Es ist ganz offensichtlich kein so ungefährliches Geschäft, wie es scheint. Dabei gibt es gar nicht so wenige: Die Rede ist von sogenannten Leakern, die vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin auf meist zwielichtige Weise an Informationen zu technischen Innovationen gelangt sind und sie dann auf Twitter- oder Weibo-Kanälen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Dabei kann es sich um Spezifikationen handeln, Hinweise zu Teilen der Lieferkette oder sogar um echtes Pressematerial.

Teils hat sich diese ganze Leak-Maschinerie auch zu einem wichtigen Faktor entwickelt, um den Hype vor dem Release eines Smartphones ordentlich anzukurbeln. Doch es passt den betroffenen Unternehmen wohl nicht immer in den Kram. Wie jetzt bekannt wurde, hat Xiaomi Indien einem nicht gerade kleinen Leaker mit rund 35 Tausend Followern auf Twitter einen amtlichen Brief zukommen lassen. Titel: „Tweets on Twitter regarding the launch and pricing of the POCO M3 Pro („Phone“)“

Leaker soll nie wieder leaken

Kurz zuvor habe Sudhanshu Ambhore schon eine DMCA-Mitteilung seitens Xiaomi wegen der Verbreitung von urheberrechtlich geschütztem Material bekommen. Es sei jedoch das erste Mal, dass er überhaupt eine Abmahnung wegen eines Leaks erhalten habe. Ambhore weist außerdem darauf hin, dass er kein Embargo oder NDA unterzeichnet habe, wie es ansonsten üblich ist.

Auf dieser rechtlichen Grundlage erhalten Pressevertreter in der Regel frühzeitig Informationen zu unveröffentlichten Geräten, verpflichten sich aber, nichts zu verraten. Der rechtliche Hinweis beinhalte übrigens nicht nur, die bestehenden Tweets zu löschen, sondern auch, von Leaks in Zukunft abzusehen.

Leak vom Mi 10 Ultra: Blogger soll 150.000 Dollar zahlen

In diesem Falle ging es um das Poco M3 Pro, doch auch andere Smartphones sind in der Vergangenheit geleakt worden, wonach der Hersteller Maßnahmen ergriffen hatte. Erst vor wenigen Wochen wurde ein chinesischer Blogger zu einer Zahlung von satten 150.000 Dollar aufgefordert, nachdem dieser Material zum Xiaomi Mi 10 Ultra verbreitet hatte.

Was meint ihr – sollte man mit solchen rechtlichen Maßnahmen als Leaker rechnen müssen oder ist das von Xiaomi völlig daneben?

(via)

Jonathan Kemper

Studiert Technikjournalismus, bloggt über Smartphones, Apps und Gadgets, seit 2018 mit regelmäßigen News und ausführlichen Testberichten bei SmartDroid.de an Bord.

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4 Kommentare

  1. Einschüchterung von missliebigen Schreibern oder Rednern durch Missbrauch des Rechtssystems ist doch heute Standard, nicht nur in China. Ganz besonders wenn es gegen den Rivalen Indien geht.

    Aber DRM, Filter, Formulierungsverbote und Leistungsschutzrecht wird auch uns noch viel, ähm, Spaß bringen. Danke für erfolgreiches Lobbying, an die Industrievertreter, für „werbefreundliches Internet“. Dazu gerade passend gelesen, die Durchsuchung von Nutzerinhalten durch Provider wird wieder salonfähig, könnte ja was Strafbares enthalten sein.

    Blogger die nicht rechtzeitig zum Werbeanhängsel von Unternehmen werden und mehr machen wollen, als Presseverlautbarungen umzuformulieren, sollten sich langsam einen anderen Tätigkeitsbereich suchen. Ist ja schon jetz schlimm genug bei so etlichen „Tests“ im Internet.

  2. Ich frage mich welche rechtliche Handhabe die Hersteller dagegen haben wollen. Solange die Blogger/Twitterer/YouTuber kein NDA (Non disclosure agreement) des Herstellers unterschrieben haben dürfte es wohl schwierig sein sie dafür zu belangen. Zumindest hier in Europa. Wie die rechtliche Situation in China oder Indien aussieht weiß ich natürlich nicht.

    1. @Chris „Solange die Blogger/Twitterer/YouTuber kein NDA (Non disclosure agreement) des Herstellers unterschrieben haben“

      Geheimnisverrat, damit Terrorverdacht, ab ins Foltergefängnis. Frag‘ mal Manning, Snowden und Assange, wie das auch bei uns so läuft. Oder Erdogan, Putin, Lukaschenko. Richtung Osten kommt gerne noch ein internationaler Haftbefehl dazu, um unser System endgültig lächerlich zu machen.

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