu jedenfalls sagen, dass die Welt von heute Morgen schon heute Abend ganz anders aussehen kann. Zumindest im Bereich der Besucherzahlen. Ein schlechter Monat oder ein paar schlechte Wochen müssen für eine einzelne Webseite nicht darauf zurückzuführen sein, dass gerade weltweit ein gemeinsames Thema besonders stark wiegt. Es sind so viele Faktoren entscheidend, die sich manchmal wöchentlich ändern.

Geld ausgeben ist gerade uncool

Was aktuell wirklich fehlt, sind Kaufkraft und der Wille noch Geld in den Markt zu bringen. Aber auch das ist nicht seit März spürbar, sondern erst seit April. In unserem Business wird Geld im Grunde genommen quartalsweise eingeplant. Anfang des Jahres hatten Unternehmen ihre Werbebudgets, von denen wir aufgrund unserer Werbebanner zu locker 70 % abhängig sind, bis Ende März eingeplant. Weswegen im März von Corona fast nichts zu spüren war, höchstens in den letzten Tagen, als aber auch die Budgets langsam ausliefen.

Erst mit dem zweiten Quartal kommt’s mit voller Kraft. Es ist Ostern, viele neue Hardware ist im Markt, doch der Gaul lahmt. Eine für uns wichtige Kennziffer ist der Preis pro 1000 Kontakte. Adsense nennt das RPM: „Umsatz pro 1000 Impressionen für Seiten“. Diese Kennziffer ist stark eingebrochen, wir erreichen aktuell nur ca. 54 % des RPMs aus dem vergleichbaren Zeitraum 2019. Das muss allerdings keinen Umsatzeinbruch zur Folge haben, denn mit einem Plus an Besuchern lässt sich dieses Defizit teilweise abgefangen.

Aber um das Thema zum Abschluss zu bringen. Ja, auch wir verdienen vorerst deutlich weniger Geld, als das normalerweise in diesem Zeitraum der Fall wäre. Werbepreise sinken und fallen über das gesamte Jahr hinweg, für uns ist das zunächst ein vorgezogenes Sommerloch. Weil wir aber keinen großen Kostenapparat aufgebaut haben, insbesondere keine Büros besitzen, ist der Einschnitt für uns aktuell überschaubar. Es gibt halt weniger Geld, damit kann man leben. Zumindest sollte das möglich sein, für Selbstständige / Kleinunternehmer ist ein Puffer für mehrere Monate ein Muss.

Zur weiteren Erklärung: Unsere Umsätze stammen in erster Linie von Werbebannern, die komplett automatisiert laufen. Ein weiterer Teil sind vergütete Verkäufe. Von den meisten Online-Shops, auf dir umleiten, erhalten wir für erfolgreiche Käufe eine Provision. Für Letzteres haben erste Agenturen eine Verzögerung der Auszahlungen angekündigt, die tatsächlichen Auswirkungen zeigen sich wahrscheinlich erst später.

Denny Fischer

Gründer Smartdroid.de, bloggt seit 2008 täglich über Smartphones, Android und ähnliche Themen.

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