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Smartphone

Nokia Lumia 925 mit Windows Phone vom Android-Fanboy ausprobiert

Denny Fischer

Veröffentlicht

am

Eigentlich sind wir hier eher Fans von Android, doch schauen uns gern auch andere Systeme an. Seit längerer Zeit hatte ich kein Windows Phone mehr in der Hand, was sich aber dank Nokia und einem befreundeten Blogger von mobiFlip.de nun änderte. So konnte ich nun ein paar Wochen das Lumia 925 ausprobieren, was so ungefähr zwischen Mittel- und Oberklasse angesiedelt ist. Derzeit ist es für knapp unter 400 Euro zu kommen.

Über die Hardware des Lumia 925 muss ich eigentlich kaum was sagen. Es ist bekannt, dass Nokia nach wie vor richtig gute Geräte baut, wozu auch das Smartphone gehört, welches ich testen konnte. Ein gutes Display, eine nette Haptik, ein interessantes Design und auch der SoC im Inneren ist auf einem ausreichend aktuellen Stand. Mehr dazu weiter unten im Text.

Viel interessanter ist aber natürlich die Software. Wäre es mir möglich von Android auf Windows Phone umzusteigen? Seit Jahren benutzte ich nun Android, hatte zuletzt vor längerer Zeit wiedermal iOS als Alternative ausprobiert, doch ein Umstieg war undenkbar. Viel anders fällt da das Fazit zu Windows Phone leider nicht aus, doch das hat bei mir vor allem berufliche Gründe, doch auch ein paar andere Befindlichkeiten kommen da zum tragen.

Hinweis: Die folgenden Zeilen spiegeln stark meine Befindlichkeiten wider. Kommentare wie „der Android-Fanboy ist doch befangen“ können sich die Trolle also sparen. Vielleicht sehe ich einige Dinge zu engstirnig, zu sehr durch die Google-Brille, doch ich nutze seit 4 – 5 Jahren täglich mobil fast ausschließlich Android.

Lumia 925 Test-19

Windows Phone und die Apps

Das größte Problem ist nach wie vor das Angebot an Apps, zumindest wenn man einen Umstieg von Android oder iOS plant. Bei mir sind da noch die beruflichen Ansprüche schwerwiegend. Natürlich gibt es zahlreiche Apps für Google Analytics, AdSense und so weiter, doch die bieten in der Regel nicht den Funktionsumfang der originalen Apps. Bei einigen Diensten muss man bereit sein umzusteigen, wenn es keine passenden Apps der bisher genutzten Dienste gibt. Ein Wechsel von Google Drive zu OneDrive von Microsoft ist beispielsweise im Prinzip kein Problem, auch Google Maps kann man sich abgewöhnen und stattdessen auf Here Maps von Nokia setzen. Gleiches gilt für die von mir genutzte Notiz-App Google Keep.

Nicht möglich wäre mir aber der Umstieg auf den Internet Explorer. Google Chrome bietet mit seiner fast nahtlosen Synchronisation sämtlicher Daten für mich ein Tool, auf das ich heutzutage einfach nicht mehr verzichten kann und auch gar nicht will. Dummerweise sieht Google in Windows Phone keine große Plattform, weshalb man dafür nicht oder nur wenig entwickelt. Für mich als Hardcore-Googler ein trauriger Zustand.

Und genau da liegt auch der Nachteil der Dominanz von Anbietern wie Google, der wir Nutzer uns oftmals einfach komplett hingeben. Ein selbiges Problem haben auch Nutzer von iOS, die die angebotenen Apple-Dienste mit anderen Betriebssystemen nur stark eingeschränkt oder eigentlich gar nicht nutzen können.

Ein Umstieg nach vielen Jahren finde ich daher umso schwieriger, doch nicht jeder Nutzer muss von seinen Gewohnheiten umsteigen (wie etwa Neueinsteiger) oder setzt so stark – wie ich – auf die Dienste eines einzigen Unternehmens. Betrachtet man das Thema etwas lockerer, dann findet man auch bei Windows Phone diverse Alternativen für sämtliche Dienste und Apps. Vorrangig wird aber natürlich für Android und iOS entwickelt, was man bei der Suche nach Apps teilweise deutlich spüren kann.

Bedienung der Software

Windows Phone ist anders, ganz anders als Android und auch anders als iOS. Im Prinzip gleicht sich Windows Phone zwar iOS an, weil versucht wurde das System möglichst intuitiv und einfach zu gestalten, doch es unterscheidet sich teilweise dann wieder enorm. Besonders gewöhnungsbedürftig ist natürlich der Homescreen mit seinen Kacheln. Während ich die Idee vor Jahren noch ganz nett fand, vor allem durch die Live Tiles, die Informationen aus der App live auf dem Homescreen anzeigen, ist es bei der Masse an genutzten Diensten und Apps heute einfach nur noch unübersichtlich.

Während unter Android ein Homescreen mit mehreren Widgets meist richtig bescheiden aussieht, weil jede App ein eigenes Design mitbringt, sind unter Windows Phone die Kacheln im Gegensatz zu den Android-Widgets zwar insgesamt optisch ansprechend aber bei einer größeren Menge nicht mehr wirklich übersichtlich. Der Vorteil des einheitlichen Looks wird meines Erachtens zugleich ein Nachteil. Live-Tiles mit blinkenden Bildchen können obendrein noch sehr nervig sein, sind aber wohl eher selten.

Sehr schön ist die vor einiger Zeit eingeführte dritte Größe der Live-Tiles, wodurch nun vier Apps (beim Lumia 1520 fünf Apps) nebeneinander passen. Beim Lumia 925 bekomme ich so 28 Apps auf den Homescreen, die ich gleichzeitig ohne scrollen zu müssen einsehen kann. Finde ich ganz gut, da ich es hasse mich durch ein System scrollen zu müssen, um an mein Ziel zu gelangen.

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Da wären wir aber beim nächsten Nachteil, denn um etwa Systemfunktionen/Einstellungen wie den Flugmodus zu erreichen, muss ich erst die Einstellungen öffnen und dort den Menüpunkt suchen. Bei Android finde ich Schnellzugriffe für WLAN usw. inzwischen in der Benachrichtigungsleiste, was einfach deutlich schneller und bequemer erreichbar ist. Über die Reihenfolge der einzelnen Unterpunkte in den Systemeinstellungen will ich erst gar nicht meckern, die ist aber bei Android teilweise auch nicht wirklich logisch.

Da ist wieder der typische Unterschied zwischen Android und iOS/Windows Phone. Während Android meist für dieselbe Aufgabe zig verschiedene Wege anbietet, setzen die Konkurrenten in der Regel auf die Vorgabe eines einzigen Weges. Das macht die Nutzung für Anfänger oftmals einfacher. Deshalb empfehle ich auch heute noch für Smartphone-Einsteiger weiterhin Windows Phones. Ja, das hättet ihr nach meinen Beschwerden über das Betriebssystem wohl nicht gedacht.

Auch die Benachrichtigungsleiste von Android fehlt mir doch sehr. Neu eingegangene Benachrichtigungen werden bei Windows Phone nur kurzzeitig als klickbare Nachricht am oberen Bildschirmrand angezeigt. Zwar wird dann in den Live Tiles der Apps auf dem Homescreen mit Nummern gezeigt, wo und wie viele Benachrichtigungen es gibt, doch so richtig übersichtlich ist das dann eben meines Erachtens leider nicht. Ein anderer Punkt ist die Geschwindigkeit von Windows Phone, wenn man Apps öffnet. Worüber ich vor ein paar Tagen schon geschrieben hatte.

Weitere Gewohnheiten wie durch das Internet zu „googlen“ muss man sich unter Umständen abgewöhnen. Die mittels der Suchen-Taste aufrufbare Suche basiert natürlich auf Microsofts Bing.

Das Nokia Lumia 925

Wie schon weiter oben erwähnt, ist der Eindruck von Windows Phone natürlich sehr subjektiv und durch meine Android-Brille betrachtet. Mit dem Betriebssystem kann ich mich einfach nicht mehr anfreunden. Anders schaut es da aber beim Lumia 925 aus, welches doch irgendwie ganz nett ist. Zum einen ist das Design sehr gelungen, zum anderen liegt es trotz seiner Formen (ziemlich eckige Ecken) insgesamt recht angenehm in der Hand.

Da es von Nokia stammt, bringt es vor allem diverse Kamera-Erweiterungen mit, bei denen das Herz von Fans des mobilen Fotografierens aufgehen sollte. Auch die Taste für die Kamera an der rechten Gehäuseseite ist top, wovon ich ein großer Fan bin, nur kommt so eine Taste heutzutage nur noch selten vor. Andererseits haut mich die Qualität der Kamera irgendwie nicht vom Hocker. Sie ist nicht schlecht aber auch irgendwie nicht überragend. (Fotos bei G Drive)

Zum Akku kann ich nicht all zu viel sagen, da ich das Gerät recht unregelmäßig genutzt hatte. Wenn mich aber nicht alles täuscht, dann ist von der oft beworbenen längeren Akkulaufzeit nicht viel zu spüren. Länger als mein Moto X hält das Lumia 925 nicht wirklich, was mich aufgrund der recht ähnlichen Hardware irgendwie doch überrascht, da ich von Windows Phone-Nutzern immer andere Aussagen höre. Man kommt über den Tag.

Apropos Moto X. Nokia hat das Active Display ähnlich auf das Lumia 925 gebracht, mir wird also immer wieder die Uhrzeit samt eingegangener Benachrichtigungen angezeigt auch während des Standbys angezeigt. Interagieren kann man damit aber leider nicht. Wieder so ein Punkt, an welchem Microsoft und Nokia der Konkurrenz teilweise hinterherrennen.

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Fazit

Etwas unzufrieden bin ich am Schluss der letzten 3 – 4 Wochen schon, denn ich konnte mit Windows Phone einfach nicht mehr warm werden. Egal was ich versucht habe, auch was die Personalisierung anbelangt, konnte meine Laune bei der Nutzung des Gerätes nicht steigern. Irgendwie schleicht sich bei mir dann wieder die traumhafte Vorstellung ein, dass Lumia-Smartphones mit Android richtig geil gewesen wären.

Windows Phone ist keineswegs schlecht, doch man muss es eben mögen. Mir geht es hier ähnlich wie bei Windows 8 am Desktop, was ich anfangs auch sehr cool fand, doch dauerhaft nutzen kann und will ich das einfach nicht. Man könnte zwar meinen, dass ich mich prinzipiell nicht an andere Betriebssysteme gewöhnen kann, doch mein Umstieg von Windows auf Mac OS X nach über 15 Jahren sollte das Gegenteil bestätigen können.

Unsere berühmte und viel gefragte Review-Box lasse ich diesmal weg. Mir fällt es ernsthaft schwer das Gerät richtig zu bewerten, wobei die Hardware von Nokia insgesamt wohl 7,5 von 10 Punkten verdient hat.

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