Wer sich auf eine lange Zeit mit Spielen direkt von Google für die Cloud-Gaming-Plattform Stadia gefreut hat, muss jetzt sehr starke Nerven haben.

Nicht einmal eineinhalb Jahre nach seinem Start trifft Google eine scherwiegende Entscheidung zu seinem Streaming-Dienst Stadia, die sich so schnell nicht rückgängig machen lässt. Wie Stadias General Manager Phil Harrison im offiziellen Blog ankündigt, wird Google nämlich sein hauseigenes Entwicklungsteam für Stadia-Titel mit Studios in Los Angeles und Montreal in Bälde dichtmachen.

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Stadia: Google will sich auf die Technik konzentrieren

Davon nicht betroffen seien die Spiele, die in „naher Zukunft“ erscheinen werden. Wie viele das genau sind, verrät Harrison im Blogeintrag leider nicht. Bisher ist noch kein Spiel aus der SG&E-Abteilung (Stadia Games & Entertainment) veröffentlicht worden.

Im Jahr 2021 erweitern wir unsere Bemühungen, Spieleentwicklern und Publishern zu helfen, die Vorteile unserer Plattformtechnologie zu nutzen und Spiele direkt an ihre Spieler zu liefern. Wir sehen eine wichtige Möglichkeit, mit Partnern zusammenzuarbeiten, die eine Spielelösung suchen, die alle auf der fortschrittlichen technischen Infrastruktur und den Plattform-Tools von Stadia aufbauen. Wir glauben, dass dies der beste Weg ist, Stadia zu einem langfristigen, nachhaltigen Unternehmen aufzubauen, das zum Wachstum der Branche beiträgt.

Es heißt, man habe Stadia mit dem Ziel gestartet, deine Lieblingsspiele sofort und wo auch immer verfügbar zu machen. Mit dem kürzlichen Launch von Cyberpunk 2077, was durch Stadia sogar unter iOS spielbar wäre, habe man die Funktionsweise der Technik unter Beweis gestellt.

Spiele-Entwicklung ist teuer und langwierig

Eigene Spiele zu entwickeln dauere nicht nur viele Jahre, sondern verursache zudem exponentiell wachsende Kosten. Das Geld wolle man lieber in die Technik und die Vertiefung von Beziehungen zu Geschäftspartnern investieren.

Mit der Ankündigung kommt weiterhin der Abschied von Jade Raymond. Die Veteranin aus der Spieleindustrie war unter anderem für die Produktion des ersten Assassin’s Creed verantwortlich, bevor sie die Leitung der Stadia-Spiele bei Google übernahm. Der „größte Teil“ aus der SG&E-Crew werde in neue Abteilungen überführt – für manche bedeutet das also die Kündigung.

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Stadia: „Der Anfang vom Ende?“

Die Neuigkeit wird in den Medien mit Skepsis aufgenommen. The Verge kommentiert es als einen „schweren Schlag für Googles Spieleambitionen“ und prophezeit, dass Stadia damit nur zu einer weiteren Plattform verkommt, auf der man die gleichen Spiele wie auf der PlayStation, der Xbox oder dem PC spielen kann.

Dass Google in eigene Exklusivtitel investierte, war ein Zeichen dafür, wie sehr man an den Cloud-Gaming-Service glaubte. Der GoogleWatchBlog nennt es den „Anfang vom Ende“.

Gleichzeitig gibt es aber auch Stimmen, die es zwar als „große Sache“ auffassen, aber nicht als das Ende der Welt – schließlich habe man bereits eine lange Zeit Spaß mit Stadia gehabt, ganz ohne Google-Spiel.

Was haltet ihr von der Entscheidung? 

Jonathan Kemper

Studiert Technikjournalismus, bloggt über Smartphones, Apps und Gadgets, seit 2018 mit regelmäßigen News und ausführlichen Testberichten bei SmartDroid.de an Bord.

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