Der Kurznachrichtendienst Telegram gilt als sichere Alternative zu WhatsApp und Co. – gerade in Bezug auf Datenschutz, was ihn auch in dunkleren Ecken des Internets so beliebt macht. Vor nicht allzu langer Zeit hatte der Messenger mit Sitz in Dubai unter anderem Anfragen des deutschen Innenministeriums völlig unbeantwortet gelassen. Das hat sich mittlerweile allem Anschein nach geändert, wie Recherchen des öffentlich-rechtlichen YouTube-Formats STRG_F ergeben haben.

Das Bundeskriminalamt soll 202 Anfragen nach Bestandsdaten an Telegram gestellt haben, wovon 64 beantwortet und in 25 Fällen tatsächlich Daten übermittelt worden sein sollen. In 400 Fällen seien außerdem Inhalte gelöscht worden. Das Bundesinnenministerium spricht von wenigen „herausgehobenen Einzelfällen“ in Bezug auf Kindesmissbrauch und Terrorismus, in denen man unter anderem IP-Adressen von Nutzern durch Telegram erhalten habe.

Telegram brüstet sich damit, keine Daten weitergegeben zu haben

Dass Telegram diesen Anfragen entsprochen hat, ist besonders pikant, weil die offiziellen FAQ ein anderes Bild abgeben. Dort steht klipp und klar:

Bis zum heutigen Tag haben wir 0 Byte Nutzerdaten an Dritte weitergegeben, einschließlich aller Regierungen.

Weiterhin führen die Betreiber des Messengerdienstes aus, dass Telegram eine verzweigte Infrastruktur nutzen würde, sodass Chatdaten in „mehreren Rechenzentren rund um den Globus gespeichert, die von verschiedenen juristischen Personen verteilt auf mehrere Gerichtsbarkeiten gesteuert werden“. Schlüssel und Daten würden niemals an der selben Stelle gespeichert, weshalb mehrere Gerichtsbeschlüsse aus verschiedenen Ländern erforderlich seien, um Telegram zur Herausgabe von Daten zu zwingen.

Dank dieser Struktur können wir sicherstellen, dass nicht eine einzelne Regierung oder eine Gruppe gleich gesinnter Länder die Privatsphäre und die Freiheit der Meinungsäußerung aushebeln können. Nur wenn unterschiedliche Rechtssysteme von mehreren Ländern auf der ganzen Welt eine Entscheidung über ein besonders ernstes und global anerkanntes Thema treffen, kann Telegram Daten herausgeben und die Kontrolle darüber abtreten.

Telegram fragte neulich seine Nutzer, ob Daten herausgegeben werden sollen

Diese Enthüllungen werfen auch nochmal ein anderes Licht auf die kürzlich überraschend unter Telegram-Nutzern durchgeführte Umfrage. In dieser wollte Telegram ein Stimmungsbild zeichnen, wie Nutzer überhaupt zur Weitergabe von Daten stehen. Mit mehr als 2,2 Millionen Stimmen besteht ungefährer Gleichstand zwischen jenen, die eine Herausgabe von IP-Adressen und Telefonnummern von Terrorverdächtigen mit Gerichtsbeschluss befürworten und jenen, die die Herausgabe kategorisch ablehnen. Das Wording der Auswahlmöglichkeiten wurde allerdings auch scharf kritisiert.

Was sagt ihr zu Telegrams Vorgehen – habt ihr dafür Verständnis? Oder wäre das ein Grund für euch, den Messenger nicht weiter zu nutzen?

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Jonathan Kemper

Jonathan Kemper

Freier Technikjournalist, bloggt über Smartphones, Apps und Gadgets, seit 2018 mit regelmäßigen News und ausführlichen Testberichten bei SmartDroid.de an Bord.

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1 Kommentar

  1. Telegram ist für mich nach wie vor der beste Messenger. Und auch wenn sie mal Daten herausgegeben haben finde ich das natürlich nicht schön, aber auf mich macht es nach wie vor den Eindruck, als ob man dies nicht leichtfertig tut. Und wenn man selber auf Nummer sicher gehen möchte, der bedient sich einfach der Chat-Verschlüsselung. Ist ja alles da, man muss es nur nutzen ;).

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