Google will mit Android Automotive unbedingt tief in unsere Autos. Aber der Start der Plattform lässt noch viele Wünsche offen.

Volvo war so nett und hat uns einen aktuellen XC40 Recharge für Testzwecke zur Verfügung gestellt. Das war zugleich für mich auch die Möglichkeit, das noch eher unbekannte Android Automotive OS (nachfolgend AAOS abgekürzt) im Alltag ausgiebig zu testen. Dabei sind ein paar wenige Punkte hängen geblieben, mit der man die Plattform insgesamt derzeit sehr einfach beschreiben kann. Google muss jedenfalls noch einiges tun, besonders weil es zukünftig immer mehr Fahrzeuge mit AAOS geben soll.

Grundsätzlich haben es Volvo und Google geschafft, eine ursprünglich für Smartphones entwickelte Software vernünftig ins Auto zu bringen. Bei der Premiere vor ein paar Jahren stand die Volvo-Tochter Polestar im Fokus, die Schweden sind also echte Pioniere auf diesem Gebiet. Die Oberfläche ist schlicht und logisch aufgebaut, lässt sich bis auf wenige Ausnahmen reaktionsschnell bedienen. Ich nutze Google Maps seit Jahren bevorzugt, mir gefiel daher die Verfügbarkeit und nahtlose Integration auf beiden Displays.

Die Startseite sieht nicht gerade hübsch aus, aber lässt sich ganz ordentlich bedienen:

Google integriert hier ganz gut die Suche nach Ladesäulen, die mit mehr Ladesäulen-Anbietern als etwa Teslas Karten-App ausgestattet ist. Und auch sonst profitiert man von einer Datenmenge, die wohl kaum ein anderer Anbieter im Karten-Segment auf Lager hat – inklusive der Nutzerdaten. Deutlich schlechter ist dafür das Angebot rund um Medien und Apps. Es gibt nur eine sehr kleine Auswahl an hierzulande bekannten Medien-Apps, was mir etwas missfallen hat.

Navigation mit integrierten Ladepunkten:


Google Maps überzeugt, aber das App-Angebot ist eine Katastrophe.


Spotify ist dabei, aber das war es an populären Namen schon wieder. Es gibt kein YouTube oder Netflix für längere Standzeiten, aber immerhin schon das hauseigene Google Podcasts sowie YouTube Music sind verfügbar. TuneIn und Mediatheken sind auch dabei, aber sehr viele andere Apps wie Deezer oder Apple Music hingegen nicht. Ein weiterer Punkt ist das Fehlen der Messenger-Apps, sodass ihr keinen Zugriff auf WhatsApp, Messages und Co. habt, also auch keine Nachrichten per Sprache diktieren könnt.

Obwohl Google Maps in meinen Augen wirklich gut ist, hatte Google für Android Auto vor einiger Zeit endlich die Türen für andere Apps geöffnet. Das gilt jedoch nicht für AAOS, sodass es hier keinen Zugriff auf Apps wie Chargemap oder Chargepoint gibt. Genauso wenig gibt es andere Apps für die Navigation wie TomTom oder Map Factor. Nicht einmal das hauseigene Waze ist für AAOS verfügbar.


Fehlende Verknüpfung zum Smartphone lässt viel Potenzial sausen.


Wo die Android-Basis eigentlich ihren Vorteil haben müsste, insbesondere durch die Verfügbarkeit von Google Assistant, versagt Android Automotive OS fast auf ganzer Linie. Es gibt keine Companion-Verbindung wie zu Smartwatches mit Wear OS, dabei wäre das wohl die beste kabellose Umsetzung. Apropos Google Assistant. Der Sprachassistent hat bei Tastendruck eher langsam reagiert und verpasste somit oftmals meine Sprachbefehle. „Hey Google“ wurde hingegen gut verstanden und machte die Sprachsteuerung intuitiv nutzbar.

Dafür kann man bei AAOS über den Sprachassistenten nicht nur die Navigation starten oder Orte suchen, sondern auch Fahrzeugfunktionen wie die Klimaanlage, die individuelle Konfiguration der Sitzheizung oder auch das Radio bedienen. Das geht zum Beispiel mit der reinen Smartphone-App Android Auto natürlich nicht, weil da die Schnittstelle zu den Fahrzeugfunktionen fehlt.

Alles, was mit dem Auto zu tun, ist über AAOS bedienbar:

Am unteren Bildschirmrand ist immer eine Leiste eingeblendet, die wichtige Schnellzugriffe bietet:


Es gibt einige Wünsche, die uns Google noch erfüllen könnte.


Ein großer Wunsch für die Zukunft ist eine bessere Integration ans gekoppelte Smartphone des Fahrers. Ich habe Android im Auto und auf dem Telefon, aber die Verbindung zwischen beiden Plattformen lässt zu Wünschen übrig. Für eine Verbindung zum Auto braucht es eine App des Fahrzeugherstellers, um etwa aus der Ferne das Auto herunterkühlen oder aufheizen zu können. Warum gibt es keine direkte Android-Verbindung, um diese Funktionen etwa in den Schnelleinstellungen des Telefons anzubieten?

Android läuft auf dem Großteil aller verkauften Smartphones, aber das Potenzial in Verbindung mit Android Automotive OS ist nicht annähernd ausgeschöpft. Dabei hätte man mit Android Auto die passende Smartphone-App im Angebot, mit der man diese Verknüpfung ausbauen und im logischen Zusammenhang anbieten könnte. Und wofür hat Google einen der umfangreichsten Cloud-Angebote, wenn nicht für genau solche Dinge?


Ein schmalspuriger Anfang: Android Automotive OS braucht noch viel Unterstützung!


Im Fahrzeug funktioniert die Plattform von Google gut. Alles, was direkt mit dem Auto zu tun hat, ist simpel aufgebaut und einfach zu bedienen. Google Maps ist im Vergleich zu einigen Systemen der Autohersteller ein großer Gewinn, wie ich persönlich finde. Aber das Angebot rund um Apps und zusätzlicher Funktionen ist noch viel zu dünn und erfüllte nicht annähernd meine Erwartungen. Da ist noch sehr viel Luft nach oben – Stand: Ende 2021.

Denny Fischer

Gründer und amtierender Chef von SmartDroid.de, bloggt hier und nur hier seit 2008. Alle Anfragen an mich, in den Kommentaren oder über die verlinkten Netzwerke.

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