Immer mehr Gegenwind: Der Kampf gegen den Touchscreen im Auto hat gerade erst begonnen

BMW Infotainment Bildschirm Hero

Bild: BMW, Edit: SmartDroid

Man müsste meinen, dass eine an der Touchscreen-Revolution beteiligte Person überall Touch möchte, doch der ehemalige Apple-Designer Jony Ive überrascht.

Generell spaltet sich die Automobilgesellschaft gerade wieder. Hat man vor wenigen Jahren noch alles krampfhaft auf Touch umrüsten wollen, dazu gehörten Bedienteile für die Klimaanlage, die Tasten am Lenkrad und sogar Tasten in der Türtafel, wächst gerade der Widerstand erheblich, gegen Bildschirme und Bedieneinheiten mit Touch.

Hyundai wird ab dem IONIQ 3 zwar einen großen zentralen Bildschirm einsetzen, bringt dafür wieder klassische Kippschalter für die Klimaanlage zurück und Walzen auf das Lenkrad. VW tut es den Südkoreanern gleich, mit dem ID. Polo kehren Schalter, Walzen und Tasten zurück ins Cockpit der Wolfsburger.

Der aktuelle IONIQ 5 ist ein Mix aus haptischen Bedienelementen, gepaart mit Touch bei der Klima:

Hyundai IONIQ 5 Cockpit

Bei Konzernmarken wie Audi ist es ähnlich. Dort hat man gerade ein neues Lenkrad eingeführt, das wieder weniger Touch-Bedienelemente mitbringt und der Chefdesigner spricht sich für eine Zukunft mit weniger Bildschirm-Dominanz aus. Selbst Mercedes, deren Cockpit quasi nur noch aus Bildschirm besteht, hat man zuletzt ein Lenkrad mit klassischen Bedienelementen wieder eingeführt.

Ein typischer, großer Touchscreen im Auto, in diesem Fall bei BMW:

BMW Infotainment Bildschirm

Nicht alle gehen denselben Weg, Porsche führt mit dem Cayenne Electric beispielsweise einen deutlich größeren Touch-Fokus ein. Aber wir sehen dennoch mehr Gegenwind, neuerdings auch von denen, die einen erheblichen Teil zur Touch-Revolution beigetragen haben. Jony Ive, früher Apple und heute am ersten Elektro-Ferrari beteiligt, hält Touch im Auto für eine schlechte Entscheidung.

Er bemängelt, dass große Bildschirme oft nur aus Modegründen verbaut werden und den Fahrer zwingen, den Blick von der Straße abzuwenden, was ein grundlegendes Sicherheitsrisiko darstelle. Das Cockpit des Ferrari Luce setzt konsequent auf physische Bedienelemente wie gefräste Aluminium-Kippschalter, Drehregler und mechanische Tasten.

Ive setzt im Auto auf „Muscle Memory“. Funktionen lassen sich durch das Tastgefühl blind bedienen. Der Touchscreen übernimmt lediglich sekundäre Aufgaben wie tiefergehende Einstellungen oder Navigation. Was die Ansicht von Ive untermauert, dass der Touchscreen nicht die richtige Technologie im Auto für primäre Funktionen sei.

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