RCS ist in Deutschland plötzlich wieder interessant, Google verschafft dem SMS-Nachfolger neuen Aufschwung. Aber kostet das den Nutzer etwas?

RCS ist der offizielle Nachfolger der SMS mit modernen Funktionen wie bei bekannten Messenger-Apps. Die Netzbetreiber haben ihre eigenen Apps nicht durchsetzen können, dennoch ist RCS zumindest bei einem Teil der deutschen Netzbetreiber nach wie vor benutzbar. Google setzt für Android jetzt ein universelles Profil ein, damit RCS für alle Mobilfunkkunden verfügbar wird. Da stellt sich doch die Frage, ob RCS eigentlich Geld kostet?

Das grundlegende Thema bei RCS ist, dass die Nachrichten normalerweise direkt über die Netzbetreiber bzw. deren Infrastruktur gehen. Im Grunde genommen durchaus ähnlich wie bei SMS und MMS. Und tatsächlich war RCS anfangs nicht automatisch kostenfrei oder gar in jedem Tarif inbegriffen. Heute ist der Markt undurchsichtig wie nie zuvor, da die RCS-Unterstützung in den deutschen Netzen teilweise nur für wenige Tarife gilt.

Telekom verweist auf Apps von Samsung und Google

Message+ gibt es nicht mehr, bei Telekom verweist man bereits auf die Messages-Apps von Samsung und Google. Nur bei Apple-Geräten braucht es noch die eigene Message+ App. Heute ist RCS in den Telekom-Tarifen kostenlos, „im Inland über Mobilfunk und WLAN für alle Telekom Mobilfunk-Kunden in Laufzeitverträgen mit monatlichem Grundpreis sowie Prepaid-Tarifen mit gebuchter SMS- oder Datenflat ohne Zusatzkosten nutzbar.“

Hat man zum Beispiel eine Prepaid-Karte ohne eine gebuchte Flat, kostet jede Nachricht und versendete Datei je 9 Cent.

Vodafone Chat verweist ebenfalls auf Standard-App von Android

Wie die Konkurrenz verweist Vodafone direkt auf die Messages-App von Android, die heute ab Werk dazugehört und seit geraumer Zeit RCS-fähig ist. Im offiziellen FAQ des Netzbetreibers steht, dass sogenannte Chat-Nachrichten für Vodafone-Kunden kostenlos sind und lediglich dem Datenvolumen angerechnet werden. SMS und MMS werden hingegen entsprechend dem jeweiligen Tarif abgerechnet.

Telefonica (O2) hat RCS nach Auszeit wieder reaktiviert

Telefonica sah RCS wohl als gescheitert, sodass man die Funktionen sogar eine Zeit lang komplett deaktivierte. Erst dieses Jahr hat man sich wieder umentschieden, seit Juli 2020 wird der Dienst nach und nach wieder für O2-Kunden freigeschaltet. Zunächst sogar nur für Samsung-Nutzer, später auch für alle Android-Anwender mit Messages-App von Google.

Wie bei den anderen Netzbetreibern erfolgt die Abrechnung über das Datenvolumen. Es fällt daher kein gesondertes Entgelt an.

Das größte Problem möchte Google beheben

Sobald Tarife nicht direkt von den Netzbetreibern stammen, ist RCS nicht immer verfügbar oder wird zumindest nicht erwähnt. Ich selbst bin aktuell bei Fraenk von Congstar, ohne Googles universelle Lösung könnte ich RCS vermutlich auch über die nächsten Jahre nicht verwenden. Einige Service-Provider sind am Start, selten gibt es hierzu eine offizielle Kommunikation. Man muss nachfragen oder selbst testen, ob die Chatfunktionen in Messages verfügbar sind.

Dieses Durcheinander entwirrt Google mittels eigener Lösung, wofür man vor einigen Jahren Jibe übernommen hatte. Googles Lösung kommt theoretisch immer dann zum Einsatz, wenn der jeweilige Mobilfunkanbieter bei RCS noch nicht dabei ist. Außerdem möchte Google eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung durchsetzen, die für RCS bis dato nie Thema war.

Und obwohl RCS bislang eigentlich kein oft diskutiertes Thema ist, weil die meisten Nutzer wohl ohnehin auf WhatsApp und Co. zurückgreifen, soll es derzeit rund 473 Millionen Nutzer weltweit geben.

Ein weiterer informativer Beitrag im Telekom-Forum.

Googles echter Android Messenger startet – einfach wie SMS und umfangreich wie WhatsApp

Markiert:

Denny Fischer

Gründer Smartdroid.de, bloggt seit 2008 täglich über Smartphones, Android und ähnliche Themen.