Eine halbe Ewigkeit war nun die Xiaomi Yi Kamera bei uns im Test, ein Konkurrent zur weltbekannten und sehr erfolgreichen GoPro. Wenn man an Action-Cams denkt, dann natürlich immer sofort an die GoPro Hero-Geräte, doch es gibt auch sehr gute und vor allem deutlich günstigere Alternativen. Es muss eben nicht immer das beste Gerät sein, wie uns auch die Yi Camera im Test deutlich bewiesen hat. Es gibt hier und da ein paar Schwächen, doch man bekommt recht viel für den Preis von ungefähr 70 Euro. Ein Nachteil ist aber, dass die Yi Kamera offiziell hierzulande nicht erhältlich ist, was aber eigentlich kein Problem darstellt.

Passenderweise hatte erst ich Urlaub, in Schweden und Norwegen, danach war die Kamera noch bei einem alten Schulkameraden mit in Frankreich unterwegs. Deshalb haben wir mehr oder weniger einen doppelten Test auf die Beine stellen können. Folgend haben wir hoffentlich alle wichtigen Punkte abdecken können. Viel Spaß damit!

Design / technische Daten

Natürlich fällt das typische Design sofort ins Auge, die Yi Kamera kommt der GoPro recht nahe und hat den typischen Aufbau eines solchen Gerätes. Anders als der Preis vermuten lässt, kann sich die Verarbeitung aber wirklich sehen lassen. Das Gehäuse wirkt gut verarbeitet, die Tasten sitzen fest und haben einen guten Druckpunkt, auch der Rest ist einfach Oberklasse. Ein klarer Vorteil, den auch Alex (unser zweiter Tester der Cam) anspricht, ist das GoPro-Format. Man kann sich quasi das gleiche originale Zubehör kaufen, wie etwa ein wasserdichtes Gehäuse. Es braucht kein auf die Yi Kamera zugeschnittenes Zubehör. Das machts natürlich besonders einfach.

Ich hatte mir ein Paket im Wert von nur 22 Euro gekauft, mit Brustgurt, Kopfgurt und anderen Halterungen. Qualitativ für den Hausgebrauch ausreichend, für etwas mehr Action aber wohl nicht. Beim Fußball hat der Brustgurt gut gehalten, nur waren die Bilder zu stark verwackelt. Wenn Wasser ins Spiel kommt, sieht das schon anders aus. Alex musste im Surfurlaub feststellen, dass es doch deutliche Unterschiede zu hochwertigeren Zubehör geben kann.

Als richtig toll empfinde ich, dass die Cam in GoPro Optik gehalten ist und somit mit dem wasserdichten Case die Standardanschlüsse aufnimmt, die auch von der GoPro etabliert sind. Das wertet das ganze System extrem auf, da somit je nach Gebrauch Orginal GoPro Halterungen verwendet werden können. Beim billigen Zubehör ist nach 10 Tagen Salzwasser der Feststellbolzen schon gut angerostet und eine Klemme habe ich sofort bei der ersten Montage an meinem Surfboard zerbrochen.

Technische Daten

  • 155° Linse, Sony Exmor R-Sensor, 16 MP
  • 1080p bei maximal 60 fps, kein 4K
  • 120 fps bei 720p, 240 fps bei nur 480p
  • Akku hat 1010 mAh (austauschbar)
  • microSD-Slot (maximal 64 GB)
  • WLAN, HDMI mini, microUSB
  • 72 g, zwei Tasten

Nutzung / Akku / Bildqualität

Im Alltag bringt eine solche Kamera natürlich ein paar Vor- und auch Nachteile mit sich. Das fehlende Display beispielsweise erlaubt die Konfiguration der Kamera ausschließlich über die Android-App. Dafür muss die Kamera gestartet werden, WLAN aktiv sein, schon kann man Smartphone und Kamera verbinden. Innerhalb der App gibt es die Einstellungen und auch das Live-Bild der Kamera, was manchmal zur optimalen Ausrichtung ganz praktisch ist. Leider hat die Kamera beim Akkuwechsel hin und wieder die Einstellungen verloren, was echt nervig sein kann und auch einfach nicht sein sollte.

Super ist auch, dass die Cam über ein W-Lan Modul verfügt und somit von einer App aus gesteuert werden kann. Alle Kameraeinstellungen können in dieser App verstellt werden. Aber auch aufgenommene Fotos und Videos können direkt angeschaut werden. Dabei ergibt sich ein kleiner Schwachpunkt, denn nur Videos in voller Auflösung bis 24 fps können direkt angeschaut werden, Filme mit 60 fps müssen erst auf das Handy heruntergeladen werden um sie anzuschauen.

Die Kamera ist in wenigen Sekunden gestartet, per Audiosignal kann man sich jede Eingabe optional bestätigen lassen, denn die verbauten LEDs sieht man im Tageslicht kaum. Auf der Oberseite ist ein Auslöser, mit der Taste an der Vorderseite kann man zwischen Foto/Video hin- und herschalten sowie die Kamera an- und ausschalten (signalisiert zusätzlich durch farbige LED den Akkustand). An der linken Seite gibt es noch eine Taste um das WLAN zu steuern, was sich aber auch auf aus und an beschränkt. Die Steuerung hat man also recht schnell intus, sie ist letztlich sehr simpel.

Der verbaute Akku hat eine Kapazität von 1010 mAh und kann recht einfach über eine kleine Klappe an der Rückseite getauscht werden. Das muss er auch an langen Tagen durchaus öfter, je nachdem wie viel man filmt oder Fotos schießt. Wer die Kamera dabei dauerhaft angeschaltet lässt, kann schon nach wenigen Stunden leerlaufen. Alex hatte im Test viel gefilmt, spätestens nach 90 Minuten Full HD-Aufnahme musste ein neuer Akku rein.

[…] Problem ergibt sich aus der nicht allzu langen Akkulaufzeit, diese liegt im Durchschnitt so bei 1,5 h wenn nicht durchgängig gefilmt wird und das W-Lan Modul ausgeschaltet ist.

Kommen wir zum wohl interessantesten Punkt, denn auf welchem Niveau liegt eigentlich die Bildqualität? Wir haben für euch mal ein kurzes Video zusammengeschnitten, in welchem ein paar actionreichere Aufnahmen vorhanden sind. Des Weiteren gibt es hier bei Google Photos ein kleines Paket an Aufnahmen. Alex und ich sind uns einig, die Qualität der Aufnahmen kann sich angesichts des Preises der Kamera durchaus sehen lassen. Lediglich in dunklen Umgebungen hat der Sony-Sensor zu kämpfen.

UPDATE: Wir haben tatsächlich völlig vergessen auch mal Ton mit der Kamera aufzuzeichnen. Aber dann kam Kollege Udo daher, der mal seinen Arbeitstag ein wenig mit der Yi Camera gefilmt hat, mit deutlich mehr Ton über die integrierten Mikrofone.

https://www.youtube.com/watch?v=1YM9t47mzFM

Sonstiges

Nicht ganz frei von Bugs ist die Yi Kamera. Ab und zu gehen Einstellungen beim Akkuwechsel verloren, bei mir hat sich die Kamera hin und wieder mal aufgehangen oder wollte an einem einzigen Tag auch mal keine Videos länger als 30 Sekunden aufzeichnen. Kann nervig sein, allerdings gibt es in regelmäßigen Abständen Firmware-Updates, sodass man fest davon ausgehen kann, dass Xiaomi weiterhin am Gerät entwickelt, arbeitet und verbessert.

Fazit

Für 100 Euro kann man neben einer Kamera schon Zusatzakkus und auch diverses Zubehör bekommen. Was bekommt man bei GoPro für so wenig Geld? Nichts. Zumindest keine Kamera. Der Unterschied ist also klar. Sicherlich wird man auch bei diversen Faktoren, wie etwa der Bildqualität, entsprechende Unterschiede sehen. Für Einsteiger oder Hobbyfilmer dürfte das aber kaum eine Rolle spielen. Alex und ich sind zufrieden, die Kamera hat sich insgesamt sehr gut geschlagen und ist durchaus zu empfehlen.

Die Yi Cam ist Klasse und durch ihren viel geringeren Preis nicht nur eine Alternative zur GoPro, sondern ein echter Konkurrent für alle, die keine professionelle Nutzung anstreben, sondern nur coole Videos machen wollen. Für den Preis nehme ich gern ein paar Macken in Kauf.

Meine Kamera hab ich bei TradingShenzhen gekauft (liefern aus China), alternativ kann man sich das Teil aber auch bei GearBest aus einem EU Lager senden lassen.

Disclaimer: Die Kamera wurde uns im Zuge des PayPal Trendscout zur Verfügung gestellt.

Denny Fischer

Gründer und amtierender Chef von SmartDroid.de, bloggt hier und nur hier seit 2008. Alle Anfragen an mich, in den Kommentaren oder über die verlinkten Netzwerke.

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