Putzt ihr schon smart oder doch noch wie in der Steinzeit? Ich habe mit der Oclean X Pro Elite meine erste Bluetooth-Zahnbürste getestet.

Vorsicht, jetzt wird es ein bisschen persönlich: Ich putze mir nicht gerne die Zähne. Eine deutliche Erleichterung, mir diese lästige Routine anzugewöhnen, war tatsächlich die Anschaffung einer elektrischen Ausführung. Allein der eingebaute Timer und somit die Gewissheit, nicht mehr Zeit darauf zu verschwenden als vorgesehen half vor allem auf psychischer Ebene. Umso merkwürdiger, dass ich nicht schon früher auf eine smarte Variante umgestiegen bin. Zum Glück hatte ich durch einen Test der Oclean X Pro Elite endlich mal die Gelegenheit dazu.

Da es sich eben um meine erste smarte Zahnbürste handelt, gehe ich an den Test wahrscheinlich etwas anders heran als jemand, der schon zahlreiche solcher Modelle ausprobiert hat und entsprechende Vergleiche anstellen kann. Für mich liegt die Oclean X Pro Elite hochwertig in der Hand, vielleicht eine Idee zu schmal. Im oberen Bereich des Griffs fällt das leuchtende Touch-Display auf (das so wirkt, als wäre es direkt einem Xiaomi Mi Band 4 entnommen), darunter der Power-/Bestätigungs-Knopf mit ebenfalls berührungsempfindlicher Oberfläche. Beides lässt sich leicht erreichen, wenn man die Bürste in der Hand hält.

Oclean X Pro Elite: Überraschend gute App

Bei Oclean handelt es sich übrigens um eine Marke aus Xiaomi-Universum. Die Kollegen von China-Gadgets.de haben bei einem Test eines Vorgängermodells mal bemängelt, dass die Zahnbürste leider zur Nutzung einer separaten App von Oclean zwingt, anstatt sie sinnvoll ins Mi-Home-System zu integrieren. Diese bösen Gedanken verschwinden aber ganz schnell, wenn man ein wenig Zeit mit der App verbringt. Die Oclean-Anwendung ist nämlich überraschend aufgeräumt, sinnvoll gestaltet und sogar gut auf Deutsch übersetzt – nicht unbedingt so, wie man es von einer klassischen „China“-App erwarten würde.

Die App ist sowohl für Android als auch für iOS verfügbar. Da ich momentan noch hauptsächlich ein iPhone 11 verwende, basiert mein Test auf der iOS-Version. Im App Store punktet die Anwendung auch mit 4,5 Sternen bei mehr als 500 Rezensionen. Im Google Play Store sieht es wiederum ganz anders aus, wo sie bei mehr als 3.000 Bewertungen auf 2 Sterne abgerutscht ist. Das hängt aber wohl weniger mit der App an sich zusammen (die Oberfläche ist zumindest anhand der Screenshots exakt die gleiche), sondern damit, dass viele Nutzer seit einem Update mit Verbindungsproblemen zu kämpfen haben.

Preis: Kostenlos
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Nach der Anmeldung – eine E-Mail-Adresse wird für den Login vorausgesetzt – werden einige persönliche Daten abgefragt. Auch zum Status der Zähne, dessen Grad der Vergelbung man angeben muss. Außerdem muss man Gewohnheiten wie den Genuss von Zigaretten, Kaffee, Tee oder Wein beichten, da all das offenbar negativen Einfluss auf die Zahngesundheit haben kann. Anhand dessen wird ein Programm aus insgesamt 13 voreingestellten Abläufen mit Laufzeiten zwischen 2 und 3:20 Minuten ausgewählt.

Bei mir soll es das „Mittelstarke Bleaching“ werden, aber es gibt auch Programme wie „Sensible Reinigung“ oder „Süße Getränke am Nachmittag“. Wie sich diese tatsächlich bis auf die Stärke der Vibration und angewandte Dauer unterscheiden, konnte ich nicht feststellen. Wem das nicht reicht, kann sich in der App außerdem ein benutzerdefiniertes Programm zusammenstellen. Eigentlich schlau gedacht: Jedes Programm ist mit Anweisungen versehen, die bei der Reinigung unterstützen sollen. Tatsächlich zeigt die App jedoch nur die immer wieder gleichen Abfolgen der verschiedenen Bereiche (erst die Wangenseite, dann die Gaumenseite, erst links, dann rechts), die es zu putzen gilt. Hier hätte Oclean gut mit Animationen zeigen können, wie man die Bürste richtig im Mund bewegt.

Die Kopplung per Bluetooth funktionierte bei mir auf der Stelle und hatte erst einmal ein Firmware-Update zur Folge – na klar, davon bleibt auch die smarte Zahnbürste nicht verschont. Die Nutzung der App ist aber gar nicht zwingend notwendig, denn schon über den Touchscreen lassen sich einige Parameter wie Stärke, Dauer und Putzmodus (Reinigen, Massieren, Empfindlich, Aufhellen) anpassen. Der Reinigungsvorgang an sich lässt sich schwer beschreiben und ist sehr subjektiv. Auf niedriger Stärke-Einstellung mag den einen die Bürstenvibration vielleicht etwas kitzeln, auf hoher Einstellung könnte das Zahnfleisch empfindlich reagieren. Aber das ist ja das Tolle an der smarten Bürste: Sie lässt sich ohne Probleme auf die individuellen Bedürfnisse anpassen.

Auf dem Startbildschirm der App werden Daten zur letzten Reinigung sowie die mit dem aktuellen Bürstenkopf verbrachten Zeit auf einen Blick zusammengefasst. Über „Verlauf“ gelangt man zu einer Kalenderübersicht, wo man die Werte von jedem einzelnen Tag nachschlagen kann. Dazu gehört die Punktzahl, die den Reinigungseffekt auf einer Skala von 0 bis 100 bewertet. Das ist einer der beiden Wege, auf denen die Zahnbürste Feedback gibt, wie gut man geputzt hat. Außerdem werden die vier Zonen des Gebisses direkt nach der Reinigung auf dem Bildschirm der Bürste analysiert, sodass man weiß, welchen Bereichen man beim nächsten Mal etwas mehr Beachtung schenken sollte.

Die Punktzahl ist in meinen Augen schon ein guter Ansatz, das Zähnebürsten für so Putzmuffel wie mich mit ein bisschen Gamification aufzupeppen. Aber mit der App hätte es doch noch so viel mehr Möglichkeiten wie zum Beispiel Achievements gegeben. An drei Abenden hintereinander fein gebürstet? An sieben Morgen vor sieben Uhr? Sogar an Heiligabend dran gedacht? Das schreit nach einer digitalen Belohnung!

Oclean X Pro Elite: Nur ein Bürstenkopf im Lieferumfang

Im Lieferumfang der X Pro Elite enthalten ist leider nur ein Bürstenkopf, sodass bei längerer Benutzung ein Wechsel auf jeden Fall ansteht. Der einzige Weg, um an die geeigneten Exemplare zu kommen, ist anscheinend der offizielle Oclean-Store. Vier Stück kosten 17,95 Euro, im Schnitt günstiger wird es im Zehnerpack für 35,95 Euro. Immerhin: Der Versand in Deutschland ist kostenlos. Außerdem kommt die Oclean X Pro Elite mit einer magnetischen Wandhalterung mit Klebefläche zur Befestigung (die bei mir nicht benutzt wurde), sowie die Ladestation mit USB-Kabel (ein Adapter liegt nicht bei).

Die Zahnbürste hat eine glatte Unterseite und bietet so kaum Gelegenheit zur Verschmutzung. Außerdem lässt sich der gummiartige Überzug der Ladestation abziehen, wodurch sich das säubern noch einfacher gestaltet. In meinem Testumfeld war es nicht unbedingt notwendig, den Akku bis an seine Grenzen zu treiben. Nach jeder Benutzung müsste die Oclean X Pro Elite aber eigentlich nicht in die Ladestation, selbst für eine kurze Reise würde ich auf den eingebauten Stromspeicher vertrauen, ohne fürchten zu müssen, plötzlich wieder aus eigener Kraft bürsten zu müssen.

Oclean X Pro Elite ausprobiert: Fazit

Wer bis jetzt den Text nur überflogen hat, wird womöglich überlesen haben, dass ich von der Oclean X Pro Elite durchaus angetan bin. Mit Preisen um die 60 Euro (zum Beispiel auf eBay oder ein bisschen mehr direkt beim Hersteller) mag sie auf den ersten Blick für eine Zahnbürste etwas teuer erscheinen, verglichen mit einer ähnlichen (beispielsweise einer von Oral-B, die selten unter 100 Euro zu bekommen sind) wirkt sie dann aber wieder wie ein Schnäppchen. Wer also noch völlig von Hand schrubbt oder noch mit einer unintelligenten elektrischen Zahnbürste unterwegs ist, findet hier einen preiswerten, aber trotzdem qualitativen Einstieg in die Welt der smarten Gebissreinigung.

Würdet ihr einem solchen Gadget eine Chance geben oder habt ihr sogar schon eine ähnliche Bürste im Einsatz? Lasst es mich in den Kommentaren wissen! Solltet ihr Fragen haben, kann ich sie euch vielleicht noch beantworten.

Disclaimer: Danke an Oclean für die Dauerleihgabe! Ich freue mich, meine täglichen Routinen weiterhin mit der X Pro Elite durchzuführen, versichere euch aber, dass der Hersteller keinerlei Einfluss auf die Bewertung hatte. 

Jonathan Kemper

Studiert Technikjournalismus, bloggt über Smartphones, Apps und Gadgets, seit 2018 mit regelmäßigen News und ausführlichen Testberichten bei SmartDroid.de an Bord.

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6 Kommentare

  1. Naja im Vergleich zu meiner Philips Sonicare die so um die 200 Euro gekostet hatte ist Sie ein wahres Schnäppchen auch die Ersatzbürsten sind deutlich billiger.
    Sollte Sie auf ähnlich hohem Niveau Putzen wie die Philips dann ist Sie eine echte Alternative.

  2. Nutze schon seit gut anderhalb Jahre eine elektrische Schallzahnbürste con Oclean. Primärer war der wiederaufladbare Li-Akku mit LANGER Laufzeit.
    Oral-B machte bis dahin immer nach 7 Tagen schlapp und stand daher immer auf dem Ladegerät. Habe einmal eine kaputte Oral-B demontiert und wahr erschroken über den eingebauten Akku: eine normale wiederaufladbare AAA – Batterie.

    Und nun eine Laufzeit von VIEW Wochen ….. boooooah

    Auch des Erstellen eines individuellen Putzrhytmus finde ich gut.

  3. Meine Oclean war nach gut einen halben Jahr defekt. Geht leider ständig aus und kaum wieder an. Scheint laut Bewertungen leider kein Einzelfall zu sein

  4. Überraschend gute App? Sorry: 3x Tracker enthalten: Facebook-Login, Facebook Share, Bugly…Nein danke, da putze ich lieber weiterhin rudimentär.

  5. Nö, bei aller Liebe, es muss nicht alles aus China sein. Da vertraue ich deutscher Ingenieurs und Handwerkskunst und zahle gerne auch etwas mehr. Dementsprechend bin ich mit meiner neuen Oral b i-o sehr glücklich.

  6. Ich habe die X Pro Elite jetzt seit einer Woche. Davor hatte ich die Soccas X3, mit der ich wirklich zufrieden war(bis sie plötzlich aufgegeben hatte). Aber die Oclean X Pro Elite ist noch mal um einiges besser in der Putzleistung. Tatsächlich zeigt die Bleeching-Funktion sogar schon Wirkung.
    Ersatzbürstenköpfe habe ich im offiziellen Oclean-Store bei Aliexpress geordert, da zahle ich für 4 Köpfe 18,-€.

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