• Elon Musk hat sich für einen Milliardenbetrag Twitter-Anteile gekauft.
  • Jetzt ist er sogar im Aufsichtsrat.
  • Dabei hat er die Plattform in der Vergangenheit immer wieder scharf kritisiert.

„Das Twitter Musk Ding wäre doch voll deins“, schrieb mir Denny als Antwort, weil ich irgendwie mit der aktuellen Themenlage nicht so ganz zufrieden war. Klar, ich bewege mich auch beruflich viel durch die Social-Media-Welt und habe natürlich mitbekommen, dass sich der inzwischen reichste Mensch der Welt rund neun Prozent eines der ältesten Netzwerke gekauft hat. Aber was steckt da eigentlich hinter – und was hat das für Folgen? Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll.

Zunächst einmal: Ich halte Twitter für eins der wichtigsten, vielleicht sogar das wichtigste Netzwerk überhaupt. Was hier geschrieben wird, hat Gewicht. Hier sind nicht nur Promis unterwegs, sondern auch Päpste, Regierungschefs, ganze Staaten. Oder eben auch Leute wie Elon Musk (bei dem ich überhaupt nicht verstehe, wie er so viel Geld verdienen und trotzdem so viel Schrott tweeten kann).

Zu den wichtigen Ereignissen der jüngeren Vergangenheit Twitters gehören mindestens die Verbannung von Donald Trump (der inzwischen mit „Truth“ ein eigenes Alternativ-Netzwerk gestartet und dabei Twitter nicht nur optisch völlig dreist kopiert hat) und der Wechsel an der Spitze von Twitter. Der fast so sehr wie Musk polarisierende Jack Dorsey hatte den CEO-Posten an den (bis jetzt) in meinen Augen dagegen eher farblosen Parag Agrawal übergeben (nicht, dass das was Schlechtes sein muss).

Jetzt also wieder der Sprung in die Gegenwart. Musk hat mit gut 73 Millionen Aktien rund 9,2 Prozent des Unternehmens erworben, was sich wiederum in eine Investition von fast drei Milliarden Euro umrechnet. Unmittelbar nach Bekanntwerden stieg die Aktie von 35 auf 48 Euro – kein ungewöhnlicher Vorgang, wenn sich Musk an irgendetwas beteiligt oder auch nur eine noch so lächerlich wirkende Kryptowährung erwähnt.

Musk ist mit 80 Millionen Followern einer der einflussreichsten Nutzer der Plattform, was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass seine Tweets (leider?) kein PR-Team, sondern er höchstpersönlich verantwortet. Da hat er eben auch keine Berater, die ihn davon abhalten, Twitter als undemokratisch darzustellen.

Mit einer solchen Meinung hatte er jedoch offenbar die eines Großteils seiner Followerschaft wiedergegeben, wie eine Umfrage mit zwei Millionen Teilnehmern zeigte. Im Zuge dessen ließ er die Öffentlichkeit sogar vermuten, in einem Trump-ähnlichen Zug eine eigene Plattform zu starten – wenige Tage später überraschte er mit der Ankündigung, sich in Twitter eingekauft zu haben.

Mit 9,2 Prozent ist er nicht nur größter Aktionär, sondern wurde nun sogar in den Aufsichtsrat berufen. In Gesprächen in den letzten Wochen sei klar geworden, dass er dort sehr wertvoll sein würde, so CEO Agrawal. „Er ist sowohl ein leidenschaftlicher Anhänger als auch ein scharfer Kritiker des Dienstes, was genau das ist, was wir auf Twitter und in der Chefetage brauchen, um uns langfristig zu stärken.“

Musk kündigte daraufhin einige Verbesserungen in den nächsten Monaten an, wobei noch unklar ist, was er damit genau meint. Sein erster Tweet zum Thema auf seinem eigenen Account ließ die lange nachgefragte Möglichkeit erhoffen, dass Tweets künftig bearbeitet werden könnten (wobei es dafür eigentlich keinen größenwahnsinnigen Billionär benötigen sollte, um diese Funktion einzuführen). Schließlich gibt es auch genügend Gründe dagegen.

Das Ding mit Musk ist halt: Er prangert an, dass auf Twitter die Meinungsfreiheit nicht gewahrt würde, andererseits ist er sehr schnell dabei, Nutzer zu blocken, die ihn kritisieren. Mit der Macht, die Musk sich bei der Plattform erkauft hat, lässt sich nur noch schwer gewährleisten, dass er sich an die gleichen Regeln halten muss. Bis jetzt ist noch kein Fall bekannt geworden, dass Musk für einen Verstoß gegen die Community-Richtlinien in der Vergangenheit etwa gebannt wurde.

Ich bin selbstverständlich nicht der Einzige, der die Entwicklung mit Sorge betrachtet. In meiner Wahrnehmung entspricht das sogar eher der Meinung des Großteils der Twitternutzer, die in Musks Eingreifen nicht den Wert sehen, den der CEO angepriesen hatte. Gleichzeitig bin ich aber auch gespannt, wie sehr Musk wirklich ins Twittergeschäft eingreifen kann. Was haltet ihr von der Entscheidung? 

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Jonathan Kemper

Freier Technikjournalist, bloggt über Smartphones, Apps und Gadgets, seit 2018 mit regelmäßigen News und ausführlichen Testberichten bei SmartDroid.de an Bord.

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2 Kommentare

  1. Trump wurde es verboten zu tweeten, aber Putin ist nach wie vor okay. The Babylon Bee (konservativ christliches Online Satire Magazin) wurde es erst vor kurzem verboten zu tweeten, aber die kommunistische Partei Chinas, welche maßgeblich für das gegenwärtige abschlachten einer Minderheit (Uiguren) im eigenen Land verantwortlich ist, darf dies ruhig weiterhin tun. GOP-Mitglieder des Kongresses der Vereinigten Staaten von Amerika haben ebenfalls einen Twitter-Maulkorb erhalten, ABER der Ayatollah & die Taliban dürfen nach Herzenslust, so wie sie gerad‘ bock haben, munter drauf los tweeten.

    Dass Twitter es eindeutig auf konservative Personen abgesehen hat, steht denke ich mittlerweile außer Frage. Sie versuchen es ja nicht mal mehr zu verheimlichen.

    Und genau darum ist es jetzt richtig, wichtig & gut, dass Elon Musk diese ideologisch aufgeladene Twitter-Woke-Bubble sprengt. Dieser groteske circle jerk findet schon viel zu lange statt.

    Wenn eure Ideen so gut sind, wovor habt ihr dann so große Angst, hm?

  2. Für mich spiegelt der Artikel nur eine persönliche Meinung wieder. Nämlich die des Autors. Ich finde es gut das er dort ist wo er jetzt ist, vllt. hilft es ja das Twitter mal wieder das wird was es einmal war: Ein Kurznachrichtendienst im übertragenen Sinne.

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