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Huawei P10 Testbericht: Die preiswerte Alternative

Zeitgleich mit Marktstart kam bei uns das Huawei P10 an, das in unserem Test durchaus überzeugen konnte. Trotz des P10 lite ist das „normale“ P10 von Huawei das kleinste Smartphone dieser Serie, in diesem Jahr wirkt es mit seinem nur noch 5,1″ großen Display sogar etwas rückständig im Vergleich zur Konkurrenz. Andererseits ist durchaus positiv zu werten, dass Huawei noch immer ein „kleines“ Top-Smartphone im Angebot hat. Wer es größer mag, greift zum P10 Plus. Alternativ gäbe es da neben der P10-Serie natürlich auch noch das Mate 9.

599 Euro muss man für das P10 auf den Tisch legen, im Vergleich zu LG und Samsung ist da aber noch immer ein Abstand von 150 – 200 Euro. Genau da liegen übrigens die Gegensätze, denn die Konkurrenz ist an einigen Ecken durchaus fortschrittlicher. Über das Display des Galaxy S8 muss ich wohl keine Worte verlieren und auch das LG G6 hat in diesem Jahr einen großen Sprung gemacht. Zurückhaltender war da Huawei, an einigen Ecken ist der preisliche Unterschied spür- bzw. sichtbar.

Optisch nicht topaktuell, haptisch erstklassig

Unterschiede sind ganz klar im Design des Gerätes zu erkennen. So ist das Huawei P10 sogar breiter als das Galaxy S8, obwohl die Konkurrenz mit einem 0,7″ größeren Display ausgestattet ist. Auch in der Länge sind die Unterschiede nur marginal, lediglich 3 mm ist das P10 kürzer als das Flaggschiff der Südkoreaner. Warum? Weil Huawei nicht gerade mit einem kompakten Gehäuse glänzt. Also ja, das Gerät liegt sehr kompakt in der Hand, ist aber im Verhältnis zum Display wiederum nicht sonderlich modern. Es hat keine gute Screen-to-Body-Ratio und wirkt dann doch wie ein Pixel XL in klein.

Bild: versus.com

So wirkt das P10 ganz besonders im Vergleich zur Konkurrenz etwas bieder, altmodisch und eben etwas rückständig. Orientiert man sich dabei vielleicht noch immer zu viel am iPhone? Über und unter dem Display ist viel Gehäuse, auch der optisch zurückhaltende Fingerabdrucksensor ist meines Erachtens nicht gerade der Optik der Frontseite zuträglich. Aber anders der Rahmen und die Rückseite, beide Bestandteile sehen hochwertig aus und fassen sich entsprechend gut an.

Ich hatte in meinem Hands-on schon geschrieben, wie perfekt sich das Gerät anfühlt. Der nur leicht überarbeitete Rahmen hat zur Rückseite nun eine Rundung ohne Schliff, wodurch sich eine sehr fließende Form ergibt. Perfekt. Wie auch der Rest des Gehäuses, denn die Verarbeitung ist erstklassig. Keine Spaltmaße oder irgendwelche anderen Störfaktoren, die Tasten lassen sich zudem sehr gut drücken.

Gehäuserahmen nur noch vorn mit einer glänzenden „Kante“

Wieder hat man den Power-Button rot gestaltet, was immer ein Hingucker ist. Je nach Lichteinfall glänzt dieser auffällig, obwohl er gar nicht so groß ist und auch lediglich der Rahmen der Taste gefärbt wurde.

Multimedia kann es gut

Obwohl das verbaute 5,1″ Display lediglich mit Full HD auflöst, ist es natürlich trotzdem in seiner Darstellung sehr scharf. Das verbaute LCD hat natürlich keinen perfekten Schwarzwert, kommt aber bei einer Helligkeit von bis zu 70 % ziemlich nah ran. Apropos Helligkeit, da bietet das Display verdammt viel von. Auch an sonnigen Tagen ist das Display immer gut ablesbar. Bei den Farben komme ich meist auch ganz gut klar, trotzdem wirken bei der Standardeinstellung einige Farben dann doch übersättigt. Gerade bei Rottönen kommt die zu hohe Sättigung deutlich zur Geltung. Hier kann man aber in den Systemeinstellungen auf Wunsch manuell nachjustieren.

Anders als die teure Konkurrenz kann das Huawei P10 kein HDR bieten, auch ist das Seitenverhältnis des Displays noch ein klassisches und runde Displayecken sowie gebogene Längsseiten gibt es ebenso nicht. Hier muss man sich selbst die Frage stellen, worin das eigene Interesse beim Kauf des neuen Smartphones liegt.

Zurecht wurde die fehlende Beschichtung kritisiert, weswegen das Display nicht sonderlich Fett abweisend ist. Dadurch wirkt es immer besonders verschmiert, zudem lässt der Dreck das Display bei Berührung irgendwann rau wirken und die Reinigung ist von Hose zu Hose sowie von Hand zu Hand mal unterschiedlich leicht oder schwer. Letzteres ist für mich kein Deal-Breaker, wie für ein paar wenige Kollegen, zumal man auf Wunsch auch mit Panzerglasfolien entgegenwirken könnte. Oder man lässt die vorinstallierte Folie auf dem Gerät.

Einhandbedienung selbst für kleine Hände möglich

LEICA: Jetzt hinten und auch vorn

Bei der Kamera kann Huawei ebenso gut abliefern, muss sich aber auch Kritik anhören. Spielereien wie der Portraitmodus der Frontkamera (jetzt auch LEICA) sind nett, funktionieren aber nur bedingt gut. Hat man die künstlicheren Effekte angeschaltet, wird automatisch der Hintergrund unscharf gestellt. Oftmals erwischt die Software dabei aber auch noch Teile der Person, die ja eigentlich komplett scharf gestellt sein soll. Für mich sind solche Funktionen dann eben nicht sonderlich nützlich, ohnehin bin ich kein Fan von Beautyfilter und Co.

Anders bei der Hauptkamera (12 MP + 20 MP (Monochrom), f/2.2 Blende), die ja wiedermal doppelt vorhanden ist. Ich habe noch nie so gern Fotos mit einem Smartphone gemacht, einfach weil die Ergebnisse nahezu immer sehr gut aussehen. Nur im Lowlight offenbaren sich manchmal Schwächen, ganz besonders im Vergleich mit dem Platzhirsch Google Pixel. Oftmals waren die Bilder zu dunkel, das sichtbare Rauschen zu stark und Details zu verwaschen. Tagsüber hingegen sind die Aufnahmen für einen „aus der Hüfte“-Fotograf wirklich stark.

Huawei P10 LEICA Dual Kamera

Coole und daher eher gelungene Effekte sind „große Blende“ und natürlich die reine Monochrom-Fotografie. Letzteres sieht durch den echten Monochrom-Sensor einfach besser aus, im Vergleich zu erst nachträglich übernommenen Effekten (Instagram usw). Zumindest bilde ich mir das ein. Der besagte Blendeneffekt ist von anderen Geräten auch als Fokuseffekt bekannt. Damit lässt sich beispielsweise der Fokus im Nachhinein verschieben, zudem der Hintergrund unscharf stellen. Je nach fotografiertem Objekt funktioniert das meist richtig gut.

>>> Beispielfotos

Zu guter Letzt ist auch Sound ein wichtiger Faktor für ein gutes Multimedia-Paket, der in diesem Fall durchaus zu überzeugen weiß. Kritik muss aber auch hier angebracht sein, einen Frontlautsprecher oder ein, wie bei HTC, geteiltes System gibt es leider nicht. Trotz allem klingt der leider an der Unterseite positionierte Lautsprecher gut, kann sogar je nach Musik/Video ein recht sattes Klangbild abgeben.

Hohe Systemleistung, bessere EMUI, Akku ist okay

Huawei setzt bei seinen Top-Smartphones weiterhin auf eigene Chipsätze, was sicherlich Vor- aber auch diverse Nachteile mitbringt. Mit seiner Strukturgröße von 16 nm liegt der Kirin 960 sogar hinter dem Snapdragon 821 zurück, was sich meines Erachtens auch auf den Akkuverbrauch auswirken dürfte. Spürbar sogar, komme ich mit dem P10 überraschenderweise nur einen kompletten Tag aus. 24 h sind damit gemeint. Die besten Kandidaten haben bei mir gern mal 48 h durchgehalten.

Bei einer Akkugröße von satten 3200 mAh und dem daran gemessen kleinen FHD Display mit 5,1″ Diagonale, waren meine Erwartungen durchaus etwas höher angesetzt. Nichtsdestotrotz kommt jeder mit dem P10 ohne Probleme auch durch einen langen Arbeitstag. Leider kommt Androids Doze-Modus (senkt Verbrauch im Standby auf ein Minimum) kaum oder fast gar nicht zum tragen, da passt wohl irgendwas in der Software noch nicht so richtig.

Huawei P10 Akku

Müsste ich eine Screen-On-Time beziffern, dann läge die leider nur bei maximal 4,5 h. Manchmal sogar deutlich darunter, wie ihr auf den Screenshots sehen könnt. Mehr als 3 h werde ich mit der letzten Ladung, die es vor diesem Testbericht gab, leider nicht schaffen. Manchmal ist die Akkulaufzeit schon sehr ernüchternd und weit hinter meinen Erwartungen zurück.

Dafür sind viele Bugs aus vergangenen Tagen weg, besonders die zahlreichen und oftmals undurchsichtigen Akkusparmodi hatte man in den letzten beiden Jahren sukzessive ausgemistet bzw. verbessert. Heute gibt es keine Probleme mehr damit, dass Benachrichtigungen nicht durchkommen bzw. Apps zu aggressiv geschlossen werden. Letzteres war früher oft der Fall und brachte Nutzer zur Verzweiflung. Die Optionen für den Akku sind weniger geworden und übersichtlicher. Man kann sich wie gewohnt über starke Stromverbraucher informieren, sie auf Wunsch auch automatisch ausschalten lassen.

SuperCharge hat das Huawei P10 natürlich auch. In einem gemessenen Versuch mit dem originalen Netzteil war der Akku nach 15 min von 15 auf 38 % aufgeladen, nach weiteren 15 min stand der Akku bei 54 %. Könnte also alles gern etwas schneller sein, ist aber durchaus zufriedenstellend. Unterm Strich war der Akku in knapp 30 min fast um die Hälfte wieder aufgeladen.

EMUI 5: Immer noch etwas zu viel

Ansonsten lässt das P10 in Sachen Systemleistung, auch dank 4 GB RAM im Multi-Tasking, nichts vermissen, nur mit dem Pixel von Google kann es nicht mithalten. Trotzdem läuft alles jederzeit schnell und flüssig. Das wird auch mit der neuen EMUI zusammenhängen, die man mit Version 5.0 und dann 5.1 deutlich verbessert hat. Zumindest aus technischer Sicht, denn optisch bleibt sie leider nicht so der Knaller. Ich mag zum Beispiel die Darstellung der Benachrichtigungen nicht, die unter Android 7  eigentlich optisch besser und vor allem weniger Platz verschwenderisch geworden sind, wovon man dank EMUI leider nichts mitbekommt.

Leichte Grafikfehler bei der Inbox-Benachrichtigung

Obendrein stört mich ganz besonders der Teilen-Dialog, den Huawei leider mit der eigenen Software auch „versaut“. Beim Original bekommen wir neben der App-Auswahl auch diverse Schnellzugriffe, wie beispielsweise häufig genutzte Drive-Ordner oder auch Kontakte aus Inbox, Twitter und Co. Nicht so mit installierter EMUI, hier ist der Share Intent noch eher klassisch bzw. rudimentär gehalten. Immerhin sortiert er die Apps nach Häufigkeit der Nutzung.

Abgesehen davon, was meinen mobilen Workflow noch etwas beeinträchtigt, lässt sich über die Software von Huawei kaum mehr meckern. Man hat den Launcher verbessert, die Quick Settings lassen sich anpassen, die Einstellungen wirken übersichtlich und weichen nicht zu sehr vom Original ab. Dank App-Twin kann man zum Beispiel WhatsApp mit zwei Accounts auf einem einzigen Gerät nutzen, es gibt einen Nachtmodus für augenschonende Darstellung, eine optionale Einhandbedienung, ein optionales Drehrad mit Schnellzugriffen, zahlreiche Gesten, ein erweitertes Screenshot-Tool und noch vieles mehr.

Erstklassiger Fingerbadrucksensor

Inzwischen bin ich ein riesen Fan der Fingerabdrucksensoren, weil sie nützlich sind und in meinen letzten Smartphones* immer sehr gut funktionierten. Bis die Chinesen mit dem P10 um die Ecke kamen und alles in den Boden stampften. Der hier verbaute Sensor ist so schnell in der Erkennung meiner Fingerabdrücke, dass er sich wie ein Tochscreen nutzen lässt. Eine minimale und kurze Berührung reicht aus, damit sich das P10 entsperrt und auf dem Homescreen landet. Obendrein gibt es Gesten, womit sich die Navigation Bar ersetzen lässt. Die sind anfangs gewöhnungsbedürftig, inzwischen für mich nur noch schweren Herzens verzichtbar.

Sonstiges

  • Nicht fallen lassen. Oder doch? Das Gehäuse aus Aluminium fängt viel ab, sieht dann aber natürlich wie eine Felge nach Bordsteinkontakt aus. Nach 10 Jahren lasse ich also mal wieder ein Smartphone fallen, doch den ungewollten Droptest hat das P10 gut überstanden.
  • Mikrokratzer bilden sich schon nach wenigen Wochen am Glas der Rückseite, die Ecken werden zudem leicht stumpf. Ein ähnlich Phänomen gab es auch beim Glaspanel des Pixel XL. Ich weiß schon, warum Gorilla Glass für mich nicht viel mehr als ein Marketinggag ist.
  • Mir fehlt die Funktion, dass man mit doppelter Betätigung der Powertaste die Kamera starten kann. Es lässt sich zwar dafür eine der Lautstärke-Tasten verwenden, allerdings auch nur für den Start der Kamera aus dem Standby heraus.
  • Gefunkt wird in alle Richtungen perfekt. Egal ob WiFi, Bluetooth, LTE oder auch die Navigation, ich konnte und kann hier keinen Anlass zur Kritik finden.
  • Updates? Noch immer ein schwieriges Thema, beim P9 hat das Nougat-Update vier Monate auf sich warten lassen, zum Zeitpunkt des Artikels hänge ich mit dem P10 bei den Sicherheitspatches zwei Monate hinterher.

Fazit

Perfekt ist das Huawei P10 nicht, bietet dafür ein enorm faires Verhältnis aus Preis und Leistung. Unterm Strich ist die Hardware ein sehr rundes Gesamtpaket und die Software hat ebenso nur noch kleine Mängel. Kommt Huawei dem Stock-Android noch etwas näher und holt aus den eigentlich großzügigen Akkus mehr Laufleistung raus, dann kommt man als regelmäßiger Smartphone-Käufer an Huawei über die kommenden Jahre nicht mehr vorbei.

War Huawei in den vergangenen Jahren meist nur günstig und ließ das denn Kunden unfreiwillig spüren, kann man jetzt für einen fairen Preis auch wirklich starke Pakete abliefern. Abstriche macht der Nutzer dabei fast keine, daher gibt es von mir eine absolute Kaufempfehlung für das Huawei P10!

Kostenfrei zur Verfügung gestellt wurde uns das Huawei P10 von Sparhandy, ein großes Danke dafür! Dort lässt sich das Huawei P10 mit und ohne Vertrag kaufen*, alternativ bleiben aber auch Media Markt*, Saturn* und viele andere Shops.