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HTC One: Der Grundstein ist gelegt, jetzt kommt’s drauf an (Kommentar)

Denny Fischer

Veröffentlicht

am

Einige Kollegen haben bereits einen Kommentar zum neuen HTC One geschrieben und auch wir wollen natürlich unsere Meinung kundtun, auch weil einige Leser danach fragten. Die Ausgangssituation vor der gestrigen Präsentation war für HTC so schlecht, dass man eigentlich meinen müsste, es gibt für den Hersteller keine Zukunft mehr. Nach dem wirklich schlechten letzten Jahr konnten selbst andere krisengeschüttelte Hersteller wie RIM die Taiwaner auf ihre Plätze verweisen und sie hinter sich lassen. Klar, nachdem HTC wie Phoenix aus der Asche aufstieg und vom niemand plötzlich der Smartphone-Hersteller neben Apple war, stellt man sie eben gern auf eine Stufe mit Samsung und Apple, die aber eigentlich auf einem ganz anderen Level agieren. Es ist schon allein der Unterschied, dass HTC keine Waschmaschinen, TV-Geräte, Computer, Notebooks oder anderen Geräte baut, die man in Elektrofachmärkten kaufen kann. Daher ergibt es letztlich, dass man mit nur einem Markt Geld verdienen kann, welches man dann wieder reinvestieren kann. Und damit meine ich nicht die Entwicklung, den Support oder ähnliche Dinge, sondern das Marketing. Mit dem Marketing steht und fällt ein Hersteller in diesem Sektor, zumindest kann man genau das ganz gut beobachten. HTC ist also gut beraten, besonders das Marketing um das HTC One herum anzukurbeln, denn das Gerät für sich genommen ist ziemlich gut.

Wie immer überzeugend: Das Design

Das Design des HTC One war nicht sonderlich überraschend, denn bereits das erste Bild zeigte es, wovon ich damals auch überzeugt war, dass es nicht um einen Fake handelt, eben weil HTC sich schon oft beim Design eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatte. Ohne Zweifel, man hat sich am iPhone 5 und am BlackBerry Z10 orientiert, kann sich aber dennoch klar abheben. Wie so oft in den letzten Jahren setzt HTC auf ein Unibody-Gehäuse, welches daher aus einem einzigen Stück besteht. In diesem Fall steigert man die Verarbeitungsqualität nochmals und setzt auf Aluminium. Wie immer ist das Design eine Geschmacksfrage, aber eigentlich auch nicht, denn das HTC One sieht einfach messerscharf aus und steht für mich locker auf einer Stufe mit dem iPhone 5, wenn nicht sogar etwas höher. Den feinen Schliff bekommt das Gehäuse durch die Rückseite und den Rahmen verpasst, wo sich diese in diesem Fall weißen Polycarbonat-Streifen befinden, die sicherlich für die Antennen bedacht sind und zugleich sich hervorragend in das gesamte Gebilde einfügen. Auch sehr markant sind die Lautsprecher auf der Frontseite, die da nicht nur aus Gründen der Bedienung besser untergebracht sind, sondern auch für eine optische Besonderheit sorgen.

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Endlich mal was Neues bei der Hardware

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Das klingt zwar wie eine abgedroschene Phrase unserer Großeltern, hat aber einen wahren Kern. HTC experimentiert diesmal gleich mit mehreren Dingen, die teilweise sehr überraschend kamen. Zum einen bringt natürlich das Design mit sich, dass sich der Akku nicht wechseln lässt und der interne Speicher nicht erweitert werden kann, was aber nach meiner Auffassung den normalsterblichen Nutzer nicht wirklich interessiert. Auch in diesem Jahr scheint man sich damit von Samsung abheben zu können, die zumindest im letzten Jahr auf wechselbare Akkus setzten, dafür aber nicht gerade die beste Haptik aufgrund von Kunststoffgehäusen boten. Ich begrüße das auf jeden Fall sehr, da ich Design bevorzuge und allein deshalb schon immer ein wenig Fan von HTC bin. Wer das HTC One von vorn betrachtet wird schnell zwei Dinge feststellen, denn offenbar verbaut man zwei Lautsprecher auf der Frontseite und bietet zudem nur zwei Buttons zur Steuerung für Android an. Das sind zwei der angesprochenen Experimente, die HTC wagt, wobei endlich mal ein Hersteller die Lautsprecher auf der Frontseite verbaut, was einfach wesentlich sinnvoller ist, als Lautsprecher auf der Rückseite unterzubringen. Eigentlich ist das ja auch logisch, denn ihr richtet die Lautsprecher der heimischen Soundanlage ja auch in Richtung eurer Sitzposition und nicht in Richtung der Wand.

Neben den Lautsprechern fallen auch schnell die Buttons der Frontseite auf, denn der für den Task-Viewer musste gänzlich weichen, sodass der Home-Button auf die rechte Seite rückt, in der Mitte das HTC-Logo zu finden ist und links der übliche Zurück-Button untergebracht wurde. Ich bin mir sicher, dass HTC diverse Studien durchführte, um die Häufigkeit der Nutzung der Buttons herauszufinden, weshalb man dann eben die Buttons so gestaltete, wie sie letztlich auf dem Gerät zu finden sind. Ich persönlich hätte mir sowieso lieber On-Screen-Buttons gewünscht, was auch dem Design noch mehr pepp verliehen hätte, doch leider erhören die meisten der Hersteller meine Gebete nicht.

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Auch mehr oder weniger neu ist die sogenannte Ultrapixel-Kamera, die HTC im One verbaut, welche sich von der Konkurrenz entscheidend abheben soll. Anders als aus Gerüchten hervorging, besitzt diese Kamera keine drei Sensoren mit jeweils 4 Megapixel, sondern nur einen Sensor und damit tatsächlich eine Auflösung von „nur“ 4 Megapixel. Entscheidend ist aber hier der sogenannte Ultrapixel, der auf dem Sensor wesentlich größer ist, als bei sonst üblichen 8 oder 13 Megapixel Kameras. Der Vorteil liegt darin, dass man bei gleichbleibender Sensorgröße dennoch wesentlich mehr Licht einfangen kann, als das bei den bisher verbauten Smartphone-Kameras der Fall ist. Die Kamera ist keine Sensation, allerdings wagt HTC überhaupt den Schritt eine solche Kamera zu verbauen und damit nicht mehr dem Wahn nach mehr Megapixel zu folgen. Jetzt muss man sie nur gut verkaufen.

Der eigentliche Knaller des HTC One befindet sich aber nicht vorn, hinten oder tief im Gerät, sondern im Power-Button. Der ist zwar weiterhin auf dem Gerät obendrauf, befindet sich jetzt aber links und nicht mehr rechts auf dem Gerät. Mit meinen kleinen Händen wird das leider eher ein Nachteil sein, allerdings hat diese Positionierung auch einen guten Grund, denn im Power-Button ist ein Infrarot-Sensor verbaut. Und nein, damit spielen wir heutzutage nicht mehr Snake im Multiplayer, sondern steuern damit unsere Fernseher, Receiver, Stereoanlagen und so weiter. Das kennen wir bereits von Sony, HTC macht es recht ähnlich, nur eben erstmals in einem Smartphone. Mit dazu gibt es eine geniale Software, die verschiedene Szenarien ermöglicht, die man einprogrammieren kann. Es lässt es sich beispielsweise ein Button „Fußball“ hinterlegen, der bei einem Kopfdruck den von uns vorgegebenen Sender am Receiver einschaltet, die Lautstärke der Stereoanlage passend einstellt und den Fernseher einschaltet. Des Weiteren werden unsere Gewohnheiten automatisch von der Software analysiert.

Sense 5: Ballast weg, neue Funktionen her

Mit Hardware konnten Hersteller wie HTC schon oft überzeugen, doch immer öfter scheiterte es an der Software. Das war auch im letzten Jahr der Fall, als man das neue Sense 4 präsentierte. Die Oberfläche, welche über der Android-Firmware liegt, sollte damals stark abnehmen, was nur teilweise gelungen war. Rückblickend gesehen hat man zwar Verbesserungen einspielen können, Geräte anderer Hersteller waren aber trotzdem schneller unterwegs und hatten auch weniger Software an Bord, die eh keiner braucht. In diesem Jahr mit Sense 5 scheint HTC tatsächlich Versprechungen halten zu können, denn neben dem Entfernen von wirklich sinnlosen Tools wie Locations, hat man eine neue Optik parat, neue möglicherweise sinnvolle Funktionen und paar coole Details. Besonders auffällig ist natürlich der Blinkfeed, eine Art News-Reader für den Homescreen (muss nicht genutzt werden), der euch automatisch die aktuellsten Inhalte der von euch gewünschten Quellen auf euer Gerät streamt. HTC setzt deshalb auf diesen Blinkfeed, weil Nutzer in der Regel mit dem klassischen Homescreen von Android so gut wie gar nichts anfangen können. Daher will man also eine attraktive Möglichkeit schaffen, zumindest die wichtigsten News auf einen Blick zu haben.

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Ein weiteres Highlight von Sense 5 ist Zoe. Allein der Name lässt diesmal noch gar nichts erahnen, doch die Funktionsweisen von Zoe sind echt klasse. Mit Zoe stellen wir zugleich wieder die Verbindung zur Ultrapixel-Kamera her, denn Zoe ist eine Erweiterung der integrierten Kamera-App. Zoe erstellt beispielsweise während der Erstellung von Fotos und schon kurz davor ein kurzes Video von einer Länge von ca. 3 Sekunden. Dabei wird also nicht nur ein einzelnes Foto erstellt, wie das sonst eigentlich der Fall ist, sondern ein Video, aus welchem wir dann die beste Szene auswählen können (sieht man auch gut im Video unter dem Text). Weiter geht es mit Zoe in der Galerie, wo wir auch zu meiner absoluten Lieblingsfunktion kommen. Denn Zoe kann automatisch aus euren Fotos und Videos eine kleine Zusammenfassung erstellen. Sagen wir, wir sind auf einem Konzert und machen dabei 100 Fotos und drehen 15 Videos, womit es dann aber kaum möglich ist, unseren Freunden im Nachhinein einen kurzen aber guten Eindruck von der Veranstaltung zu übermitteln. Dann kommt wieder Zoe zum Einsatz, denn Zoe analysiert auf Wunsch die Fotos und Videos des Events und stellt sie euch zu einem sehr ansprechenden 30-sekündigen Clip zusammen. Ähnlich es ist bei der Vorschau von Ordnern in eurer Galerie. Hier werden nicht nur einzelne Thumbs angezeigt, sondern man bekommt schon in der Übersicht in den einzelnen Kacheln Videos und Fotos aus dem Ordner abgespielt und erfährt so mit dem ersten Blick, welche Fotos und Videos sich im besagten Ordner befinden.

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Generell merkt man bei Sense 5, dass es nicht nur wichtige Infos auf einen Blick uns schnell und übersichtlich liefern will, sondern dass es viele Dinge auch automatisch erledigt. Egal ob es Blinkfeed ist, die automatischen Clips in den Foto-Galerien oder die TV-App, die sich an unsere Gewohnheiten anpassen lässt und diese auch selbstständig analysiert. Auch die Optik finde ich sehr ansprechend, definitiv hübscher als bei den vorherigen Sense-Versionen, wobei das letztlich natürlich wieder eine Frage des Geschmacks ist. Wenn Sense 5 im Alltag dann noch so schnell ist, wie in den ersten Videos, die uns HTC und die Kollegen liefern, dann hat man wohl eine fantastische Arbeit abgeliefert.

Fazit: Was ein tolles Paket

Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass ich annähernd so viel schreibe, wie ich das letztlich getan habe, doch das HTC One scheint ein unglaublich tolles Gerät zu sein, das ich mir zwingend näher anschauen muss. Wenn es nach mir geht, dann hat HTC alles richtig gemacht und konnte möglicherweise nochmals Sony toppen, die mit dem Xperia Z bereits zu Beginn des Jahres ordentlich auf den Tisch schlugen, um zu zeigen, dass sie da sind. Auch ich hatte eine sehr lange Zeit die Befürchtung, dass sich HTC schwer tun wird, bei dem Druck, den sie gerade haben. Ich denke doch, dass es bereits einige tolle Smartphones gibt, wie das ZTE Grand S oder auch das Sony Xperia Z, doch HTC wird in diesem Jahr wohl das beste Gerät abliefern, auch wenn das Galaxy S4 von Samsung noch aussteht.

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