Es wurde für mich endlich Zeit für In-Ears – doch mir war klar: bei Android müsste ich auf Funktionen verzichten, die für Apple-Jünger quasi normal sind. Deswegen war ich auch sehr erfreut, als die Google Pixel Buds Pro vorgestellt wurden: Gutes Noise Cancelling, lange Akkulaufzeiten, schnelle Wechselfunktionen für zwei Wiedergabequellen und eine gute Integration ins Android-OS sorgen auf dem Papier dafür, dass Android endlich einen fähigen – fast gleichwertigen – Ersatz zu den AirPods Pro hat. Jetzt sind die In-Ears von Google angekommen und ich hatte die Chance, die verschiedenen Kopfhörer miteinander zu vergleichen – nicht nur in Sachen Ton, sondern auch Software. Und Abfahrt! 

Google Pixel Buds Pro vs. Sony WH-1000XM4: Äpfel und Birnen

Ja, ich weiß: In-Ears in Bezug auf den Sound mit dicken Kopfhörern zu vergleichen, das geht so eigentlich nicht. Deswegen nur wenige Worte dazu: Die Pixel Buds Pro liefern in der Gegenüberstellung überraschend guten Bass und Hochtöne, sie kommen durchaus an die Qualität der WH-1000XM4 heran. Einziger Unterschied: Die Mitten lassen spürbar nach. Sänger und Sängerinnen saufen im Musikmix etwas ab. Das Phänomen nennt sich „Badewannen-Sound“, wegen ausgeprägter Bässe und Höhen, aber einem vergleichsweise schwachen Mittelfeld. Aber hier bleibt ja noch Hoffnung: Die Google Pixel Buds Pro bekommen einen Equalizer, mit dem ihr dann nach den eigenen Präferenzen optimieren könnt. 

Sonst: Bei der Musikqualität von Spotify und Co. lassen sich eh fast keine Unterschiede ausmachen. Die per AAC übertragenen Audiosignale reichen völlig aus. Einziger Vorteil für die Sony-Kopfhörer: Mit dem Codec LDAC lässt sich theoretisch besserer Klang übertragen – das geht aber nur mit wenigen Endgeräten und auch nur, wenn man die Multipoint-Audio-Option der WH-1000XM4 deaktiviert. Einen direkten kabelgebundenen Vergleich kann ich leider nicht liefern, dafür fehlen den Pixel Buds Pro komischerweise die Anschlüsse. 

In Sachen Noise Cancelling schlagen sich die Pixel Buds überraschend gut. Sitzen die In-Ears sicher im Ohr, werden viele Geräusche der Außenwelt komplett ausgeblendet. Während des Schreibens dieses Artikels höre ich den Schlagbohrer in der Nachbarschaft noch durch – es ist aber deutlich angenehmer, als mit deaktiviertem Noise Cancelling draußen zu sitzen. 

Die WH-1000XM4 haben durch die deutlich größeren, eng anliegenden und sehr dichten Ohrmuscheln natürlich einen klaren Vorteil. Insbesondere tiefe Frequenzen werden besser abgeschirmt. Im direkten Vergleich sind die XM4 natürlich besser – aber hier kriege ich von Lesern bestimmt einen auf den Deckel, so einen Vergleich überhaupt anstellen zu wollen.

Pixel Buds Pro vs. Sony XM4: Google softwaretechnisch überlegen 

Die Sony WH-1000XM4 waren mit die ersten Consumer-Kopfhörer, die Multipoint-Bluetooth angeboten haben: Dank zwei autarken Bluetooth-Chips konnte man zwei Geräte mit den Over-Ears koppeln, etwa Laptop und Smartphone. Das Versprechen war, dass dadurch ein nahtloser Übergang zwischen den Geräten möglich werden würde. Das klappt auch größtenteils – wenn nicht zufällig ein Windows-Laptop genutzt wurde, der aus irgendeinem Programm oder Video Audiosignale erkennt. Diese blocken bei den XM4 dann nämlich den automatischen Wechsel auf das Smartphone-Audio. Super nervig, weil man entgegen des Werbeversprechens eben doch das Bluetooth bei einem Gerät deaktivieren musste. Nur der Wechsel zwischen Medienwiedergabe am Laptop und Telefonie am Handy klappte problemlos. 

Nun kommen die Google Pixel Buds Pro – und gehen das Problem nativ in Android an. Bei der Nutzung mit zwei Geräten erkennen die Buds Pro recht gut, welches Gerät gerade Medien wiedergibt. Per Popup-Benachrichtigung könnt ihr auch auswählen, ob das Gerät wirklich gewechselt werden soll oder die Buds erstmal bei der anderen Wiedergabequelle bleiben sollen. Die Sony-Kopfhörer musste man dafür erst vom anderen Gerät trennen oder kurz neu starten. In der Benachrichtigungsleiste darf jederzeit zwischen den beiden Geräten gewechselt werden. 

Preis: Kostenlos
Preis: Kostenlos

Große Pluspunkte gibt es für mich dafür, dass es keine Dritthersteller-App benötigt. Sonys WH-Serie mit XM2 bis XM5 benötigen die App „Headphones Connect“ aus dem Play Store. Durch den bescheuerten Namen findet niemand die Anwendung wieder. Und während die Einstellungsmöglichkeiten bei den Sonys größer sind (3D-Sound, Codec-Auswahl, Aktivitätsübersicht, Klangverbesserung und Equalizer), ist das meiste nur Spielerei. Ganz im Ernst: Mehr als einen Equalizer und Codec-Einstellungen braucht kein Mensch. 3D-Sound ist ein – zumindest bei mir – selten bis nie gebrauchtes Werbefeature, die Aktivitätsübersicht schmiert regelmäßig ab und auch die anderen Funktionen sind teils nur Spielereien.

Die Pixel Buds hingegen laufen über das native Bluetooth-Menü von Android und beschränken sich auf Assistant-Einstellungen, Bedienungsoptionen, Gerät suchen und die Überprüfung des Sitzes. Zack, fertig! Wenn jetzt noch der Equalizer nachgereicht wird, sind die Einstellungen für die Google Pixel Buds Pro völlig ausreichend und einfacher als die von Sony und Co..

Pixel Buds Pro: Fast Pairing wird zu Android-Standard

Neue Kopfhörer von den größten Herstellern haben seit Android 13 die Möglichkeit, Fast Pairing anzubieten. Per Popup wird der Nutzer des Handys direkt darauf hingewiesen, dass die Verbindung mit nicht gekoppelten Kopfhörern möglich ist. Als ich meine XM4 gekauft hatte, gab es diese Funktion noch nicht – inzwischen wurde es aber nachgeliefert. Insofern gibt hier es für die Pixel Buds Pro fast keinen Vorteil. Außer: Die Einrichtung der Kopfhörer startet direkt im Android-Pairing-Menü, statt, wie bei Sony, wieder auf eine Drittanbieter-App zugreifen zu müssen. 

Google Pixel Buds Pro vs. AirPods Pro: Der wahre Kampf

Google hat mit den Pixel Buds A Series bereits einige Jahre in der Welt der In-Ear-Kopfhörer gesammelt – und viele gelernt sowie deutlich verbessert, wie die Pixel Buds Pro zeigen. Doch reicht die Qualität schon an die AirPods Pro heran, die gemeinhin als mit die besten Noise-Cancelling-In-Ears bezeichnet werden? 

Jein: In Sachen Software ist Apple immer noch vor Google. Google muss immerhin das Multipoint-Audio zwischen Android und Windows oder Mac hinbekommen – eine zusätzliche Kommunikation abseits des Bluetooth-Audio-Streams findet nicht statt. AirPods kommunizieren dagegen im nativen Ökosystem mit iPhone, iPad und MacBook – völlig ohne Hänger, weil jeder Aspekt der Nutzung geplant werden kann.

Die Pixel Buds Pro müssen sich im Gegensatz dazu auf das einkommende Audiosignal verlassen – und wenn an einem Gerät eine sehr leise Medienwiedergabe ist, wissen die Pixel Buds Pro im Zweifel nicht, welche Medienquelle die richtige ist. Hier ist dann selber Hand anlegen gefragt. Bis der normale Bluetooth-5.0-Standard ohne krude Erweiterungen auf dem Kommunikationslevel wie Apple ist, müssen wohl noch zwei Versionsnummern oben drauf kommen.

Bei beiden Kopfhörern lassen sich die jeweiligen Sprachassistenten einfach starten. Ob „Hey Siri“ oder „Okay Google“ – beide Befehle sind gleich schnell erkannt. Durch die KI-Spracherkennung meines Pixel 6 Pro laden Antworten im Regelfall etwas schneller als beim iPhone – wer aber keinen Tensor-Chip nutzt, muss die Sprachdateien weiterhin erst hochladen und dann analysieren lassen. 

Pixel Buds Pro vs. AirPods Pro: Der Bass knallt – bei einem mehr als dem anderen

Auch beim Vergleich Pixel Buds Pro vs. AirPods Pro fällt auf: Die Pixel Buds Pro verzichten auf ein wenig Lautstärke im mittleren Frequenzspektrum. Aber: Trotzdem hören sie sich meines Empfindens schon jetzt besser an als die AirPods! Der Grund ist ganz simpel: Der starke Bass überzeugt deutlich mehr als bei den AirPods, wo dieser eher schwach auf der Brust ist.

Beide Kopfhörer haben mir einmal 808 Slate von Extrawelt und einmal Spoiler von Hyper abgespielt, der Unterschied im Tiefbassbereich war enorm. Um auch noch deutschen Pop/Indie rein zu bringen: Im direkten Vergleich bei „Von wegen Lisbeth“ mit „Wenn du tanzt“ fällt der Bass wieder deutlicher auf. Die Stimme des Sängers hört sich aber bei den AirPods natürlicher an, bei den Pixel Buds Pro klingt sie weniger warm. Wieder liegt der Fokus in der Stimme in den höheren Frequenzen. 

Also, wie schon gesagt: Von einem neutralen Klangbild sind die Pixel Buds Pro noch ein wenig entfernt. Der noch kommende Equalizer kann und wird hier noch einmal einiges verbessern. 

Noise Cancelling: Pixel Buds sind mindestens on par 

Die Testphase war jetzt nicht super lang, aber: Die Pixel Buds Pro scheinen Gespräche ein kleines wenig besser zu filtern als die AirPods Pro. Gefühlt wird das gesamte Stimmbild noch leiser als bei den AirPods, nur die Frequenzspitzen im höheren Bereich stechen noch durch. 

Meine mechanische Tastatur (Logitech G815) ist der Noise-Cancelling-Killer schlechthin: Laute Tastaturanschläge in unmittelbarer Nähe sind eine denkbar unpraktische Kombi. Tatsächlich schlagen sich meines Empfindens nach auch hier die Pixel Buds Pro besser. Die AirPods lassen mehr höhere Frequenzen durch als die Buds Pro – dadurch hört sich jeder Anschlag bei den Buds besser an. Um ehrlich zu sein: Durch die andere, „massivere“ Bauweise der AirPods dachte ich eher, dass hier die Pixel Buds verlieren. 

Den Schlagbohrer haben gefühlt beide Kopfhörer gleich gut „abgewehrt“. Eben solche monotonen Geräusche lassen sich von Noise-Cancelling-Algorithmen auch am besten blocken: Motorengeräusche, Baustellen oder 

Pixel Buds Pro vs. AirPods Pro: Sitz und Bequemlichkeit

Noch eine Kategorie, der niemand Beachtung schenken muss, einfach weil iOS-Nutzer vermutlich niemals Buds benutzen würden, und selbiges umgekehrt für die AirPods gilt. Dennoch ein fixer Vergleich! 

Beim Ladecase gewinnen für mich die AirPods Pro. Die Klavierlack-Oberfläche fühlt sich einfach viel wertiger an als das fast schon weiche Plastik der Google Pixel Buds Pro. Das Case ist außerdem ein Stück kompakter. Der Verschluss fühlt sich bei den AirPods stabiler an, da er breiter ist als der des Pixel Buds Pro-Cases. Insgesamt hat Apple mehr Erfahrung mit Magneten: Der iPad-Stift, MagSafe, die Verschlüsse der MacBooks und natürlich die vorangegangenen AirPod-Generationen haben die Haptik deutlich verbessert. Der Pixel Buds Pro-Verschluss funktioniert, hat aber nicht dieses gewisse Premium-Feeling. Schwer zu beschreiben.

Übrigens: Die In-Ears aus dem Case zu bekommen, ist bei den AirPods deutlich leichter. Mit zwei Fingern kann der Ohrhörer hier leicht herausgezogen werden. Die Pixel Buds Pro hingegen müssen spitzer gegriffen werden, halten mit dem Magneten gut im Case und haben dadurch das Risiko, irgendwann unkontrolliert durch den Raum gepfeffert zu werden. Mit ein wenig Übung und im wahrsten Sinne des Wortes Fingerspitzengefühl lassen sich aber auch die Pixel Buds einfach entfernen.

Jetzt geht’s aber um das Ohr selbst: Welcher Kopfhörer sitzt besser? Das ist natürlich wieder höchst subjektiv. Aber mir persönlich gefallen die Pixel Buds besser. Weniger Plastik berührt mein inneres Ohr, vielmehr übernehmen die Silikon-Stöpsel einen großen Anteil am Halt der In-Ears. Die AirPods drücken zumindest meine Ohrmuschel weiter auseinander, da mein Ohr zu klein zu sein scheint. Dadurch tun mir AirPods nach maximal zehn Minuten im Ohr weh. Ähnlich war es auch schon bei den EarPods, die eine ähnliche Passform hatten. 

Die Pixel Buds mit drei Aufsätzen decken ein breites Spektrum ab, um den Sitz zu optimieren. Mir persönlich passt im linken Ohr der mittelgroße Stöpsel, im rechten Ohr ist es der große. Vier Stunden Nutzung am Stück gestalteten sich bisher als recht komfortabel. 

Fazit: Was müssen die Google Pixel Buds Pro noch von AirPods und Sonys XM-Serie lernen?

Pixel Buds Pro

  • Fast Pairing inzwischen auf Apple-Niveau
  • Sound-Qualität völlig ausreichend
  • keine zusätzliche App notwendig

AirPods Pro

  • praktisch die beste Wahl, wenn man im Apple-Universum ist
  • tiefe Integration in iOS
  • bestklingende Apple-In-Ears

Sony WH-1000XM4

  • wenig überraschend bestes Noise Cancelling
  • zusätzliche App notwendig

Die Pixel Buds Pro sind ein gelungener Einstieg in die Welt der smarten Kopfhörer. Die In-Ears greifen auf alle aktuellen Funktionen von Android 13 zurück und sind erstmals ins Betriebssystem integriert, wodurch keine anderen Apps genutzt werden müssen. Und: Zum ersten Mal muss man sich als Android-Nutzer nicht vor iOS verstecken. Fast Audio Switching ist endgültig anständig implementiert und sollte bald auch bei anderen Kopfhörern Einzug erhalten. Doch ein paar Kleinigkeiten sollte Google bei den Pixel Buds Pro 2 wohl noch anfassen: 

  • Equalizer muss zum Launch bereitstehen
  • Ladecase etwas kompakter, ggf. wertiger gestalten
  • Fast Audio Switching mit Windows optimieren: Mit Companion-App o.ä., um auf iOS-Qualität zu kommen

Was sind eure Erfahrungen mit den Google Pixel Buds Pro? Welche Stärken und Schwächen haben die Kopfhörer? Wir freuen uns über eure Einschätzung – ab in die Kommentare damit!

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1 Kommentar

  1. Mich würde interessieren, welche der in Ears sich besser unter einem Motorradhelm tragen lassen. Bisher nutze ich für diesen Zweck die in Ears von libratone, da diese nur wenig aus dem Ohr herausragen.

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