Eigentlich war in Deutschland die Kritik an der Tariflandschaft immer groß, weil die angebotenen Tarife für vergleichsweise hohe Preise viel zu wenig Datenvolumen inklusive haben. Aber müssen wir auf die Angebote ganz anders schauen? In einer neuen Studie von Verivox heißt es nämlich, dass die meisten deutschen Mobilfunkkunden zu viel bezahlen, weil sie völlig überdimensionierte Tarife buchen. Ist da was dran?

Rund 3 GB Datenvolumen soll der deutschen Smartphone-Besitzer im Monat nur benötigen. Die verfügbaren Tarife der Netzbetreiber sind mit durchschnittlich 23 GB Datenvolumen daher völlig überzogen. Daraus könnte man schließen, dass die meisten Nutzer einen Tarif haben, der aufgrund von zu viel Datenvolumen zu teuer ist. Wenn dem so ist, was sind die Gründe für diese offensichtliche Fehlentscheidung auf Kundenseite?

Einmalpreis für neue Smartphones wohl ein großer Faktor

Logisch. Wenn ich mit 3 GB jeden Monat auskomme, sollte ich nicht einen 10 GB Tarif gebucht haben. Die Auswahl an kleinen Tarifen ist allerdings geschrumpft. 3 GB gibt es heute in der Regel bei den Netzbetreibern mindestens, meist liegt der Einstieg schon höher. Tatsächlich läge der gebuchte Schnitt bei mindestens 14 GB Datenvolumen, Telefonica-Kunden haben im Schnitt sogar 38 GB gebucht.

Ein Faktor für diese Buchungen soll sein, dass damit der Einmalpreis neuer Smartphones günstiger ausfällt. Die Leute scheinen darüber ihre neue Hardware zu subventionieren. Auch wenn sie die hohen Kosten für neue Smartphone damit eigentlich nur umlegen und diesen nicht tatsächlich aus dem Weg gehen. Die monatlich hohen Kosten scheinen leichter verdaulich.

„Um den Einmalpreis eines Geräts so niedrig wie möglich zu halten, buchen Kunden hochpreisige Tarife. Diese enthalten große Datenbudgets, die oft kaum genutzt werden“. – Jens-Uwe Theumer, Verivox

Wie immer gilt: Preisvergleich und Analyse der eigenen Nutzung

Ausnahmen bestätigen die Regel. Ein paar von euch werden richtig dickes Datenvolumen benötigen, das steht außer Frage. Viele haben allerdings ein Wlan in den heimischen vier Wänden und können auf Arbeit das Smartphone gar nicht verwenden. So kommt es natürlich zu starken Verschiebungen, was den tatsächlichen Bedarf angeht. Ich sehe im privaten Umfeld aber auch, dass die Leute entweder hemmungslos veraltete Tarife haben oder völlig überdimensionierte.

Immer ist es schlau, Preise zu vergleichen. Checkt außerdem euren tatsächlichen Verbrauch, das geht in den Einstellungen des Smartphones. Seid ihr unsicher, sucht ihr euch einen Mobilfunkanbieter mit flexiblen Angeboten. Außerdem muss es nicht immer das teure Highend-Smartphone sein, heute gibt es eine verdammt attraktive Mittelklasse mit viel Systemleistung und guten Kameras.

via Spiegel

Denny Fischer

Gründer und amtierender Chef von SmartDroid.de, bloggt hier und nur hier seit 2008. Alle Anfragen an mich, in den Kommentaren oder über die verlinkten Netzwerke.

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1 Kommentar

  1. Ich trenne seit Jahren zwischen Gerät(en) und Vertrag. So bin ich deutlich flexibler und fahre damit normalerweise auch günstiger. als mit den Kombi-„Angeboten“.

    Viel wichtiger als unendliche GB sind mir z.B. kostenlose Multi-SIM, damit ich Android-Smartphone, Apple iPad, Notfall-Handy und Co. mit dem selben Vertrag nutzen kann.

    Berechnungen mit Schlussfolgerungen, wie: „Rund 3 GB Datenvolumen soll der deutschen Smartphone-Besitzer im Monat nur benötigen.“ sind in Hinsicht auf aktuelle, wie zukünftig zu erwartende Technologieentwicklungen schon jetzt ähnlich komisch, wie frühere Aussagen zu Computern („„Ich glaube, dass es auf der Welt einen Bedarf von vielleicht fünf Computern geben wird.“ – Thomas J. Watson/IBM, 1965) oder Arbeitsspeicher („640 KB RAM sollten für jedermann ausreichen.“ – Bill Gates zugeschrieben, der dies aber mittlerweile bestreitet).

    Bei meinem ersten Smartphone, einem iPhone 3 GS, kam ich mit 500 MB (!) Volumen locker über den Monat. Schon zwei Jahre später, mit dem iPhone 4S, gelang es mir, gelegentlich die Bremse bei 1 GB zu aktivieren. Heute habe ich ein Datenvolumen von 20 GB, dass sich zwei Geräte (Samsung Galaxy Note 10 Lite und iPad Mini 5 Cellular) teilen. Noch reicht das für meinen Bedarf locker. Wenn der 5G-Zug in zwei, drei Jahren auch auf Smartphones, Tablets und Notebooks richtig losfährt, sind heutige 20 GB-Verträge aber ganz schnell lächerlich klein und Daten-Flatrates werden immer üblicher werden (müssen).

    P.S.: Ist es eigentlich Zufall, dass – zumindest bei mir – über und unter diesem Artikel Werbung für einen 4 GB-Tarif von Freenet Mobile erscheint? Man könnte ja auf die Idee kommen, dass redaktioneller Teil und Werbebotschaft miteinander verwoben sind…

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