Mit seiner jüngsten Produktvorstellung hat mich Amazon wirklich überrascht. Der US-Händler ist weltweit führender Anbieter von E-Book-Readern – trotz (oder vielleicht gerade, weil?) es ein geschlossenes System zum Bezug der entsprechenden Inhalte gleich dazu liefert.

Seit dem allerersten Amazon Kindle im Jahr 2007 hat die Gerätekategorie beim Hersteller schon einige verschiedene Ausführungen gesehen. Der Bildschirm ist gewachsen, wurde mit einer Tastatur kombiniert oder hat eine Hintergrundbeleuchtung erhalten. Der Kindle wurde in verschiedene Serien eingeteilt, von denen es heute gar nicht mehr alle gibt. Jetzt kommt mit dem Amazon Scribe das erste Modell einer neuen Linie hinzu, die in so gut wie allen Bereichen etwas anders als seine Geschwister macht.

Riesiger Touchscreen mit Handleiste

Auffälligstes Merkmal ist wahrscheinlich der riesige Bildschirm, der mit 10,2 Zoll Diagonale gegenüber den meist 6 Zoll messenden Kindles deutlich mehr Oberfläche bietet. Damit dieses massive Display überhaupt in den Händen gehalten werden kann, ist der Kindle Scribe nicht symmetrisch aufgebaut, sondern bietet auf einer Seite einen merklich breiteren Rand. Dabei spielt es keine Rolle, ob ihr Rechts- oder Linkshänder seid, da ihr das Gerät einfach entsprechend drehen könnt und sich der Bildschirminhalt flexibel der Ausrichtung anpasst.

Der Bildschirm des Kindle Scribe ist wie die anderen auch mit einem Touchscreen ausgestattet. Erstmalig legt Amazon einen Stift dazu, der zum Zeichnen, Notieren und Kommentieren von Dokumenten einladen soll. Damit ist er besonders interessant für Leute, die ihn vielleicht in der Uni oder im Beruf nutzen wollen, während alle anderen Kindles eher für die Freizeit gedacht waren.

Kindle Scribe: Alternativen deutlich teurer

Ganz neu hat sich Amazon diese Gerätekategorie nicht ausgedacht. Neben eher kleineren Anbietern wie ReMarkable, Onyx Boox oder Supernote hat sich kürzlich auch Huawei mit dem MatePad Paper eingemischt. Amazon hat aber die Chance, durch seinen prominenten Namen und eine extrem aggressive Bepreisung, den Markt im Sturm zu erobern.

Amazon Kindle Scribe Zeichnen
Bild: Amazon

Für den Kindle Scribe inklusive Stift werden nämlich gerade einmal 369 Euro fällig. Vergleichbare Geräte der Konkurrenz schlagen mit 499 Euro (Huawei MatePad Paper), 428 Euro (ReMarkable 2 mit günstigerem Stift), 519,99 Euro (Onyx Boox Note Air2 Plus) oder 675 Euro (Supernote A5X) deutlich teurer zu Buche.

Zwei verschiedene Stifte, monatelange Akkulaufzeit

Natürlich bleibt auch noch die Frage, was man dafür überhaupt bekommt. Der Kindle Scribe kommt mit einem 10,2-Zoll-Paperwhite-Bildschirm mit 300 PPI und einer Grauskala in 16 Stufen. Der interne Speicher fasst 16, 32 oder 64 GB. Die beiden größeren Versionen sind ausschließlich in Kombination mit dem „Premium-Stift“erhältlich, der ein Radiergummi sowie Kurzbefehltaste zum Verstellen der Funktion wie Stift oder Textmarker bietet. Beide sind aber magnetisch am Gerät zu befestigen und müssen nicht wie der Apple Pencil am iPad aufgeladen werden. Das beeinträchtigt auch nicht die Akkulaufzeit des Kindle Scribe, die Amazon mit bis zu 12 Wochen angibt. Geladen wird per USB-C in 2,5 bis 7 Stunden, je nachdem, welches Netzteil man verwendet.

Quelle: Amazon

Welche Formate unterstützt der Kindle Scribe?

Nicht ganz unwichtig ist die installierte Software. Amazon hält wenig überraschend an seinem geschlossenen Amazon-System fest. E-Books könnt ihr wie gewohnt über den Amazon-Store beziehen, zusätzlich aber auch eigene Dateien übertragen. Amazon gibt die Kompatibilität zu folgenden Dateiformaten an: TXT, PNG, GIF, JPG, JPEG, RTF, HTM, HTML, BMP und EPUB.

Zusätzliche Apps lassen sich im Gegensatz zum Onyx Boox Note Air2 Plus nicht installieren, darauf läuft Android. Das befindet sich übrigens bei mir im Test, weshalb ihr euch schon hoffentlich bald auf einen ausführlichen Erfahrungsbericht freuen könnt. Der Kindle Scribe soll ab dem 30. November ausgeliefert werden.

Ich bin sehr gespannt, wie die Konkurrenz auf Amazons Angriff reagieren wird. Wer sich also in diesem Kosmos wohlfühlt und vielleicht eh schon ein paar E-Books im Store gekauft hat, findet im Kindle Scribe ein interessantes und vor allem günstiges Gerät einer aktuell stark wachsenden Sparte.

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3 Kommentare

  1. Ganz ernsthaft, pdfs kann er nicht öffnen?
    Ich hab einen remarkable 2, seit bald 2 Jahren begleitet er mich. Notizen machen, to do listen, eBooks lesen, pdfs lesen und kommentieren.
    Und das ganze einfach per Email tauschen oder Google drive.
    Ich möchte nicht, dass Amazon auch noch meine Notizen kennt neben allem anderen.
    Bei mir hat sich rein gar nichts geregt, kein ‚oh, jetzt möchte ich unbedingt den kindle scribe haben“. Im Gegenteil.

  2. Ich habe auch das Remarkable 2 und bin hellauf begeistert. Was mir dort fehlt?

    Hintergrundbeleuchtung und Zugriff auf meine Amazon Bibliothek sowie die Worterbuchfunktion des Kindles.

    Wenn ich nun meinen Kindle und das Remarkable in einem Gerät vereint sehen würde, regt sich da schon deutliches Interesse :)

    Und dass der Kindle Scribe kein PDF kann, sollte redaktionell nochmal überprüft werden. Das konnten doch schon die 6 Zoll Kindles.

    Und wenn der Kindle Scribe auch epub unterstützt, wäre noch interessant zu wissen, ob das nur für DRM frei epubs tut, oder endlich auch die epubs der örtlichen Bücherei verwendet werden können ;)

  3. hallo zusammen!
    Mich würde eine Gerät interessieren, welches das remarkable2 mit dem pocketbook inkpad2 vereint. Dieses wäre für mich mehr als interessant, nur dann wäre ich bereit wieder mal über 400€ in ein Neugerät zu investieren. Ich möchte zudem nicht undedingt am Amazon Bookstore gebunden sein, sondern weiterhin im Löwenherz Wien online meine ebooks im epub Format erwerben können!
    All das geht mit dem Kindle Scribe ?

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