Jaja, selbst die zumindest aktuell gültigen 17,50 Euro im Monat sind kein Schnäppchenpreis und das ganze Konstrukt muss mal dringend reformiert werden – aber ich würde den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland gegen nichts in der Welt eintauschen wollen. Da ich keinen Fernsehanschluss habe, bin ich sogar völlig auf die digitalen Angebote angewiesen und abgesehen von den „funk“-Formaten auf YouTube regelmäßiger Nutzer der Mediatheken.

Gute Idee, aber auch gute Umsetzung?

Über den Online-Weg kommt aber bei weitem nicht das Zapping-Gefühl wie über das normale TV-Programm auf, alleine schon deswegen, weil man für ARD und ZDF zwei verschiedene Apps benötigt, um sie dann zum Beispiel auf den Chromecast streamen zu können. Wie die beiden Rundfunkanstalten jetzt ankündigen, soll damit bald endlich Schluss sein. Das heißt aber nicht, dass man an einer gemeinsamen Mediathek arbeitet – das wäre ja auch völlig absurd, haha – sondern nach und nach dem jeweiligen Gegenüber die eigenen Inhalte zur Verfügung stellen möchte. ZDF-Intendant Thomas Bellut:

Die Idee vom neuen Streaming-Netzwerk von ZDF und ARD ist deswegen bestechend gut, weil es für die Nutzerinnen und Nutzer so einfach ist.

Ehrlich gesagt finde ich die „Idee“ an sich jetzt noch nicht „bestechend gut“, lieber wäre mir eine bestechend gute Umsetzung. Versprochen ist, dass Nutzer zwischen 250.000 „Filmen, Dokumentationen, Satire- und Serienstoffen“ wählen können sollen, ohne die Plattform wechseln zu müssen.

Personalisierung steht im Vordergrund

Kernstück des Projekts sei ein gemeinsames Personalisierungs- und Empfehlungssystem sowie ein einziges Nutzerkonto für beide Angebote, womit man offenbar Streaminggrößen wie Netflix nacheifert. Zumindest in meinen Augen ist die tief integrierte Personalisierung ein großer Faktor, wenn es um den Erfolg geht.

Dabei müssen laut jüngster Zahlen die Nutzer gar nicht mehr unbedingt von den VOD-Angeboten der Öffentlich-Rechtlichen überzeugt werden. Mehr als 30 Prozent der Befragten gaben an, innerhalb der letzten vier Wochen einen solchen Service genutzt zu haben, was einem Plus von mehr als 7 Prozent entspreche. Netflix hingegen hat sogar einen ganzen Prozentpunkt verloren.

Und gerade während der EM erfreuen sich die Liveübertragungen in den Mediatheken natürlich besonderer Beliebtheit: Beim Spiel Deutschland-Frankreich seien die ZDF-Livestreams mehr als neun Millionen Mal aufgerufen worden.

Zusammenlegung Stück für Stück

Während der Launch der „gemeinsamen“ ARD-Mediathek, die größtenteils Regionalsender unter ein Dach brachte, auf einen Schlag passierte, geht man hier wohl schrittweise vor. Von Vorteil sei, dass beide Mediatheken ihren Sitz in Mainz haben. Inhaltlich wolle man weiterhin konkurrieren und sich als eigenes Angebot aufstellen. Grundsätzlich sei man aber auch gegenüber Partnerschaften mit Phoenix, Arte und dem Deutschlandradio offen eingestellt.

Wann es jetzt endlich so weit sein soll, dass man in der ZDF-Mediathek auch nach dem „Tatort“ suchen kann, wurde indes noch nicht angekündigt. Was haltet ihr von der Entscheidung? 

Jonathan Kemper

Studiert Technikjournalismus, bloggt über Smartphones, Apps und Gadgets, seit 2018 mit regelmäßigen News und ausführlichen Testberichten bei SmartDroid.de an Bord.

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2 Kommentare

  1. Ich finde es prima. Ich nutze die Mediatheken vorwiegend am Fernseher, habe keine zusätzlichen Abos und auch keine andere Hardware. Gerade in Sommerzeiten ist das Livefernsehen ja von Wiederholungen geprägt.

  2. Ich finde die Idee auch sehr gut, da wir viel über die Mediatheken schauen. Es ist lästig immer wieder die App zu wechseln und das würde ja dann auch entfallen.

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