Googles Zukunft: Pixel, Home, Wifi, Assistent, Daydream, Andromeda, Android

Einen Tag nach dem Event von Google wollen wir kurz rückblickend betrachten, was uns Google eigentlich in San Francisco präsentierte. Denn dieses Event war mehr als nur eine Vorstellung ein paar neuer Produkte, Google zeigte uns gleich eine Vielfalt neuer Geräte, die wir überall in unserem Alltag verwenden sollen, zudem einen Ausblick auf die eigene Zukunft. Natürlich liegt noch immer das Hauptaugenmerk auf den Pixel-Smartphones, die allerdings arg kritisch von vielen Beobachtern gesehen werden.

Zwar sind beide Smartphones echt gut, allerdings einfach zu teuer. Zudem zeigen sie, wie Google nun direkt zu Apple aufschließen möchte, was vielen Lesern bitter aufstößt. Des Weiteren kommen diese Smartphones mit einem Android 7.1, das es so direkt nicht für andere Geräte geben wird, zumindest nur mit weniger Funktionen. Da kommt natürlich sofort der Gedanke auf, ob sich Google nun auch noch selbst fragmentiert?

Nicht so richtig, denn die Nexus-Serie wird zukünftig nicht fortgeführt. Es wird also weiterhin eine Android-Version geben, die sich jeder Hersteller und Entwickler nehmen kann, wie auch eine durch Google angepasste Variante für die eigenen Geräte. Es ist allerdings fest damit zu rechnen, dass die Pixel-Geräte exklusiver als die bisherigen Nexus-Geräte sind, daher wohl nicht mehr unbedingt die erste Wahl für Entwickler sein werden. Mal abgesehen von der Preisstruktur.

Dieser neue Weg der Pixel-Smartphones zeigt zudem, wie sich Google tatsächlich stellenweise immer mehr verschließt. Die einst für Entwickler ins Leben gerufene Nexus-Serie wurde nun zur Pixel-Serie mit exklusiven Inhalten und Funktionen. Spricht nicht gerade für ein offenes Google der Zukunft, wenn es um Android-Geräte geht. Aber wie gesagt, das Android Open Source Project bleibt unverändert bestehen, Bootloader werden bei den Pixel-Geräten (aus dem Google Store) entsperrbar sein.

Ob es dabei bleibt, dass die Pixel-Smartphones exklusive Google-Funktionen haben, die andere Geräte eventuell gar nicht bekommen, werden wir abwarten müssen. Das neue Android 7.1 wird für die bisherigen Nexus-Geräte kommen, allerdings wohl nur in abgespeckter Variante.

Google Assistant und Home

Fließend können wir übergehen, denn der Google Assistant wird zunächst – mehr oder weniger – exklusiv auf den Pixel-Smartphones ausgeliefert. Was ist in Zukunft mit anderen Geräten? Diese Frage steht noch offen im Raum. Wir wissen nicht, ob Android 7.1 den Assistent auch auf die älteren Nexus-Geräte bringt. Auch ist nicht klar, ob der Assistent in Zukunft wie Google Now auf Geräten aller Hersteller zur Verfügung stehen wird oder dann vielleicht doch nur wie bisher über AlloIm Changelog zu Android 7.1 wird der Assistent jedenfalls nicht erwähnt, er ist ein produktspezifisches Feature der Pixel-Smartphones.

Naja gut, natürlich ist der Assistent nicht nur für die Smartphones verfügbar, sondern auch für Google Home. Der Konkurrent zu Amazon Echo wurde gestern samt Preis nochmals vorgestellt, für Deutschland ist das Produkt bislang aber nicht vorgesehen. Kommt sicherlich später. Google kann sich derweil von der Couch aus angucken, wie Amazon Echo in Deutschland und anderen Märkten angenommen wird.

Mag der Assistent aktuell ebenfalls noch sehr exklusiv sein, so wird er noch dieses Jahr über neue APIs für Entwickler zumindest teilweise geöffnet. Google sprach während der Präsentation beim Google Assistant sogar von einem offenen Ökosystem. Das klingt also nicht mehr so verschlossen, wie es auf den ersten Blick den Anschein machte.

Wifi

Google will in Zukunft auch unser Haus vernetzen, mit Google Home als zentralen Ansprechpartner und mit Google Wifi als drahtloses Verbindungselement aller Bereiche von Haus und Wohnung. Für Google Wifi hat sich der Konzern auf die Fahnen geschrieben, ein möglichst einfach und smart zu bedienendes Produkt anzubieten, ganz anders als die sonst verfügbaren Geräte aus diesem Bereich. Google Wifi mag vielleicht nicht so interessant klingen, gehört aber zum Ökosystem von Google einfach dazu.

Ja, vielen mag jetzt Google OnHub in den Kopf schießen, denn Google hatte unter dieser Marke mit Partnern bereits WLAN-Router entworfen und in den US-Handel gebracht. Beide Systeme sollen zunächst koexistieren, so Google gegenüber einigen Kollegen auf den Events.

Endlich, bezahlbare VR für alle

Feuer und Flamme war ich für Google Daydream schon im Frühjahr, damals wurde die Plattform mit Android Nougat erstmals angekündigt. Daydream ist eine ab Android 7.1 in Android integrierte Plattform für virtuelle Realität, die Google als Standard für Smartphones etablieren möchte. Google schafft die Plattform, Google setzt die Voraussetzungen der Hardware fest und Google schafft ein Referenzdesign für das benötigte Zubehör.

Daydream View ist das erste Headset für die Daydream-Plattform, die Pixel-Smartphones die ersten kompatiblen Smartphones. In Zukunft kann und wird es Headsets samt Controller sowie Smartphones von hoffentlich vielen Herstellern geben. Angeblich ist bereits das Axon 7 von ZTE kompatibel, es bräuchte dann in naher Zukunft eigentlich nur noch die richtige Android-Version (7.1 Nougat).

Da Daydream so offen ist, dürfte diese Plattform für Entwickler und Nutzer gleichermaßen interessant sein. Vermutlich sind spätestens die meisten Flaggschiff-Smartphones des kommenden Jahres Daydream-ready, sodass recht schnell ein großer Markt für mobile Virtual Reality entstehen kann. Bezahlbar ist die Geschichte auch noch, Daydream View wird von Google für nur 69 Euro angeboten.

Andromeda lässt uns warten

Sicher habt ihr in den letzten Tagen die Berichte über Andromeda mitbekommen, ein neues auf Android basiertes Betriebssystem, welches mit den besten Bestandteilen von Chrome OS vermischt wird. Perfekt für 2-1 Geräte (Notebook, Tablet). Anders als erhofft, zeigte uns Google zu Andromeda nichts, andere Anhaltspunkte gab es nach den Leaks keine weiteren. Nur ein Hoax, ein verschobenes oder sogar wieder eingestampftes Projekt von Google? Wir müssen leider warten.

Alles gar nicht so schlimm?

Google hinterlässt nach dem gestrigen Event bei mir ein kleines Durcheinander, denn die Pixel-Smartphones wirken wie eine gezielte Entfernung vom offenen Google und Android hin zum verschlossenen Apple, während der Assistent und insbesondere Daydream gar nicht so verschlossen und exklusiv wirken.

  • Mark-Ingo Thielgen

    Den letzten Satz verstehe ich nicht. Googles Assistent wird vorerst Google Pixel only sein. Genauso wird Google Herr über den gesamten Content von Daydream sein. Es geht wohl kaum exklusiver/verschlossener.

    • und trotzdem können Entwickler den Assistent anzapfen bzw. in befüllen, darum gehts ja. Gleiches gilt für Daydream, jeder kann Apps und Spiele entwickeln, jeder Hersteller kann eigene VR-Headsets und kompatible Smartphones an den Start bringen – wenn das nicht offen ist, weiß ich auch nicht.

      • Mark-Ingo Thielgen

        Kaum ein Mensch nutzt Allo und die Pixel-Smartphones haben ein riesiges Potenzial, absolute Ladenhüter zu werden. Welcher Entwickler, der von den Erträgen seiner Arbeit leben muss, wird dafür ernsthaft entwickeln?

        Daydream ist ein seltsamer Zwitter. Da Google das Apple-Modell von Hard- und Software sowie Content aus einer Hand nicht umsetzen kann, will man zumindest die Hoheit über Software und Content halten, während man die Hardware gerne anderswo produzieren lässt. Probleme technischer, aber auch finanzieller und juristischer Art sind hier schon vorprogrammiert.

        • Im Prinzip alle großen Dienste, so wie es immer ist ^^

          Deine Bedenken bzgl. Daydream check ich nicht, ist doch nicht viel anders als bei Android. Warum sollte es technische Probleme geben, wenn es exakte Vorgaben gibt? Juristische Probleme? Finanziell?

          • Mark-Ingo Thielgen

            Zu Daydream:

            a) Wenn ich das richtig verstanden habe, dann behält Google die Hoheit über den Content, sprich: Niemand kommt mit seinem Content auf Daydream-Devices, der diesen nicht zu Googles Bedingungen bei Google hinterlegt. Das hat dem großen Vorbild Apple auch schon so manche juristische Scherereien eingebracht.

            b) Was passiert wohl, wenn ein Device von Googles Vorgaben abweicht? Bei Android ist das möglich, wenn sich Daydream aber an Android Wear und seinen Lizenzbedingungen orientiert, ist das aus Sicht Googles ein No Go. Die Folge: Rechtsstreitigkeiten. Lässt Google aber gewähren, wird der Frust aufgrund eventueller Inkompatibilitäten nicht lange auf sich warten lassen und die Plattform in ein schlechtes Licht stellen.

          • Okay, Rechtsstreitigkeiten usw. sind mir als Nutzer eigentlich ziemlich bums.

            Des Weiteren finde ich es gut, dass Google hier die Hand drauf hat, denn nur so kann man dem Nutzer eben höchste Qualität gewährleisten. Guck dir das restliche Android-Ökosystem an, hier und da hätte Google schon öfter mal härter durchgreifen müssen.

            Oder anders gesagt: Nutzer bekommen ein sauber kontrolliertes System an die Hand, das daher auch hoffentlich problemlos funktioniert. Ich kann daran nichts schlechtes erkennen. Und trotzdem gibt es eine Vielfalt an Inhalten, da sich Google für Soft- und Hardware öffnet, wenn auch mit Regeln. Ist doch trotzdem besser, als würde Google nur eigene Anwendungen und ein eigenes Headset ermöglichen?!

          • Mark-Ingo Thielgen

            @ Denny: Ich stimme Dir weitestgehend zu. Nur sollte Google, wenn man dort ausnahmsweise mal konsequent wäre, solch ein kontrolliertes System auch endlich bei Android selbst einführen. Was machen die Spezialisten stattdessen? Ersinnen ab Android Nougat sogar für die eigene Produktpalette ein „Premium“- und ein „Normalo“-Android…

          • ist ja nichts neues, dass Google ständig auf der Suche nach dem richtigen Plan ist und manchmal nicht ganz nachvollziehbar handelt. :D