Mit dieser Saison der Bundesliga endet, dass ich jedes Spiel meines Herzensvereins anschaue. Das Geschäft hat mir meine Leidenschaft zerstört. Es ist schon irgendwie komisch, dass ich meinen beruflichen Alltag vorrangig mit Konsumprodukten verbringe und dabei viel Spaß habe, dennoch zugleich sagen muss, dass mich der extreme Konsum immer weiter von meinem Lieblingsverein und letztlich meiner sportlichen Leidenschaft wegholt. Wir sind an einem Punkt angekommen, der für mich nicht mehr vereinbar ist.

Vor einigen Wochen sagte ich, dass mein Sky-Abonnement nach gut zehn Jahren endet. Und ich bin derzeit nicht bereit, dieses zu erneuern, um meinen BVB weiter anzuschauen. Das mag zwar auch sportliche Gründe haben, doch vorrangig liegt es am gesamten Geschäft des Profifußballs. Alles dreht sich nur noch um Transfers, ums Geld, um höher, schneller, weiter. Eine Mannschaft mit Figuren, die für den Verein stehen, gibt es schon lange nicht mehr. Das gibt es nicht einmal mehr auf der Trainerbank. Bei anderen Vereinen werden sogar Vorstand und Geschäftsführung in aller Regelmäßigkeit aussortiert.

1997 war mein erstes Spiel in Dortmund, damals war ich gerade acht Jahre alt:

Dabei seit meiner Kindheit, aber langsam gehts nicht mehr

Selbst wenn es gute Spielzeiten gibt, bei denen man der Mannschaft gerne zuschaut, hat das seit vielen Jahren einen faden Beigeschmack. Denn es ist sicher, dass eine Saison später alles wieder anders ist. Wichtige Leistungsträger werden wieder abgegeben, neue Talente müssen diese Plätze füllen. Der Transfer fürs große Geld ist wichtiger als eine dauerhafte Verbundenheit auf dem Platz und mit den Fans. Gerade Borussia Dortmund hat sich zu einem Durchlauferhitzer für große Talente entwickelt – in beide Richtungen.

Und wenn ich dann doch mal ein Spieler wirklich gut entwickelt, wie es bei Mario Götze, Ousmane Dembele, Robert Lewandowski, Jadon Sancho, Erling Haaland und viel anderen der Fall war, ist der zeitnah bevorstehende Transfer so sicher wie das Amen in der Kirche. Schon mit dem ersten guten Spiel des jeweiligen Spielers gibt es fast täglich erfundene Gerüchte, die alle Sportjournalisten gerne verarbeiten. Hinten runter fällt dann wirklich alles, was diesen Sport und ganz besonders diesen Verein eigentlich mal ausgemacht hat.

Geschäft ist Geschäft: Der Fußball ist abgerutscht

Ich bin kein Tagträumer. Kapitalismus bringt mit, dass sich populäre Dinge zwangsläufig zu einem Produkt entwickeln und kommerzialisiert werden. Dennoch stellt sich die Frage, ob dieser Weg bis aufs äußerste mitgegangen werden muss. In Dortmund spricht man gerne davon, vorne mitspielen zu wollen. National und international. Dabei scheint man aber außer acht zu lassen, dass das kaum funktioniert, wenn sich nie wieder ein Team bilden kann, weil Transfererlöse wichtiger scheinen.

Dann sind da noch viele andere Punkte, die nur noch Geschäft sind. Zum Beispiel aktuell: Solidarität mit der Ukraine. Da hat man tatsächlich nur das 1&1 Sponsorenlogo eingefärbt, aber nicht einen großen Teil des Trikots. Nach einem Benefizspiel im April war das mit der Solidarität wieder vorbei. Dortmund spielt wieder mit dem normalen 1& Logo – aber nicht in Blau-Weiß. In anderen Ländern geht man aus Solidarität für Black Lives Matter sogar nach Jahren noch auf die Knie. Für die Ukraine waren immerhin zwei Monate drin.

Apropos Trikot. Für das aktuelle Pokaltrikot hat sich nicht nur der BVB an seinen Ausrüster „verscherbelt“. Ein Trikot ohne Wappen, dafür in der Außendarstellung exakt wie andere Vereine des Ausrüsters aufzutreten, nimmt dem BVB ausgerechnet international den letzten Rest eigene Identität.

Zu guter Letzt wäre da auch noch das komplett desolate TV-Geschäft. Geld frisst Hirn ist die Devise der letzten Jahre und das merken Fans heute besonders stark. Ich hatte auch zu diesem Thema bereits einige Kommentare hier im Blog hinterlassen. Ich musste in der jetzt fast vergangenen Saison auf vier Dienste zurückgreifen, um alle Spiele des BVB sehen zu können. Als wäre das nicht genug, kommen technische und andere Unzulänglichkeiten hinzu, mit denen man zum Beispiel bei Sky leben muss.

Für mich ist das Maß voll. Ich werde mich zukünftig mehr dem lokalen Verein FSV Zwickau zuwenden, häufiger ins Stadion gehen und das derzeit noch etwas weniger stark belastete Leben in der dritten Liga genießen. Was im Oberhaus passiert, gucke ich mir dann maximal noch wegen des Unterhaltungswertes an.

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Denny Fischer

Gründer und amtierender Chef von SmartDroid.de, bloggt hier und nur hier seit 2008. Alle Anfragen an mich, in den Kommentaren oder über die verlinkten Netzwerke.

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3 Kommentare

  1. Ich bezahle schon lange nicht mehr für eine Fussballübertragung. Zum einen, zu teuer, zum anderen, in welcher Mannschaft gibt es noch eigene Urgesteine, von Müller bei Bayern einmal abgesehen. Es macht einfach keinen Spaß, jedes Jahr eine andere Mannschaft auf dem Platz zu sehen. Dabei fange ich noch nicht einmal mit dem Kommerz an, Geld geht über alles.

  2. So gern wie ich bvb Fan bin. Leider hat der bvb nicht das Prestige eines FC Bayern, Barcelona Real Madrid oder den beiden Manchester Clubs daher bleibt dem bvb nichts anderes übrig um so zu kaufen oder verkaufen wie er es momentan und in den letzten Jahren gemacht haven

  3. Ich bin mit meinem Verein in die Oberliga abgestiegen, da gibt es inzwischen für wenig Geld ordentliche Liveübertragungen (eine Kamera, aber mit Wiederholung) oder man geht ins Stadion. Es gibt viele Derbys. Nur das mit den Typen in der Mannschaft klappt auch immer weniger. Macht aber viel mehr Spaß als das Hochglanzprodukt, das sogar den 33. Spieltag auseinanderzieht, weil man die Spiele dadurch in Asien besser vermarkten kann (hallo, geht’s noch? Noch irgendjemand zu Hause?)

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