Neues Smartphone von Schweizer Hersteller verspricht Schutz vor Tracking und Datensammelei

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Bild: Punkt

Der Schweizer Hersteller Punkt hat auf der CES sein neues Smartphone MC03 vorgestellt. Das Gerät richtet sich an alle, die maximale Kontrolle über ihre persönlichen Daten wünschen und sich von der Datensammelwut großer Tech-Konzerne abgrenzen möchten.

Punkt ist bekannt für seine minimalistischen Geräte wie das MP01 und MP02, die bewusst auf Smartphone-Funktionen verzichteten und stattdessen auf physische Tasten und kleine Displays setzten. Mit dem MC02 wagte das Unternehmen bereits den Schritt zum vollwertigen Smartphone mit Touchscreen. Das MC03 führt diesen Weg fort und kommt nun mit einem 6,67 Zoll großen 120-Hz-OLED-Display, einer 64-MP-Hauptkamera und einem austauschbaren 5.200-mAh-Akku daher.

Das MC03 läuft mit AphyOS, einem auf AOSP 15 basierenden Betriebssystem, das laut Hersteller Tracking-Technologien, vorinstallierte Bloatware und versteckte Hintergrunddienste eliminiert. Das System ist von Grund auf „DeGoogled“, reduziert also die Abhängigkeit von Google-Diensten.

Das Konzept basiert auf zwei getrennten Datenbereichen: Der „Vault“ enthält von Punkt geprüfte Apps in einer minimalistischen, farblosen Oberfläche. Hier finden sich unter anderem Dienste des Schweizer Partners Proton, darunter Mail, Kalender, Drive, VPN und Pass, sowie Threema Messenger. Im Bereich „Wild Web“ könnt ihr beliebige Apps (darunter auch Google-Apps) installieren, wobei laut Punkt jede App in einer „Privatsphäre-Blase“ läuft, die Datenflüsse kontrollieren und Drittanbieter-Tracking verhindern soll.

Das Gerät wird im deutschen Gigaset-Werk gefertigt und ist nach IP68 gegen Wasser und Staub geschützt. Neben Display und Kamera verbaut Punkt einen MediaTek Dimensity 7300 Prozessor, 8 GB RAM und erweiterbaren Speicher bis zu 1 TB per microSD. Ein integriertes VPN namens „Digital Nomad“ soll die Verbindung unterwegs schützen, während das „Data & Carbon Ledger“ Einblicke in Datenzugriffe und Energieverbrauch einzelner Apps geben soll.

Das MC03 kostet 699 Euro und beinhaltet ein Jahr AphyOS-Abonnement inklusive 5 GB Cloud-Speicher, E-Mail und weiteren Diensten. Danach werden 11,99 Euro monatlich fällig, oder 9,99 Euro bei jährlicher Zahlung – Privatsphäre kostet eben Geld, wenn schon keine Daten.

Punkt rechtfertigt sich ganz ausdrücklich: „Wenn Sie nicht für das Produkt bezahlen, sind Sie das Produkt.“ Trotzdem wird sich nicht jeder mit dem Gedanken anfreunden können, für den vollen Funktionsumfang seines Telefons dauerhaft zur Kasse gebeten zu werden. Immerhin senken Langzeit-Bundles den Preis weiter, drei Jahre kosten 129 Euro, fünf Jahre 199 Euro.

Gigaset hat nach der Insolvenz 2023 und der Übernahme durch VTech Holdings aus Hongkong Anfang 2024 eine bewegte Zeit hinter sich. Das Werk in Bocholt blieb erhalten, der Fokus liegt allerdings nun stärker auf DECT-Schnurlostelefonen. Das eigene Smartphone-Geschäft mit den GS- und GX-Reihen läuft weiter, allerdings eher im Nischenbereich für Outdoor- und Business-Geräte als im Consumer-Massenmarkt. Erst kürzlich kündigte Gigaset zwei neue Smartphones an, was zeigt, dass das Unternehmen diesen Bereich nicht komplett aufgegeben hat.

Nach der Übernahme durch VTech gab es längere Zeit wenig Neues aus der deutschen Smartphone-Produktion und es kursierten Gerüchte um eine Einstellung. Die Produktionsvereinbarung mit Punkt bringt nun wieder Bewegung ins Bocholter Werk. Punkt-Gründer Petter Neby bezeichnete die Zusammenarbeit als „wichtigen Schritt“, um Geräte „gefertigt in Europa, mit Fokus auf Vertrauen, Langlebigkeit und Präzision“ anzubieten. Das MC03 ist das erste Ergebnis dieser Kooperation und soll global vertrieben werden. Vorbestellungen sind in Europa ab sofort möglich, die Lieferung erfolgt Ende Januar 2026.

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